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Droemer
Hardcover, 344 Seiten
ISBN: 978-3-426-27535-1
19,95 €




Ein kurzer Einblick

Waris Dirie wurde in der afrikanischen Wüste geboren – und sie ist ihr Leben lang eine Nomadin geblieben. Ihre Arbeit als Topmodel und ihr Engagement für Menschenrechte machten sie in der ganzen Welt berühmt, doch sie ist eine Getriebene, die zwischen den Kulturen steht. Ihr neues Buch handelt von ihrem Doppelleben in ihrer neuen »weißen Heimat« – wo sie einerseits gefeiert wird, andererseits aber eine Fremde ist, die im Alltag allein wegen ihrer Hautfarbe von Taxifahrern abgewiesen und von Männern als Freiwild betrachtet wird.
Als ihr Sohn Leon auf die Welt kommt, wird Waris Dirie ihre Zerrissenheit und Heimatlosigkeit schmerzlich bewusst. Und sie beschließt, ihrem Kind das zu geben, was sie selbst schon lange nicht mehr kennt: eine wirkliche Heimat.



Unsere Bewertung

Waris Diries neues Buch ist sehr vielversprechend, liest man sich den Klappentext durch. Ein Konflikt, mit dem viele Menschen leben müssen, bestimmt auch ihr Leben: Sie lebt als schwarze Frau in einem weißen Land, ihr Leben ist von Gegensätzen bestimmt.
Leider entpuppt sich das Buch als etwas anderes, der Konflikt, der so interessant gewesen wäre, wird nur anfangs erwähnt und bestimmt das Buch nicht.
Nachdem Waris Dirie in Brüssel von einem Taxifahrer entführt wurde, beschließt sie, nach Afrika zu gehen. Von der Entführung erfährt man (leider) nichts, sie wirkt im Gegenteil mehr als eine beiläufige Begebenheit, die nicht von großer Bedeutung ist. Auch die Aussage, sie wolle nicht darüber schreiben, macht das Ausmaß dieses Erlebnisses nicht deutlicher – man kann nur erahnen, dass es traumatisierend gewesen sein musste. Leider bekommt man durch solche Andeutungen auch leicht den Eindruck, Dirie wolle sich als Opfer inszenieren, was sie doch eigentlich nicht nötig hätte!

Den größten Teil des Buches machen die Erlebnisse rund um die Verfilmung ihres ersten Buches „Wüstenblume“ aus. Dirie reist dazu nach Dschibuti, wo der Film gedreht wird. Die langen Beschreibungen der Dreharbeiten sind bald sehr ermüdend, man wünscht sich persönlichere Einblicke in Diries Leben. Oftmals wirkt sie auch recht arrogant, wenn sie Forderungen stellt, für die sie jeder andere Produzent wohl für unverschämt erklärt hätte.
Sowieso erscheint Waris Dirie in ihrem eigenen Buch nicht als sehr sympathisch. Ständig bezeichnet sie sich selbst als „international bekannte Menschenrechtsaktivistin“, beschwert sich darüber, dass niemand sie in ihrem Kampf gegen die weibliche Genitalverstümmelung unterstützt, besteht im Gegensatz dazu jedoch auch auf ihrer Eigenständigkeit. Dass sie dem Vater ihres zweiten Kindes ihre Schwangerschaft und wohl auch gar die Existenz des Kindes verheimlichen will, tut hier ihr übriges. Sie möchte ihrem Kind eine Heimat geben, die sie nie hatte, verheimlicht ihm jedoch seine Herkunft väterlicherseits – das zu verstehen, fällt sehr schwer.
Natürlich hat Waris Dirie auch bereits viel bewirkt mit ihrer Arbeit, allerdings ist die Art und Weise wie sie sich selbst in diesem Buch darstellt nicht gerade gut für die Publicity.

„Schwarze Frau, weißes Land“ ist ein wirr geschriebenes Buch, das zwar chronologisch vorgeht, in seinen Gedankengängen aber zu vielen Fäden folgt. Durch die ständige Beweihräucherung ihrer selbst und die ständigen thematischen Wiederholungen hat sich Waris Dirie keinen Gefallen mit diesem Buch getan. Nach dem vierten autobiografischen Buch sollte man irgendwann genug sein eigenes Leben ausgeschlachtet haben!


1,5 von 5 Punkten





Wir danken Droemer/Knaur für das bereitgestellte Rezensionsexemplar.

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