Samstag, 21. März 2020

Filmkritik: Unterleuten – Das zerrissene Dorf

Die bekannte deutsche Schriftstellerin Juli Zeh veröffentlichte im Jahr 2016 ihren Gesellschaftsroman „Unterleuten“. Vier Jahre später wurde er mit dem Untertitel „Ein zerrissenes Dorf“ als Miniserie mit drei Teilen mit einigen bekannten deutschen Schauspielern verfilmt. So ist Thomas Thieme als Rudolf Gombrowski, Chef des landwirtschaftlichen Betriebes und größter Arbeitgeber im Dorf, Ulrich Noethen als Vogelschützer Dr. Gerhard Fließ, Charly Hübner als Werkstattbesitzer Schaller und Jörg Schüttauf als Bürgermeister Arne Seidel zu sehen. Der Film erzählt, wie der geplante Bau von Windrädern das Dorfleben in Unterleuten durcheinanderbringt und Gegnerschaften entstehen bzw. wieder aufleben lässt…

Obwohl der Roman durch seine Vielzahl an Personen, deren Verbindungen zueinander erst nach und nach offengelegt werden, ein relativ komplexes Personengefüge besitzt, gelingt es dem Film gut, alle Personen und ihre Lebensbedingungen schnell einzuführen. Zwar verliert der Film gegenüber dem Roman dadurch etwas an Spannung, dass auf die Erzählung aus verschiedenen Perspektiven verzichtet wird und sich dadurch Beziehungen nicht erst nach und nach eröffnen, doch dies hätte eine filmische Umsetzung wohl auch überfordert. Insgesamt gelingt es dem Film sehr gut, die verschiedenen Handlungsstränge und Interessenlagen deutlich zu machen. Zum Teil wird auf die Beschreibung von einzelnen weniger bedeutenden Verbindungen zwischen Personen bzw. Handlungsstränge verzichtet, doch das tut dem Film keinen Abbruch.
Unnötiger Weise wird jedoch die Person der Anne Pilz eingeführt, die das Unternehmen Vento Direct, das die Windräder in Unterleuten bauen möchte, präsentiert. Diese Person ist im Vergleich zum Buch überbetont und deren Handeln sowie Bedingungen nehmen im Film ziemlich viel Platz ein. Zwischen ihr und dem Spekulanten Konrad Meiler wird eine Geschichte über wachsende Profitgier entsponnen, die es im Roman nicht gibt und die es auch für den Film nicht gebraucht hätte. Vielmehr ist dieser Nebensprang der Handlung irgendwann nur noch störend.
Die Dorfbewohner sind insgesamt alle sehr gut dargestellt. Sie scheinen wie aus dem Roman entsprungen, auch wenn einzelne Charakteristika nicht romangetreu abgebildet werden. Allerdings fragt man sich insbesondere bei Hilde Kessler, warum ihre Rolle im Vergleich zum Roman verändert wurde. Insgesamt sind es insbesondere die Frauen, die im Vergleich zum Roman naiver oder auch dominanter auftreten.
Die Handlung wird dagegen sehr gut wiedergegeben. Zwar gehen die Perspektivwechsel und das Ringen vieler Personen mit sich selbst verloren, noch diese Komplexität wäre wohl auch nur schwer darstellbar gewesen. Die Botschaft des Romans wird am Ende jedoch mehr als deutlich, auch wenn dieses in seiner Sinnbildlichkeit nicht deutlich dargestellt wird. Auch die Kulisse des Films passt sehr gut zum Roman, man fühlt sich tatsächlich in die tiefste brandenburgische Provinz versetzt.

Fazit

Die Komplexität von Juli Zehs „Unterleuten“ in einem Film darzustellen, stellt eine gewisse Herausforderung dar. Dies ist jedoch der dreiteiligen Miniserie mit einer sehr guten schauspielerischen Leistung gelungen. Leider gibt es jedoch einige Abweichungen vom Roman, die es nicht gebraucht hätte und die dem Film eher schaden.

Geschrieben von um 17:27 Uhr.

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Felder mit einem * müssen ausgefüllt werden.

siebzehn − acht =