Samstag, 16. November 2019

Filmkritik: Der Trafikant

Im Jahr 2012 veröffentlichte der österreichische Schriftsteller und Schauspieler Robert Seethaler seinen Roman „Der Trafikant“. Sechs Jahre später wurde dieser schließlich unter dem gleichen Titel von Nikolaus Leytner verfilmt. Auch wenn die Hauptrolle dem jungen österreichischen Nachwuchsschauspieler Simon Morzé zugedacht wurde, ist der Film mit Bruno Ganz als Sigmund Freud doch auch hochkarätig besetzt. Zugleich ist er einer der letzten Filme Bruno Ganz‘. Der Film erzählt vom Erwachsenwerden Franz Huchels, während der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten in Österreich…

Obwohl der Roman aus der Perspektive Franz Huchels geschrieben ist, gelingt es dem Film sehr gut, eben diese Perspektive einzunehmen und dennoch nicht eingeschränkt zu wirken. Die Handlung des Romans wird in diesem Sinne ohne größere Abweichungen wiedergegeben. Die äußeren Begebenheiten des Romans mit einer begrenzten Anzahl an Handlungsorten und der geringen Anzahl an Personen gibt der Film gekonnt wieder. Die inneren Auseinandersetzungen Franz Huchels, die Robert Seethaler im Roman mit gekonnter Leichtigkeit beschreibt, kann der Film jedoch nur begrenzt widerzuspiegeln. Die Traumsequenzen, die im Roman gegen Ende eine größere Rolle spielen, werden versucht, dafür zu nutzen, was jedoch nur partiell gelingt und zudem etwas überstrapaziert wird. Darüber hinaus leidet leider auch dieser Film darunter, dass Liebesbeziehungen eine größere Rolle spielen, als es für die Handlung notwendig wäre. So wird Franz‘ sexueller Entwicklung ein größerer Rahmen eingeräumt und auch das Verhältnis seiner Mutter zu verschiedenen Männern wird über die Maßnahmen betont.
Die Schauspieler sind dagegen sehr gut besetzt. Simon Morzé spielt Franz Huchel so, wie man ihn sich auch im Roman vorgestellt hat. Insbesondere Bruno Ganz mimt einen sehr guten Sigmund Freud, mit der Alterwürdigkeit dieses bekannten Psychoanalytikers. Aneszka ist im Roman zwar blond und im Film braunhaarig, aber daran gewöhnt man sich schnell, sodass insgesamt die Verkörperung der Figuren passt. Otto Trsnjek ist dagegen weniger zurückhaltend, als man es aus dem Roman kennt. Der tritt mehrfach offen für seine Meinung ein, während dies im Roman subtiler ist. Auch wird dein Verhältnis zu Franz inniger dargestellt, als es sich durch seine distanzierte Art im Roman entwickelt.
Die Kulisse des Films wirkt dagegen zu sehr wie ein Bühnenbild. Es scheint tatsächlich so, als ob sich die Schauspieler in einer historischen Nachbildung bewegen, sodass ein realistisches Bild der damaligen Zeit nur schwer transportiert wird. Gegenüber dem Roman tritt der historische Hintergrund sehr stark nach vorne. Im Roman ist er zu Beginn wenig präsent, aber allgegenwärtig. Während er im Film von Beginn an eine entscheidende Rolle spielt.

Fazit

Robert Seethalers „Der Trafikant“ besticht durch seine leise und leichte Erzählweise, in der es vielfach auch um das Nichtgesagte geht. Diesen Stoff zu verfilmen, stellte ein gewisse Herausforderung dar, die leider nur zum Teil gemeistert wurde. An der schauspielerischen Leistung ist nichts auszusetzen, doch hapert es an der Umsetzung von Handlung, inneren Konflikten und äußeren Rahmenbedingungen.

Geschrieben von um 15:58 Uhr.

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