Donnerstag, 22. Februar 2018

Filmkritik: Was vom Tage übrig blieb

Bereits im Jahr 1989 wurde Kazuo Ishiguro für „Was vom Tage übrig blieb“ mit dem Booker Price ausgezeichnet, bevor er 18 Jahre später schließlich den Literaturnobelpreis erhielt. Doch das Werk begeisterte direkt nach seinem Erscheinen und so wurde es im 1993 bereits hochkarätig verfilmt. So sind in den Hauptrollen Antony Hopkins als James Stevens und Emma Thompson als Miss Kenton, aber auch die bekannten Gesichter Christopher Reeve als Mister Lewis und Hugh Grant (vor seinem internationalen Durchbruch) als Reginald Cardinal zu sehen. Der Film erzählt, wie der Butler von Darlington Hall, James Stephens, durch einen Brief der früheren Wirtschafterin, Miss Kenton, sowie Personalsorgen dazu veranlasst wird, Miss Kenton zu besuchen. Auf dieser Reise blickt er auf sein bewegtes Leben auf Darlington Hall, die großen Ereignisse rund um den Zweiten Weltkrieg und das Verhältnis zu Miss Kenton während ihrer Tätigkeit auf Darlington Hall zurück…

„Was vom Tage übrig blieb“ von Kazuo Ishiguro zu verfilmen, war für Regisseur James Ivory insofern ein schwieriges Unterfangen, als es sich beim Roman hauptsächlich um eine Charakterstudie James Stevens handelt und der Roman daher insbesondere von seinen Erinnerungen und Gedankengängen geprägt ist. Dies ist in einer Verfilmung nur schwerlich nachzuzeichnen, da sie von Handlungen und wenig von Gedanken bestimmt ist. Insofern werden zwar alle Handlungen aufgezeigt, an die sich James Stevens im Roman zurückerinnert, doch es gibt darüber hinaus auch Szenen, an denen er nicht beteiligt ist und von denen der Ich-Erzähler des Romans nichts wissen konnte. Zudem gelingt es auch durch James Stevens verschlossene Art nur bedingt, seine Gedankenspiele und Gewissensbisse in adäquater Weise abzubilden.
Die Handlungen werden jedoch romangetreu wiedergegeben und auch die Darstellung Darlington Halls und seiner Umgebung scheint wie aus dem Roman entsprungen. Die hochkarätige Besetzung sorgt dafür, dass alle Personen mit ihren spezifischen Charakteristika gut wiedergeben werden. Einzig James Stevens wirkt, obwohl Antony Hopkins ihn hervorragend spielt, etwas arroganter als im Buch und auch das Verhältnis zu seinem Vater wird kühler dargestellt, als es zwischen den Zeilen im Buch zu lesen ist. Darüber hinaus schafft der Film Verbindungen zwischen Personen, die so im Roman nicht existent sind. Er verknüpft zwei Romanfiguren zu einer Filmfigur und schafft dadurch Bezüge, die nicht notwendig gewesen wären.
Zudem verfällt der Film leider zu dem, was man von Hollywood-Filmen gewöhnt ist und stellt stärker das romantische Verhältnis von James Stevens und Miss Kenton in den Fokus. Auch wird der Brief als Anlass für James Stevens Reise viel klarer und ausführlicher dargestellt, als er im Roman tatsächlich ist. In gleichem Zuge wird Lord Darlingtons Verstrickung mit den Deutschen im Vorfeld des Zweiten Weltkrieges viel deutlicher herausgestellt, als James Stevens es in seiner abwägenden Weise im Roman darstellt. Hier werden zusätzliche Dramatisierungen eingebaut, die der Film nicht nötig hätte. Stattdessen kommt leider James Stevens aufopfernde Art und die Bestimmung seines Lebens durch Arbeit nur wenig zur Geltung, wodurch in Verknüpfung mit dem veränderten Ende die Message des Romans im Film nur schwerlich deutlich wird.

Fazit

„Was vom Tage übrig blieb“ gibt die Handlungen des Romans originalgetreu wieder, die Kulisse ist beeindruckend und die Schauspieler überzeugen durch eine hervorragende Leistung. Leider gelingt es dem Film jedoch nicht, die Person James Stevens dem Zuschauer so nahe zu bringen, wie es der Roman vermag. Hier liegt das generelle Manko von Verfilmungen, wenn es darum geht, innere Zerrissenheit und Auseinandersetzungen darzustellen.

Geschrieben von um 17:40 Uhr.

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