Donnerstag, 20. Juli 2017

Filmkritik: Die Geisha

2005 verfilmte Rob Marshall den im Jahr 1997 veröffentlichten Roman „Die Geisha“ von Arthur Golden. Erzählt wird die Geschichte der kleinen neunjährigen Chiyo aus dem ärmlichen Fischerdorf Yoroido, die zusammen mit ihrer älteren Schwester Satsu nach Kyoto verkauft wird. Chiyo lebt fortan in der Nitta-Okiya mit der Aussicht, eines Tages eine Geisha zu werden, während ihre Schwester als einfache Prostituierte leben soll. Vor Chiyo liegen schwere Jahre, bis sie als Sayuri ihr Debut als Maiko (Lern-Geisha) gibt und bald darauf eine der bekanntesten Geishas Kyotos wird.


Mit seinen 139 Minuten Länge schafft es der Film, so viel wie möglich der Romanvorlage umzusetzen. Trotzdem ist klar, dass nicht jede der etwa 570 Seiten verfilmt werden konnten. Vieles musste zusammengeschnitten (z.B. Chiyos Ausbildung durch Mameha), umgestellt (z.B. war General Tottori ein Kunde Hatsumomos statt Chiyos danna) bzw. gekürzt werden (z.B. Chiyos Kindheit und der unfreiwillige „Umzug“ nach Kyoto). Dennoch wurden diese Änderungen in einer Art und Weise ausgeführt, dass der Zuschauer nichts von den Zusammenhängen missen muss. Es gibt noch einige kleinere, teils völlig unnötige Änderungen (z.B. heißt im Film das Geisha-Viertel Miyako, während das Viertel in der Romanvorlage Gion heißt), die aber nicht sonderlich ausschlaggebend für die Gesamthandlung sind.
Bevor ich das Buch gelesen habe, hatte ich den Film schon diverse Male gesehen. Schon immer hatte ich mir gewünscht, ein wenig mehr über Chiyos Kindheit zu erfahren. Im Buch wird ausführlich darüber erzählt, während der Film es auf wenige Minuten und Szenen zusammengekürzt hat. Zu Beginn wird auch noch Japanisch gesprochen aber auf Untertitel verzichtet. Der Zuschauer weiß nicht so recht, was passiert oder passieren wird. Und dann geht alles sehr schnell: Bevor man richtig begreift, was eigentlich geschieht ist, findet sich der Zuschauer mit Chiyo bereits in Kyoto in ihrer neuen „Familie“. Das hat aber auch seine gute Seite: Der Zuschauer wird regelrecht in den Film hinein- und von der Handlung mitgerissen. Durch das schnelle Tempo bleibt niemand unberührt, als Chiyo von ihrer älteren Schwester Satsu getrennt wird.
Sehr gut gelungen finde ich die Kostüme: ganz besonders stechen die Kimonos hervor. Sie bringen im Film nicht nur die japanische Mode und somit ein Stück der Kultur der Japaner näher, je nach Farbe und Muster verleihen sie dem jeweiligen Charakter und der Szene Bedeutung. Sehr deutlich wird das u.a. gegen Ende, als sich Sayuri und Kürbisköpfchen mit den Amerikanern treffen. Sayuri trägt dezente aber elegante Farben, die ihre Zartheit unterstreichen und das zurückhaltende Wesen der traditionellen Geisha hervorheben. Kürbisköpfchens Kimono hingegen ist auffällig bunt und symbolisiert hervorragend ihren offenen, teils lauten, Charakter.
Auch wurden Haupt- wie Nebencharaktere hervorragend besetzt. Manch einer mag kritisieren, dass tragende Hauptfiguren wie Sayuri, Mameha und Hatsumomo von nicht-japanischen Schauspielerinnen dargestellt wurden. Ich jedoch finde, dass Ziyi Zhang (Sayuri), Gong Li (Hatsumomo) und Michelle Yeoh (Mameha) ihre jeweiligen Rollen durchweg hervorragend verkörperten. Ziyi Zhang verleiht Sayuri eine besondere Zerbrechlichkeit und Eleganz, Michelle Yeoh strahlt Mamehas Ruhe und Erfahrung aus, und Gong Li bringt sowohl die bösartig intrigante als auch die verletzliche Seite Hatsumomos hervor.
Die Geschichte an sich bietet – verglichen mit anderen Dramen – kaum erzählerische Spannung, dennoch versteht Rob Marshall es, bildliche und musikalische Höhepunkte im Film zu setzen und den Zuschauer mit den Wünschen und Träumen der Charaktere zu fesseln. Wie schon in der Romanvorlage ist von Angst und Verzweiflung über Hass und Wut bis hin zu Hoffnung und Liebe alles vertreten und nimmt den Zuschauer mit auf die Reise in die geheime Welt der Geishas. Anders als andere Filme, wo die Liebe eines der Hauptthemen ist, hält sich diese Verfilmung treu an ihre Vorlage; der Liebesgeschichte von Sayuri wird lobenswerterweise nicht mehr Bedeutung beigemessen als im Buch.

Fazit

Trotz teils drastischer Kürzungen, Änderungen und Zusammenschnitte folgt der Film zumeist sehr treu seiner Romanvorlage. Die Hauptcharaktere wurden fabelhaft besetzt und verleihen dem Film die Exotik, die die Welt der Geishas ausmachte. Es fehlen zwar einige Szenen und auch so mancher Nebencharakter wird namentlich nicht erwähnt, auch wenn er im Film zu sehen ist, dennoch ist der Film logisch aufgebaut und in sich stimmig. Untermalt wird der Film von bezaubernder Musik, die nicht nur den emotionalen Nerv des Zuschauers trifft, sondern auch west- und fernöstliche Musikstile wirksam miteinander vermischt. Insgesamt finde ich „Die Geisha“ eine gelungene Verfilmung des gleichnamigen Buches. Wer mehr Hintergrundinformationen zur Geschichte wünscht und auch sonst tiefer in die Thematik einsteigen möchte, dem sei das Buch nahegelegt. Dennoch kann ich ruhigen Gewissens diesen Film für einen genussvollen TV-Abend weiterempfehlen.

Diese Filmkritik verfasste Luinrina für Legimus.

Geschrieben von .

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Felder mit einem * müssen ausgefüllt werden.

dreizehn + 3 =