Donnerstag, 30. April 2020

Filmkritik: True Blood – II. Staffel

Auch diese zweite Staffel hat wieder 12 Episoden à ca. 54 min Spieldauer. Und sie beginnt genau dort, wo die letzte Folge der ersten Staffel aufgehört hat: Mit dem Fund einer Leiche in Andy Bellefleurs Polizeiauto. Dafür ist die Mänade Maryann verantwortlich, deren Taten sich durch die gesamte Staffel ziehen. Als zweiten Handlungsstrang geht es für Sookie Stackhouse mit Bill Compton und Eric Northman nach Dallas, um den verschwundenen Vampir Godric zu suchen, der sich nicht nur als der Sheriff von Dallas, sondern auch Erics Erschaffer herausstellt.

Die zweite Staffel folgt im Allgemeinen der Geschichte des zweiten Bandes „Living Dead in Dallas“. Detailliert betrachtet wurde allerdings fast alles umgeschrieben oder ergänzt. So ist die Leiche, die Sookie zu Beginn findet, nicht wie im Buch Lafayette, sondern eine Frau, die wir noch aus der ersten Staffel kennen. Damit stehen für Lafayette ganz neue Möglichkeiten im Raum und sein Handeln wird auch die nachfolgenden Staffeln prägen. Das finde ich sehr gut, denn Nelsan Ellis war ein Schauspieler, der dem Charakter Lafayette sehr viel wunderbare Farbe verliehen hat. Sein Schicksal zu Beginn dieser Staffel scheint aber erstmal nicht so rosig, da ihm eine Hintergrundgeschichte als V-Drogendealer zugeschrieben wurde und er von Eric Northman als Sheriff bereits in Staffel I gefangen genommen und nun verhört wird. Im Umgang mit seinen Gefangenen zeigt Alexander Skarsgård als Vampir-Sheriff eine abwechslungsreich dunkle Seite, wenn er mit seinem charmanten Lächeln nicht an sein Ziel gelangt.
Besonders Sookie scheint im Gegensatz zum Buch nicht so anfällig für seinen Charme zu sein… Auch ist die Dynamik zwischen Bill und Sookie anders – kommt er in der Buchvorlage eher als ihr Agent rüber, führen die beiden auf der Leinwand eine echte Beziehung mit Höhen, Tiefen und Versöhnungssex. Im Buch wird Sookie aufgrund ihrer Fähigkeit, die Gedanken der Menschen lesen zu können, von Bill nach Dallas ausgeliehen, um dem dortigen Sheriff Stan zu helfen. Hier tauscht sie ihre Hilfe bei der Suche nach dem verschwundenen Vampir gegen Lafayettes Freilassung, zu dem Eric gern einwilligt. Denn im Gegensatz zum Buch hat Eric zu dem verschwundenen Godric eine ganz besondere Verbindung.
Godric wird wie Godfrey im Buch dargestellt – mit Tattoos und einer vom langen Leben und seinen begangenen Gräueltaten gezeichneten Müdigkeit. Nur wurde er von den Verantwortlichen als Erics Erschaffer umgeschrieben und das war ein hervorragender Twist. Denn so konnte Eric nicht nur seine harte und unerbittliche Seite zeigen, sondern auch eine zutiefst emotional, mit seinem „Vater, Bruder und Sohn“ verbundene. Die Sonnenaufgangsszene auf dem Dach des Vampirhotels war mit der Rückblende von Erics Erschaffung die schönste, aber auch traurigste dieser Staffel! Denn die Liebe, die Eric Godric gegenüber zum Ausdruck bringt, macht zum einen Godric als eigenständigen Charakter richtig interessant, verleiht aber auch Erics Charakter eine enorme Tiefe.
Gespielt wurde Godric von dem dänischen Schauspieler Allan Hyde und war meiner Meinung nach perfekt für die Rolle gecastet worden. Denn der zum damaligen Zeitpunkt knapp 20jährige hat die Weichheit der Jugend im Gesicht, lässt aber gleichzeitig die Härte und Weisheit seiner fiktiven 2000 Jahre durch seine Augen sprechen!
Was mir auch gefallen hat, war, dass Sookies Bruder Jason und auch ihre beste Freundin Tara mehr in die Geschichte eingeflochten wurden. Im Buch sind die beiden aufgrund des Ich-Erzählerstils aus Sicht von Sookie eher Randfiguren, über die man nur beiläufig etwas erfährt. Bei der Verfilmung ist Jason mitten drin im Geschehen in Dallas und Tara ist über weite Teile hinweg so etwas wie eine Adoptivtochter für die Mänade Maryann, die von der Schauspielerin Michelle Forbes gespielt wird. Diese hat auch eine andere Dynamik mit Sookies Boss Sam als im Buch und, wie ich finde, eine bessere, weil es dem Zuschauer etwas über Sams Vergangenheit verrät.
Im Zuge des Ausbaus der Mänaden-Eskapade wird auch die Vampirkönigin Sophie-Anne Leclerq vorgestellt, was der True Blood Welt insgesamt mehr Tiefe verleiht und Lust auf mehr macht.

Fazit

Auch diese zweite True-Blood-Staffel übertrifft die Romanvorlage wieder. Die Charaktere entwickeln sich nicht nur weiter und zeigen echten Tiefgang, sondern die Technik an sich ist wahnsinnig gut – die Erzählstränge sind gekonnt miteinander verwoben und das Erzähltempo ist gleichbleibend hoch. Gleichzeitig bekommt man eine unverblümte Dosis Gesellschaftskritik mitgeliefert, ohne dass diese zu aufdringlich wirkt. Politik, Blut, Sex und echte Gefühle – die zweite Staffel ist absolut sehenswert!

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Geschrieben von um 23:22 Uhr.

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