Samstag, 04. Juli 2020

Filmkritik: The plot against America

Bereits im Jahr 2004 hat er mittlerweile verstorbene amerikanische Bestseller-Autor Philip Roth seinen Roman „The plot against America“, der in Deutschland unter „Verschwörung gegen Amerika“ erschienen ist, veröffentlicht. 16 Jahre später wurde nun die gleichnamige Miniserie, bestehend aus sechs Folgen á 60 Minuten ausgestrahlt. Die Handlung fokussiert vor allem auf die Erlebnisse der Familie Levin, deren Vater Herman von Morgan Spector und deren Mutter Elizabeth „Bess“ Levin von Zoe Kazan verkörpert werden. Mit dabei ist außerdem Winona Ryder als Bess‘ Schwester Evelyn. Die Serie zeigt aus Sicht des siebenjährigen Philip eine fiktive Geschichte auf, in der 1940 Charles Lindbergh anstelle von Franklin D. Roosevelt US-Präsident wird und einen Nichtangriffspakt mit Hitler abschließt…

Die Miniserie greift die Handlung des Romans sehr originalgetreu auf, sodass in den ersten Folgen zunächst einmal die Personen, ihre Hintergründe und Beziehungen zueinander im Fokus stehen. Erst ab der Mitte der Serie spitzen sich dann die Auswirkungen des neuen Verhaltens der Regierung auf die jüdischen Menschen nach und nach zu, sodass man als Zuschauer sich auch immer mehr mit der Familie Levin verbunden fühlt. Obwohl es der Miniserie im Gegensatz zum Roman nicht gelingen kann, die Handlung derart aus Sicht des siebenjährigen Philip zu beschreiben, der sich mehr und mehr ängstigt, gelingt es ihr dennoch sehr gut, dieses unsichere und beängstigende Gefühl nach und nach zuzuspitzen. Philip nimmt dabei eine weniger zentrale Rolle ein als im Roman, doch über seine Eltern und ihre Erlebnisse transportiert die Serie sehr eindrücklich die zunehmende Angst.
Da die Handlung sehr stark auf die Auswirkungen der politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse auf die Familie Levin fokussiert und dabei vor allem die familiären Auseinandersetzungen und Erfahrungen in den Vordergrund rückt, profitiert sie vor allem von der sehr guten schauspielerischen Leistung der Darsteller der Familie. An erster Stelle ist vor allem Morgan Spector zu nennen, der in überragender Art und Weise den fürsorglichen Familienvater darstellt, der sich gegen jede Ungerechtigkeit auflehnt. Er ist die mahnende Figur der Serie, der frühzeitig erkennt, welche Veränderungen im Gange sind und seine demokratische und freie Lebensweise beginnt, zu verteidigen. Aber auch die treuliebende Mutter Bess wird von Zoe Kazan sehr gut verkörpert. Ihre Figur stellt im Gegensatz zu ihrem Mann den ruhenden Pol der Familie dar, die alles tut, um die Familie zu schützen und dabei eher im Stillen agiert. Auf der anderen Seite ist sie jedoch auch zu klaren Worten, etwa gegenüber ihrer Schwester, bereit. Aber auch die anderen Schauspieler tragen dazu bei, dass der Zuschauer immer mehr mit der Familie Levin, die merkwürdiger Weise im Gegensatz zum Roman nicht Roth heißt, mit fiebert.
Neben den Figuren wirkt alles wie aus dem Roman entsprungen. Alle zentralen Teile der Handlung finden sich wieder und auch die Kulisse zeigt eindrücklich das kleinbürgerliche, kleinstädtische Leben auf, dass durch ein freundliches Miteinander bestimmt ist. Einzig das Ende wird ganz im Gegensatz zum Beginn der Serie sehr zügig abgehandelt, sodass sich denjenigen, die den Roman nicht kennen, nicht der komplette Ausgang erschließt. Damit wirkt das Ende wie ein Spin-Off zu einem weiteren Teil, der aber wohl gar nicht geplant ist und für den es auch keine literarische Vorlage gibt.

Fazit

Der Verfilmung von „The plot against America“ ist es sehr gut gelungen, die Handlung angemessen darzustellen. Auch wenn die Erzählperspektive im Vergleich zum Roman abweicht, werden die Auswirkungen auf die Familie Levin doch sehr eindrücklich herausgearbeitet. Dabei unterstützt vor allem auch die sehr gute schauspielerische Leistung.

Geschrieben von um 15:46 Uhr.

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