Samstag, 28. November 2020

Filmkritik: Der Distelfink

Im Jahr 2013 veröffentlichte die amerikanische Schriftstellerin Donna Tartt „Der Distelfink“. Sechs Jahre später wurde der Roman unter gleichem Titel mit zum Teil namenhafter Besetzung von John Crowley verfilmt. Der Film erzählt aus dem Leben Theo Deckers (Ansel Elgort bzw. Oakes Fegley in jung), der bei einem tragischen Unglück seine Mutter verliert und zugleich verbotener Weise ein Bild erhält. Er findet zunächst Zuflucht bei der Familie Barbour, deren Mutter von Nicole Kidmann verkörpert wird, und Rückhalt durch Hobie (Jeffrey Wright). Doch dann muss er bei seinem Vater (Luke Wilson) und dessen Freundin Xandra (Sarah Paulson) leben. Dort verliert er immer mehr den Boden unter den Füßen und droht, in die Kriminalität abzudriften…

Die Verfilmung von „Der Distelfink“ greift die Handlung des Romans originalgetreu auf, verzichtet jedoch verständlicher Weise auf einige Erzählungen aus dem über 1.000 Seiten starken Roman. Zudem wird die Handlung nicht chronologisch erzählt, sodass sich die tragische Situation, die Theos gesamtes weiteres Leben bestimmten wird, in ihrer Gesamtheit dem Zuschauer erst nach und nach erschließt. Etwas irritierend sind Handlungssprünge zwischen dem Leben des jungen und des erwachsenen Theo Deckers, die die Chronologie der Handlung völlig durcheinanderbringen und zum Verständnis des Filmes keinen Mehrwert beitragen.
Der Film zeigt ausführliche vor allem die erste Zeit nach dem Unglück auf, was entscheidend ist, um Theos Gefühlswelt nachvollziehen zu können. Oakes Fegley spielt in eindrucksvoller Art und Weise den zutiefst traurigen Theo, dessen Welt völlig durcheinandergewirbelt wird. Die Zeit in Las Vegas wird dagegen richtiger Weise eher kurz dargestellt. Irritierend ist allerdings, dass Theo hier weiterhin von Oakes Fegley dargestellt wird, der für einen Drogen- und Alkoholabhängigen doch extrem jung aussieht. Der Sprung zum erwachsenen Theo Decker wird dagegen wieder sehr gut dargestellt. Ansel Elgort nimmt man die Zerrissenheit Theos völlig ab. Allerdings werden im zweiten Teil des Filmes viele Geschehnisse nur sehr kurz angeschnitten, sodass der Zuschauer, der den Roman nicht gelesen hat, sich wohl nicht alle Zusammenhänge erschließen kann. Gekrönt wird dies vom letzten Teil des Filmes, der in solch einer Hektik und Schnelligkeit ein Viertel des Buches in 15 Minuten zwängt, dass der Zuschauer am Ende gestresst zurückbleibt. Damit wird die tiefgreifende Auseinandersetzung mit Theos Psyche vom Beginn des Films zugunsten eins 150-minütigen Films zerstört. Hier hätten sich die Filmmacher doch lieber mehr Zeit nehmen und einen längeren Film riskieren können.
Neben den beiden Darstellern Theos überzeugen vor allem Nicole Kidman als Mrs. Barbour und Jeffrey Wright als Hobie. Luke Wilson und Sarah Paulson haben dagegen eher Kurzauftritte. Etwas irritierend ist die Besetzung von Boris, vor allem als Erwachsener, da dieser nicht wirklich wie ein Ukrainer aussieht. Auch die Kulissen sind sehr gut gelungen. Vor allem Hobies Haus und Werkstatt wirken wie aus dem Roman entsprungen und auch das Haus in Las Vegas und dessen Umgebung sind sehr gut dargestellt. Einzig das Apartment der Familie Barbour wirkt weniger pompös als es im Roman beschrieben wird.

Fazit

Der Verfilmung von „Der Distelfink“ kann zwar einige Längen des Romans durch eine pointierte Darstellung der Handlung ausgleichen, aber vor allem am Ende geht es dann doch zu schnell Schlag auf Schlag, sodass der Film hektisch abschließt. Darsteller und Kulisse sind gelungen, doch die Darstellung der Chronologie hätte besser umgesetzt werden können.

Geschrieben von um 11:02 Uhr.

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