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Eine Kindheit ohne Bücher wäre keine Kindheit. Es wäre, als ob man aus dem verzauberten Land ausgesperrt wäre, aus dem man sich die seltsamste aller Freuden holen könnte.
Astrid Lindgren

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Piper
Klappenbroschur, 240 Seiten , mit 1 Karte
ISBN: 9783492275569
14,95 €





Ein kurzer Einblick

Dass Schweden mehr ist als Ikea, Pippi Langstrumpf und das Königshaus haben Schwedenfans schon immer gewusst. Antje Rávic Strubel hatte in Schweden ihr Ferienhäuschen und berichtet in ihrer „Gebrauchsanweisung“ vom Ferienparadies Gotland, der Verschwörung der Krimiautoren und der Angst der Schweden vor Komplimenten.


Bewertung

Bei Antje Rávic Strubels „Gebrauchsanweisung für Schweden“ spürt man, dass man es hier mit einer Autorin zu tun hat, die sonst Romane schreibt – wobei dies ansonsten kein Hinderungsgrund für das Verfassen einer Piper'schen „Gebrauchsanweisung“ ist, aber der Autor oder die Autorin muss in der Lage sein, das Literarische über Bord zu werfen. Schon die einleitenden Sätze irritieren: Eine Stimmung wird aufgebaut, ein Bild gemalt. Alles gut und schön, aber nicht gerade ein packender Einstieg. Was ein wenig nervt, ist, dass die Autorin immer wieder Vergleiche zu ihrer „alten“ Heimat, der DDR zieht. Man kann ja mal Vergleiche zu Deutschland ziehen, wenn Schweden sich deutlich davon unterscheiden würde, aber erstens gibt es die DDR nicht mehr und zweitens geht es hier um Schweden und nicht um ein anderes Land. Diese seltsame Nostalgie, wenn man sie denn so nennen kann, ist fehl am Platze und anstrengend noch dazu.

Nie habe ich länger an einer „Gebrauchsanweisung“ von Piper gelesen, nie hatte ich so wenig Freude daran. Überzeugt die Reihe sonst mit außergewöhnlichen Einblicken, die sonst kein normaler Reiseführer liefern würde, hat man sich hier mit der Wahl der Autorin keinen Gefallen getan. Der Stil ist viel zu „literarisch“ für eine „Gebrauchsanweisung“, er passt einfach nicht zum Thema. Man hat außerdem nicht den Eindruck, dass die Autorin wirklich oft Kontakt zu den Schweden hatte, wahrscheinlicher ist, dass sie sich in ihrer sommerstuga eingesperrt hat, damit ihr Idealbild von Schweden weiterhin bestehen bleibt, statt ins Land hinaus zu gehen und sich mit den Leuten zu unterhalten … A propos sommerstuga: Hat man bisher noch keinen Schwedischkurs belegt, sollte man es vor der Lektüre des Buches besser tun oder zumindest ein Wörterbuch bereitlegen. Schwedische Begriffe sind zwar in kursiver Schrift hervorgehoben, werden aber selten übersetzt oder erklärt. Wenn man kein Wort Schwedisch kann, wird man kaum wissen, was lättöl ist – nämlich kein Öl, sondern „leichtes Bier“ mit ca. 2% Alkoholvolumen. Oder dass mit Jöteborje die korrekte schwedische Aussprache der Stadt Göteborg gemeint ist. Die Bedeutung mancher Begriffe kann man erahnen, beispielsweise dass die sommerstuga wohl das Sommerhäuschen ist, aber ganz so sehr sollte man den Leser nicht im Dunkeln tappen lassen. Ob die Autorin hier ihre wenigen Schwedischkenntnisse vorführen oder einfach die Leser verwirren wollte, weiß man nicht – ein Glossar oder zumindest Fußnoten für alle Sprachunkundigen wäre keine schlechte Idee gewesen.

Von Insiderwissen ist hier leider auch nicht viel zu merken. Die Autorin bleibt oftmals sehr an der Oberfläche und ergeht sich lieber in langen Beschreibungen ihrer Erlebnisse mit einer Reisegruppe oder der Teilnahme ihres Vaters am Vasalopp, dem Wasalauf, dem größten Skilanglauf-Wettkampf Skandinaviens. Lieber hätte man kleine Anekdoten gelesen oder wie die Schweden so leben, was sie essen, wie sie feiern, von den kleinen und großen Unterschieden zwischen Schweden und Deutschen, aber falls diese kleinen Anekdoten überhaupt mal vorkommen, wirken sie eher fade und man überliest sie fast. Die Autorin scheint sich genau die Erlebnisse ausgesucht zu haben, die in fast jedem anderen Land dieser Welt auch hätte passieren können – und ganz und gar nicht schwedentypisch ist. Die Überleitungen sind meist schwer nachvollziehbar. Im gleichen Kapitel finden sich beispielsweise die Schriftsteller Schwedens und das Thema Alkohol nebeneinander. Von einem Absatz zum anderen kann es passieren, dass ein neues Thema angeschnitten wird.
Man spürt nichts von der – ja sicherlich vorhandenen – Liebe der Autorin zu diesem Land, das austauschbar wirkt und keinen großen Charakter hat – zumindest wenn man nach der Darstellung im Buch geht.

Positiv ist, dass man seit der Erstauflage von 2008 Erweiterungen vorgenommen hat, um das Buch aktueller zu halten, doch so hart es auch klingt: Vielleicht sollte man das Thema mal an einen anderen Autor übergeben, so wie man es ja auch schon früher (z.B. bei der Gebrauchsanweisung für Japan) getan hat.



Fazit

Würde ich nicht ohnehin einmal nach Schweden wollen, hätte mir diese „Gebrauchsanweisung“ keine Lust darauf gemacht. Gerade von dieser „Gebrauchsanweisung“ habe ich mir so viel versprochen, doch leider wurde ich enttäuscht: Der Autorin gelingt es nicht, ihre – anscheinend bestehende – Begeisterung für dieses Land zu transportieren und bleibt an der Oberfläche. Zudem redet sie oftmals um den heißen Brei herum, ergeht sich in langen Episoden zu Themen, die man hätte kürzer fassen können und gar nicht zum Thema zu passen scheinen und geizt mit Insidereinblicken. Die „Gebrauchsanweisungen“ können auch anders und vor allem besser!




1,5 von 5 Punkten





Wir danken Piper für das bereitgestellte Rezensionsexemplar.