Montag, den 19. Januar 2009 um 18:59 Uhr

Heyne
Taschenbuch, Klappenbroschur, 920 Seiten
ISBN: 978-3-453-60080-5
19,95 €
Kurzer Einblick
Wie lautet der kürzeste Anfangssatz in einem deutschen Roman? Wie kam Edgar Allan Poe zu Tode? War Hemingway ein Kriegsverbrecher? All das und noch viel, viel mehr steht in diesem Lexikon – eine unerschöpfliche Quelle von Homer bis zum Dan-Brown-Plagiatsprozess.
Unsere Bewertung
Endlich gibt es „Was geschah mit Schillers Schädel“ auch in der Taschenbuchausgabe; die Bezeichnung „Taschenbuch“ ist bei diesem Riesensammelsurium jedoch weit untertrieben. Das Buch ist größer als ein durchschnittliches Paperback und auch wesentlich schwerer – zum „Eben mal in der Bahn lesen“ ist das nichts! Das macht aber auch nichts, denn darin lesen kann man in Rainer Schmitz' Werk auch gar nicht, man schmökert und stöbert viel mehr. Fängt man bei „Selbstmord“ an, landet man plötzlich bei „Ghostwriter“ und von da wieder zu „Privatdrucke“.
Wir erfahren beim zweiten Stichwort des Buches (das erste gehört einem Zitat Arthur Rimbauds), dass es doch tatsächlich Romane ohne den Buchstaben „A“ gibt und in langen Listen, welche Schriftstellerinnen sehr wahrscheinlich oder ganz sicher lesbisch waren. Unter dem Stichwort „Kanon“ finden sich zahlreiche Bücher, die man unbedingt noch lesen muss oder die man schon gelesen hat und so kann man auch das gesamte Buch verstehen: Als einzige große Anregung. Das Vierteljahrhundert, das Schmitz als Entwicklungszeit angibt, hat sich gelohnt. „Was geschah mit Schillers Schädel“ ist das Geschenk schlechthin für jeden Literaturfan, aber auch für Literaturmuffel, die dadurch endlich merken werden, dass Literatur viel mehr ist als langweilige Bücher, zu denen man in der Schule genötigt wurde und dass es sich lohnt, zu stöbern und zu entdecken.
Mehr ist zu diesem Buch auch nicht zu sagen, denn es ist rundum gelungen. Selbst die fehlenden Bilder und Illustrationen machen die Top-Wertung nicht zunichte, denn die hätten nur von dem abgelenkt, was wichtig ist: das geschriebene Wort, immer noch Grundlage jeder Literatur.
5 von 5 Punkten





Wir danken dem Heyne Verlag für das zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar.




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