Samstag, den 19. Dezember 2009 um 18:30 Uhr

DVA
Gebunden, 224 Seiten
ISBN: 978-3-421-04437-2
14,95 €
Ein kurzer Einblick
Warum manche Schriftsteller Genies sind und trotzdem Langweiler, welches Buch ihm die Angst vor dem Tod nimmt, ob Borges wohl wusste, was für eine schöne blaue Krawatte er damals trug – über all das plaudert Deutschlands Literaturpapst in der allwöchentlich erscheinenden Rubrik der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung „Fragen Sie Marcel Reich-Ranicki“. In diesem Band sind die Fragen aus den vergangenen drei Jahren versammelt, die den Kritiker verärgerten, die ihn zum wortreichen Schwärmen brachten, die ihn persönlich betroffen machten oder seinen Widerspruchsgeist reizten. Marcel Reich-Ranicki erzählt packend von außergewöhnlichen Begegnungen mit internationalen Autoren, liefert Interpretationshilfen, wettert gegen literarische Fehleinschätzungen und den Literaturbetrieb. Seine Antworten, mit ironischer Distanz verfasst und immer souverän und pointiert, belehren, belustigen und empören. Ein Band voll verblüffender Fundstücke aus der Weltliteratur.
Unsere Bewertung
Reich-Ranicki spaltet Deutschland – die einen lieben ihn, die anderen verachten ihn. Sein Wissen um die deutsche Literatur steht dem eines Literaturprofessors sicherlich auch in nichts nach, doch dass mein sein Urteil widerspruchslos anerkennt – vor allem eben nicht so belesene Leser, die Rat suchen – ist etwas bedenklich. Oftmals handelt es sich ja um reine Meinungsäußerung und weniger um fundiertes Wissen. Da sollte man sich als Ratsuchender nicht direkt die nächste Autobahnbrücke hinunter stürzen, wenn man eine andere Meinung hat als der Literaturpapst, denn schließlich ist der auch nur ein Mensch, der irren kann.
In „Für alle Fragen offen“ versammeln sich also allerlei Artikel der Rubrik „Fragen Sie Marcel Reich-Ranicki“ aus der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, die sich mit den Jahren angehäuft haben. Unterteilt sind sie lose in unterschiedliche Kapitel, beispielsweise Fragen, die Reich-Ranicki geärgert haben. Leider ist das Wort „lose“ wirklich dick zu unterstreichen, denn bei manchen Fragen und den dazugehörigen Antworten ist nicht ganz ersichtlich, weshalb sie jetzt ausgerechnet in diese oder jene Kategorie gerutscht sind. Die Antworten selbst ergehen sich oft in Anekdoten und Schwelgen in Erinnerungen und kommen nur nach einem gestrengen Anruf an die eigene Disziplin Reich-Ranickis zum Punkt. Da wird sich beispielsweise auf die Frage, welches Buch eines Autors als das wichtigste angesehen wird, ellenlang über ein bestimmtes Werk ergangen und man kann sich dann denken, dass dieses das wichtigste ist – doch eine punktgenaue Antwort zu erwarten, das ist beinahe unmöglich.
Auch die Auswahl der Fragen und Antworten ist nicht immer gut ausgefallen, denn in manchen Antworten überschneidet sich etwas und es ist zwar schön zu sehen, dass Reich-Ranicki seine Meinung nicht ständig ändert, aber da hätte es doch sicherlich genügend andere Fragen gegeben, die man hätte auswählen können?
Insgesamt ist „Für alle Fragen offen“ ein nettes Schmankerl für zwischendurch, man sollte es jedoch nicht allzu ernst nehmen. Besonders dem Literaturunkundigen und -suchenden sei ans Herz gelegt, das Buch höchstens als Orientierung zu sehen statt darin den absoluten Urteilsspruch zu suchen.
2,5 von 5 Punkten
Wir danken der DVA für das zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar.



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