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Weisheiten

Eine Kindheit ohne Bücher wäre keine Kindheit. Es wäre, als ob man aus dem verzauberten Land ausgesperrt wäre, aus dem man sich die seltsamste aller Freuden holen könnte.
Astrid Lindgren

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Piper
Klappenbroschur, 192 Seiten
mit 1 Karte
ISBN: 9783492275309
12,95 €




Ein kurzer Einblick

Sie wollen in Izmir einen Teppich kaufen? Oder einen Döner? Sie kennen das Wunderwort »Ayip« nicht? Dann sollten Sie diese Gebrauchsanweisung lesen: Sie verrät Ihnen nicht nur die Feinheiten türkischer Umgangsformen, sondern Sie erfahren auch einiges über die Schamgrenzen im Hamam, über die Notwendigkeit duftender Überlandbusse und weshalb Mustafa Kemals Konterfei dem Besucher aus jeder Fischbude entgegenlächelt. Iris Alanyali weiß, was ihre Landsleute umtreibt – sie berichtet von abergläubischen Bäckermeistern, von Gerichten, die »Mädchenbrüste« heißen, und davon, welche Rolle die türkische Großmutter spielt. (Verlagstext)



Bewertung

Die Türkei hat leider einen gewissen Ruf weg – als Billigreiseland, in dem man Markenklamotten ebenso billig kaufen kann. Iris Alanyali beweist in ihrer „Gebrauchsanweisung“ jedoch, dass dieses Land mehr zu bieten hat als nachgemachte Louis-Vuitton-Täschchen.
Da Iris Alanyalis Vater Türke ist und sie regelmäßig ihre Verwandten dort besuchte und noch besucht (wenn auch ein Großteil leider inzwischen verstorben sei), hat sie natürlich ein besonderes Verhältnis zur Türkei, hat aber den Blick einer Westeuropäerin nicht verloren. In den zwölf Kapiteln widmet sie sich Istanbul, einer Fahrt quer durch das Land, der türkischen Küche und Staatsgründer Atatürk genauso wie dem Besuch im Hamam, der Religion und dem Aberglauben, der türkischen Musik, den antiken Stätten, dem „Sündenpfuhl“ Mittelmeerküste und Tipps, wie man sich als Schnäppchenjäger verhalten sollte. Ein abschließendes Kapitel wird dann wieder etwas historischer, wenn sie das Verhältnis der Türkei zur EU beleuchtet, zu der das Land ja auch nach langen Verhandlungen bis heute noch nicht gehört. Die Auswahl der Themen trifft genau die essentiellen Punkte, die die Türkei auszumachen scheinen. Man erfährt jedoch auch, dass inzwischen die wenigsten Türken in ein Hamam gehen und dass das türkische Bad wohl nur noch eine Attraktion für die Touristen ist. Ebenso, dass die wahre Türkei nicht in den Urlaubsorten zu finden ist und die Türken sich wohl selbst kaum einen Gefallen tun, wenn sie sich zu sehr den Touristen anpassen.
Der Leser wird dabei immer direkt angesprochen, in manchen Kapiteln nimmt die Autorin ihn sogar an die Hand und schreibt von einem „wir“. Eine gewisse persönliche Note entsteht dadurch aber leider nicht, denn sie selbst bleibt immer im Hintergrund (außer im ersten Kapitel, in dem sie von ihrer Oma erzählt oder an ein, zwei anderen Stellen gegen Ende hin). Gerade sie, die ja sicherlich viel erlebt hat, hätte aus dem Nähkästchen plaudern und die ein oder andere Anekdote vom Stapel lassen können. Dass sie sich bewusst (?) dagegen entscheidet, macht das Buch nicht unbedingt schlechter, sondern einfach eine Spur neutraler als es hätte werden können.



Fazit

Ein rundum gelungener Einblick in ein Land, das mehr ist als des Deutschen liebstes Billigreiseland . Etwas persönlicher hätte es jedoch gerne sein können, wenn die Autorin schon aus dem Nähkästchen plaudern kann …

Übrigens: Wem Iris Alanyalis „Gebrauchsanweisung“ gefallen hat, dem sei ihr Buch „Die blaue Reise“ empfohlen, das ganz ihrer deutsch-türkischen Familie gewidmet ist und in dem man noch viel mehr von der tollen Oma erfährt.



3,5 von 5 Punkten





Wir danken Piper für das bereitgestellte Rezensionsexemplar.