Donnerstag, 05. Juli 2018

Filmkritik: True Blood – I. Staffel

12 Episoden à ca. 50 min Spielzeit inklusive einem extra langen Auftakt Strange Love. Das ist das Grundgerüst der I. Staffel „True Blood“. Diese HBO-Verfilmung wurde von Alan Ball nach dem ersten Roman „Dead until Dark“ von Charlaine Harris’ Romanserie um die Kellnerin Sookie Stackhouse geschaffen, welche als Telepathin alle Hände voll zu tun hat, um nicht ständig unbeabsichtigt die intimsten Geheimnisse ihrer Mitmenschen mit anhören zu müssen. Da japanische Wissenschaftler vor einiger Zeit synthetisches Blut entwickelt haben und die am Rande der Gesellschaft versteckt lebenden Vampire damit jetzt nicht länger Menschen beißen müssen, um zu überleben, kommt ein solcher auch in die Bar, in der Sookie arbeitet. Da sie die Gedanken von Vampir Bill nicht hören kann, ist sie gleich von ihm angezogen und beginnt eine Beziehung mit ihm. Doch damit macht sie sich nicht nur Freunde.

Wie in meiner Rezension zu „Dead until Dark“ bereits geschrieben, hatte ich zuerst die Serie gesehen und dann den Roman von Harris gelesen. Und ich danke wem auch immer für diese Eingebung, da die Buchvorlage mich regelrecht enttäuscht hat nach dieser großartigen I. Staffel. Hätte ich zuerst den Romanauftakt gelesen, ich bezweifle, dass ich mir die Serie angeschaut hätte. Und das wäre wirklich schade gewesen!
Im Großen und Ganzen haben sich die Produzenten hinsichtlich der Handlung zwar sehr gut an die Buchvorlage gehalten, doch viele Dinge sind erweitert und ausgeschmückt worden. Kurzum, sie haben es wirklich geschafft, die 326 Seiten „Dead until Dark“ mit Leben zu füllen.
Und mit was für Leben! Fangen wir mal mit den Darstellern an: Allen voran Anna Paquin als Sookie und Stephen Moyer als William „Bill“ Compton. Es sind keine blassgesichtigen Gestalten, die sich Hals über Kopf romantisch ineinander verlieben. Die beiden haben Ecken und Kanten und spielen das Auf und Ab der beiden Protagonisten einfach hervorragend und mit echtem Gefühl, was mir in der Vorlage sehr oft gefehlt hat beziehungsweise nicht glaubhaft rüberkam. Alexander Skarsgård als Vampir-Sheriff Eric Northman und Kristin Bauer van Straten als sein Abkömmling Pamela Swynford De Beaufort, kurz Pam genannt, sind die perfekte Besetzung für auf den ersten Blick gefühlskalte, düster aussehende, arrogante und sexy Vampire. Zusammen betreiben die beiden die Vampirbar Fangtasia, welche leider nur sehr wenig in der I. Staffel gezeigt wird. Sam Trammell als Sookies Boss Sam Merlotte, Ryan Kwanten als ihr Bruder Jason Stackhouse, Rutina Wesley als Sookies beste abgefuckte Freundin Tara und deren Cousin Lafayette, der von Nelsan Ellis dargestellt wird… Sie alle sind mal mehr und mal weniger laut, haben Probleme und sind absolut authentisch. Sie spielen eine Gruppe von Kleinstadtleuten, die im hintersten Louisiana leben und dementsprechend verhalten sie sich und reden auch so. Das kommt besonders gut rüber, wenn man sich die Staffel im englischen Original anschaut. Ohne Untertitel geht da teilweise nichts!
Es ist auch sehr erfrischend und herrlich, wie Probleme wie Rassismus und Vorurteile, zum Beispiel Homosexuellen gegenüber, nicht verschwiegen, sondern absolut lebendig mit gezeigt werden und mit der Faszination (und manchmal auch Angst) den Vampiren gegenüber kombiniert wird.
Wie bei den meisten Verfilmungen auch, werden aber auch hier nicht alle Romanfiguren gezeigt beziehungsweise auch komplett neu erfunden. So wurde die Handlung von Longshadows wahrem Tod umgeschrieben und in Folge dessen Jessica Hamby als Bills Abkömmling eingeführt.
Was zu sexy Vampiren irgendwie immer dazugehört, ist viel nackte Haut. Und auch das bietet diese Staffel ohne Unterlass. Egal ob Mensch-Mensch oder Vampir-Mensch, es knistert gewaltig und man bleibt auch nicht von der anderen Sache verschont, was Vampire nun mal zum „Leben“ brauchen: Blut. Hier muss ich einfach auch das Intro erwähnen, welches jede Folge versüßt. Zu den Klängen von Jace Everetts „Bad Things“, was mich regelmäßig mitwippen lässt, werden ganz unterschiedliche, nicht immer schöne, aber immer auffallende und realistische Bilderfolgen gezeigt, die allesamt den Charakter der Show hervorragend wiedergeben, aber trotzdem keinen einzigen Vampir zeigen.
Besonders gut hat mir auch gefallen, dass im Laufe der letzten Folgen bereits ohne große Ankündigung der Übergang zur II. Staffel vorbereitet wird und die Staffel dann auch mit einem tollen infernalischen Cliffhanger endet.

Fazit

Diese Verfilmung übertrifft die Romanvorlage bei weitem! Hervorragende Darsteller und ein klasse Soundtrack bieten hier sehr viel fürs Auge und für die Ohren und ist absolut sehenswert für alle, die auf Vampiraction stehen, jenseits der romantischen Schmachtvarianten. Denn hier geht es teilweise richtig zur Sache, ist wahnsinnig realistisch, aber nimmt sich trotzdem nie zu ernst. Klare Empfehlung von mir: Wer die Show bereits gesehen hat, muss nicht unbedingt zum Buch greifen, aber wem die Vorlage gefallen hat, sollte sich diese Show definitiv anschauen.

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Geschrieben von um 22:41 Uhr.

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