Donnerstag, den 24. März 2011 um 12:53 Uhr

Fischer Verlage
Taschenbuch, 656 Seiten
ISBN: 978-3-596-17674-8
9,95 €
Ein kurzer Einblick
Mensch und Meer. Eine merkwürdige Beziehung, geprägt von Hass, Unkenntnis, Romantisierung, Neugier und Ignoranz. Wie funktioniert dieses gewaltige System, dem wir entstammen und über das wir weniger wissen als über den Outer Space? Wie konnte im Urozean Leben entstehen, woher kam überhaupt das ganze Wasser? Warum ist die Evolution ausgerechnet diesen Weg gegangen und keinen anderen? Denn ebenso gut hätte sie uns in intelligente, flüssigkeitsgefüllte Luftmatratzen verwandeln können. Einmal hat sie es jedenfalls versucht – und beinahe geschafft. Mit Sachverstand und Ironie spannt Schätzing den Bogen vom Urknall bis in die kommenden 100.000 Jahre, nimmt uns mit in das unbekannte Universum unter Wasser, versetzt uns in Erstaunen, Entzücken und Entsetzen. Danach sieht man die Ozeane mit anderen Augen. Ein Sachbuch, das so spannend ist wie Schätzings Thriller »Der Schwarm«.
Unsere Bewertung
Sehr oft beginnt ein Sachbuch eigentlich nicht mit der „Sache“ an sich, sondern einer Entschuldigung. Nämlich jener Aussage, dass es nicht alle Erklärungen liefern kann, sondern nur einen Teil des Ganzen. An sich denkt sich das jeder Leser, denn man kann eine Thematik nicht in 500, 600 und auch in keine 1 000 Seiten packen und auf Vollständigkeit setzen, alleine weil sich die Aktualität in manchen Wissenschaften fast stündlich ändert, überspitzt ausgedrückt. Auch der „Schwarm“-Autor Frank Schätzing ist gegen diese Einleitung nicht gefeit, dann tauchen wir allerdings hinab in die tiefe, blaue See. Doch Kommando zurück: Ehe es in die heutige Tiefsee geht, entführt uns Schätzing in eine Welt vor unserer Welt. Wir erleben die Anfänge der Erde, reisen durch Eiszeiten und Urkontinente und treffen auf die seltsamsten Lebensformen, die unser Planet hervorgebracht hat. Man merkt hier bereits, dass es nicht nur um die See und Meere an sich geht, sondern Schätzing sich Größeres vorgenommen hat. Von der Urerde in die Tiefsee und ins Weltall – es gibt keinen Ort, wo die Reise nicht hingeht. Für die Leser ist es meistens sehr unterhaltsam, denn Schätzing schöpft aus seiner Romancier-Kelle. Ein großer Vorteil, wenn man bereits einen spannenden Thriller geschrieben hat und weiß, wie das Publikum zu unterhalten ist. Kein Sachbuchautor kommt da heran, doch man sollte natürlich auch nicht vergessen, dass viel Unterhaltung unter anderem auch auf Kosten der Informationen gehen kann. So gibt es beispielsweise ein halbes Kapitel über einen Megalodon, einem Urhai, dem wir als Leser folgen und seine Jagd observieren – eher ein Romanabschnitt als ein Sachbuchkapitel. Fairerweise muss man dann wiederum anfügen, dass „Nachrichten aus einem unbekannten Universum“ auch kein klassisches Sachbuch im wissenschaftlichen Sinne ist. Doch wer die Tiefsee samt Erdgeschichte unterhaltsam erklärt haben möchte, keine ellenlangen Quellenverweise benötigt und gerne ein Stück Sachlichkeit Spannungsbögen opfert, wird an diesem Werk nicht vorbeikommen. Frank Schätzing erschafft ein unterhaltsames Leseabenteuer der besonderen Art.
4 von 5 Punkten







