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Klett-Cotta
Gebunden, 224 Seiten
ISBN: 978-3-608-94617-8
17,95 €





Ein kurzer Einblick

Alex Rühle ist ein erfolgreicher Journalist, er kommt ganz schön rum, ist glücklich verheiratet und hat zwei Kinder und er ist süchtig. Er ist ein Internet-Junkie. Kein Extremfall, nicht mal die Ausnahme. Er ist gerade so abhängig wie Sie und ich es sind, nur dass wir es nicht immer wissen. Doch Alex Rühle weiß es und macht Ernst: Ein halbes Jahr wird digital gefastet, und das Leben als Journalist und Vater muss offline weitergehen. Dabei ist das Porträt einer Zeit entstanden, in der alles immer schneller geht und man doch keine Zeit hat, und in der das Allein-Sein zur Tortur geworden ist.



Unsere Bewertung

Die wenigsten Menschen sind heutzutage noch offline, ist man es nicht, wird man schief angesehen und ist gesellschaftlich nahezu isoliert. Alex Rühle jedoch stellte sich dieser Herausforderung und wagte den Schritt, ein halbes Jahr offline zu gehen.
Das Tagebuch, das Alex Rühle während dieses halben Jahres führt, ist teils zerstreut und er verliert in den einzelnen Einträgen oftmals den Faden. Wirklich emotional ist das Tagebuch auch nicht; natürlich dreht sich alles um den Autor und seine Erfahrungen, von denen er auch berichtet, doch viel zu oft wird es theoretisch. Er schreibt dann von Zeitungsartikeln oder gar von philosophischen Werken statt zu schildern, wie er sich fühlt, was er selbst denkt und was ihn bewegt – das wäre wesentlich interessanter gewesen. Dennoch schafft er es an ein paar Stellen, den Leser zum Nachdenken und Innehalten zu bewegen, besonders wenn er von anderen Internetjunkies erzählt, deren Erlebnisse mit dem Netz erschreckende Ausmaße angenommen haben. Da ist zum Beispiel die Frau, die in einem Verlag arbeitet und sich den Wecker auf drei Uhr nachts gestellt hat, um bei Farmville Auberginen zu ernten. Oder der Mann, dessen Kinder vergessen sind sobald der Blackberry vibriert. Vor allem der Gebrauch von Smartphones scheint in diesem Zusammenhang am bedenklichsten – die ständige Erreichbarkeit und die Möglichkeit, immer und überall online gehen zu können. Da hält man noch mehr an seinem „normalen“ Handy fest als zuvor ...

Am Ende hat man den Eindruck, das halbe Jahr habe langfristig gesehen nichts verändert. Es hat den Autor zwar zum Nachdenken gebracht, aber der Druck von außen scheint zu groß. Immerhin ist seine Tätigkeit als Journalist bestimmt von der ständigen Erreichbarkeit. Rühle wird wohl so weitermachen wie zuvor und auch in Zukunft seiner Sucht frönen – schade für die Ehefrau und für die Kinder, denen er sich statt des Blackberrys widmen sollte.



2,5 von 5 Punkten




Wir danken Klett-Cotta für das bereitgestellte Rezensionsexemplar.

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