Mittwoch, den 11. Februar 2009 um 19:29 Uhr

Knaur
Taschenbuch, 240 Seiten
ISBN: 3-426-78140-9
8,95 €
Ein kurzer Einblick
Ikea stellt Partnerschaften auf die Probe: Männer werden in hysterische Aufregung versetzt, wenn ihre Gefährtin bei Ikea shoppen gehen will. Frauen geraten an den Rand des Wahnsinns, wenn ihr Partner sich beim Versuch, das Kellerregal »Gorm« zusammenzuschrauben, offene Blasen an den Händen holt, Hilfe aber ablehnt, weil er sich weigert, sein Selbstbild als begnadeter Heimwerker zu korrigieren.
Jetzt gibt es Aufbauhilfe für Ikea-Geplagte: Humorvoll und informativ zugleich erzählt Sebastian Herrmann von dem geradezu unheimlichen Einfluss, den Ikea auf uns alle ausübt. Das fängt mit der Fahrt zum Möbelhaus an (oder vielmehr mit dem Stau, in dem man unweigerlich landet) und hört bei der Duzerei, mit der Ikea seine Kunden traktiert, noch lange nicht auf ...
Unsere Bewertung
Ikea ist überall und inzwischen beschäftigt man sich auch auf bedrucktem Papier mit dem Exportschlager aus Schweden. „Wir Ikeaner“ ist zwar durchaus nicht das erste Buch zu diesem Thema, aber es wagt einen subjektiveren Blick.
Sebastian Herrmann ist Ikea so verfallen wie die meisten von uns, in einer regelrechten Hassliebe. Er vergleicht „Ikeaner“ mit Junkies und nimmt sich selbst dabei nicht aus; doch auch wenn er zu Ikea pilgert, weiß er um die negativen, die dunkleren Seiten. Die fehlenden Schrauben, die eiskalt kalkulierten Kundenfangpreise, die ganze Strategie hinter dem Unternehmen, der Profitgedanke des Gründers Ingvar Kamprad. Insgesamt gesehen kommt Ikea eher schlecht weg, trotz dass Herrmann die Faszination nicht leugnet. Wir wissen es alle eigentlich besser und doch ist ganz Deutschland ikeainfiziert und mit ihm - der Autor.
In „Wir Ikeaner“ erfahren wir, wieso wir Ikea so verfallen sind und auch so manches Detail über Kamprads Unternehmen. So gerne wir auch zu Ikea gehen, um dort unser Geld zu lassen, weil es dort doch so nett ist – Ikea ist ein Unternehmen, das Gewinn machen will und zwar mit unserem Geld. Diese zugegeben nicht sehr schöne Wahrheit wird nicht verschwiegen. Wie Ikea es mit allen erdenklichen Tricks schafft, uns zum Kauf von Sachen zu bewegen, die wir doch eigentlich gar nicht wollen und brauchen, ist fast ein offenes Geheimnis. Trotzdem wirken Herrmanns Entdeckungen ernüchternd. Leider deckt er vor allem gegen Ende nichts Neues mehr auf und neigt zu Wiederholungen. Wir erfahren zum dritten Mal, dass Ikea uns ein Gefühl von Heimat vermittelt oder dass die Anekdote von der fehlenden Schraube internationale Gültigkeit hat.
„Wir Ikeaner“ ist nett zu lesen und man entdeckt sich ab und an selbst darin, wenn man nicht einer der wenigen ist, die sich Ikea gegenüber verweigern. Weil man aber nicht wirklich etwas Neues erfährt und der Autor sich oft wiederholt, ist das Buch wohl wirklich nur eingeschränkt empfehlenswert.
Und für das nächste Buch haben wir einen kleinen Verbesserungsvorschlag: Seine Freundin/Lebensgefährtin kann man nun wirklich "meine Freundin" nennen. Das klingt doch viel netter als "die Freundin" ...
2 von 5 Punkten


Wir danken Droemer Knaur für das zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar.




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