Sonntag, 11. Mai 2014

Interview: Jeanine Krock

Liebe Jeanine, vielen Dank, dass du dir Zeit für ein Interview mit uns nimmst. Seit wann interessierst du dich für Literatur und wie bist du zum Schreiben gekommen?

Hallo Jana, vielen Dank für Deine Einladung zum Gespräch.

Büchern bin ich verfallen, seitdem ich lesen kann, und Geschichten habe ich mir auch schon im Kinderzimmer ausgedacht, nur aufgeschrieben habe ich sie – auch später – so gut wie nie. Bis ich eines Tages einen Sportunfall hatte. Da gab es noch kein Internet, wie wir es jetzt kennen und Bücher kaufte man in der Buchhandlung. Weil ich aber nicht laufen konnte, war das furchtbar kompliziert.

Also habe ich überlegt, wie sich mein Verstand in Bewegung halten ließ und bald darauf meine erste Vampirgeschichte aufgeschrieben.
Das ist womöglich der Grund, warum ich heute für Fantasy-Romane bekannt bin. Hätte ich damals mit einem Krimi begonnen, wäre vielleicht zuerst eine Krimiautorin aus mir geworden.

Im letzten Jahr ist dein neues Buch „Gib mir deine Seele“ herausgekommen. Kannst du uns etwas über deinen Schreibprozess erzählen?

Die Idee lag bereits seit einigen Jahren in meiner Schublade, aber ich fühlte mich noch nicht bereit, sie angemessen zu erzählen. Vor etwa zwei Jahren ermutigte mich meine Lektorin, einen Versuch zu wagen.
Während ich die Idee weiterentwickelte, habe ich parallel recherchiert: London, Barcelona, Paris … Städte, die ich gut kenne, die sich jedoch ständig verändern.
Währenddessen hörte ich Musik, tauchte ein in die Theaterwelt und befragte ehemalige Kollegen, Freunde und Bekannte über Gesang und Oper. Nebenher las ich eine Reihe von Fachbüchern und sah mich – nicht zum ersten Mal – in der griechischen Mythologie um.

Für die sexuellen Spielarten des Romans sprach ich mit Menschen, die in der Welt von Dominanz und Unterwerfung zu Hause sind. Vieles kann man sicherlich auch nachlesen, doch mich hat besonders interessiert, was ein dominanter Mann empfindet, der seiner Partnerin (einvernehmlich) Schmerzen zufügt und auch ihre Sicht der Dinge war mir wichtig.

Ich musste versuchen zu verstehen, wenn ich später in der Lage sein wollte, diese Gefühle einem breiten Publikum zu vermitteln. Wobei es mir darauf ankam, weder zu belehren oder zu schockieren, noch jemanden „vorzuführen“. Das liegt mir alles nicht und im Übrigen sollte die Liebesgeschichte im Mittelpunkt stehen.

Nachdem das Manuskript vom Verlag angenommen worden war, trafen wir uns im Sommer 2012, um der Story bei herrlichem Wetter im Garten unter meinem Apfelbaum den letzten Schliff zu geben. Kaum war „Feuerschwingen“ auf dem Weg in die Druckerei, ging es mit dem Schreiben von „Gib mir deine Seele“ los.

Mir war von Anfang an klar, dass mich meine Muse bis an die Grenzen treiben würde. Doch ich hatte keine Ahnung, welchen Rausch dies auslösen sollte. Am Ende bin ich beinahe umgekippt und ans Meer geflohen, um mich dort zu erholen. Es war eine unglaublich anstrengende, manchmal beängstigende aber auch eine ganz fabelhafte Zeit.

Du hast im Leser-Welt Forum eine Leserunde zu diesem Buch betreut. Wie ist es für dich in Kontakt mit deinen Lesern zu stehen?

In dieser Leserunde fand ich es besonders spannend zu beobachten, wie zentrale Passagen auf die Teilnehmerinnen wirkten. Ich arbeite zwar mit Lektorinnen zusammen, die auf gewisse Weise ja auch Leserinnen sind, doch das sind eben Fachleute, die Texte gelegentlich anders bewerten, als diejenigen, für die ich sie schreibe.

Bei Literaturveranstaltungen oder Lesungen hat man in der Regel zu wenig Zeit, auf einzelne Besucher näher einzugehen. Interaktion ist mir aber sehr wichtig. Es macht einfach Spaß, lesebegeisterte Menschen kennenzulernen und ihre Meinung zu hören.

Wenn ich an einem neuen Roman arbeite, vermeide ich es darauf zu schielen, was Leserinnen und Leser „wollen“. Ich schreibe so, wie ich es für richtig halte, und hoffe, dass meine Geschichten ein begeistertes Publikum finden. Natürlich überarbeite ich meine Texte gewissenhaft, diskutiere mit dem Lektorat, drehe und wende jeden Satz, bevor ich die Geschichte schließlich in die Freiheit entlasse. Was keineswegs heißt, dass ich eine Story einige Jahre später nicht womöglich auf unterschiedliche Weise erzählen würde. Davon gehe ich sogar aus, denn alles andere bedeutet Stillstand.

In der Leserunde wurden Szenen aus „Gib mir deine Seele“ mit dem Bestseller „Shades of Grey“ verglichen. Wie gehst du mit solchen Vergleichen um?

Ach, da bin ich ganz entspannt. Die Themen Dominanz und Unterwerfung spielen in vielen erotischen Liebesromanen eine mehr oder weniger große Rolle. Das war schon vor SoG so, aber die Trilogie hat, wie wir wissen, aus den unterschiedlichsten Gründen einigen Wirbel verursacht und ist ein Weltbestseller. Wer „Gib mir deine Seele“ liest, wird jedoch erkennen, dass es beachtliche Unterschiede gibt.

Jeanines Schreibtisch

Das Ende von „Gib mir deine Seele“ bietet Potenzial für einen weiteren Band. Gibt es Pläne in diese Richtung?

Hofft man nicht bei jeder Geschichte, dass nach dem Happy End eine endlos glückliche Zukunft auf die Helden wartet? Im realen Leben – falls es so etwas überhaupt geben sollte – sieht es damit bekanntermaßen nicht immer rosig aus.
Über meine Musen gibt es sicherlich noch einiges zu sagen. Allerdings, so viel darf ich darüber bereits verraten, nicht im nächsten Projekt.

Wie kommen die Protagonisten in deinen Romanen zu ihren Namen? Stehen die Namen als erstes fest oder kommen sie erst, wenn die Person bestimmte Charakterzüge aufweist? Oder spielt das alles gar keine Rolle?

Die Figuren eines Romans ergeben sich aus der Idee dazu. Während diese zu einer Geschichte heranwächst, suche ich bereits nach passenden Namen für die Hauptdarsteller. Dafür habe ich mir zwar eine Liste meiner aktuellen Lieblingsnamen angelegt, dennoch verliere ich mich auf der Suche nach Alternativen recht häufig im Internet. Das macht zwar Spaß, ist aber auch reichlich zeitintensiv. Der ideale Name passt zum Charakter, lässt sich gut aussprechen und merken.

Wenn du einen Tag mit einem Charakter aus deinen Romanen verbringen könntest, welchen würdest du auswählen und warum?

Schwierig. Ich habe ja schon so viel Zeit mit ihnen verbracht. Manchmal habe ich Lust auf ein Treffen mit Vampiren wie den Bibliothekar Asher [Licht & Schatten-Reihe], weil er anfangs eine Daseinsmüdigkeit verspürt, wie sie viele seiner Art kennen.
Der charmanteste Highlander, dem ich je begegnet bin, heißt Alan. Sexy, loyal und gebildet. Wer kann dieser Kombination schon widerstehen? [Wind der Zeiten] Mit ihm würde ich mich ebenso gern treffen wie mit Johanna, die das achtzehnte Jahrhundert für mich erkundet hat. Mein Lieblingsengel ist eindeutig Lucian, aber ebenso faszinierend finde ich die geheimnisvolle Iris. Auch mit ihnen würde ich gern weiter über die Kombination aus Lebensüberdruss und der Fähigkeit, auch nach Jahrhunderten noch offen für Neues zu sein, sprechen. Pauline, Constantin und Nicholas [Gib mir deine Seele] sind mir immer noch so nahe, dass es sich anfühlt, als träfen wir uns gelegentlich zu einem Kaffee irgendwo auf der Welt.

Welche Romane liest du selber gerne?

Im Grunde lese ich „querbeet“. Unterhaltendes, zwischendurch den einen oder anderen Roman, in dem nicht die Story, sondern die Figuren im Vordergrund stehen, dann wieder englischsprachige Paranormal Fantasy.
Ein Nachteil des Autorendaseins liegt vielleicht darin, dass ich weniger unbeschwert lese als früher und tatsächlich auch weniger Bücher zum reinen Vergnügen lese. Das Schreiben ist eine zeitintensive Angelegenheit und verlangt zudem nach gründlicher Recherche, deshalb lese ich auch viele Fachbücher. Meine Neugier auf gute Geschichten und besondere Erzählweisen ist aber geblieben.

Worauf können sich deine Leser 2014 freuen und hast du dir für dieses Jahr selber was vorgenommen?

2014 werde ich in erster Linie schreiben und viel lesen. Eine Recherche-Reise steht ebenfalls an. Zwei wunderbare Lesungen zur Leipziger Buchmesse liegen bereits hinter mir, während der DeLiA-Liebesromantage (Büsum, 15. – 18. Mai) werde ich den Workshop „Let’s Talk About Sex“ leiten und den Rest des Jahres vermutlich jeden Tag ein neues Buch aufschlagen, denn ich gehöre zur Jury des DeLiA-Literaturpreises, mit dem die besten Liebesromane 2014 ausgezeichnet werden. Die ersten Titel stapeln sich bereits in einem extra dafür angeschafften Regal und ich kann schon sagen, dass sich ganz tolle Romane darunter befinden.
Frischen Lesestoff aus meiner Feder wird es 2015 wieder geben. Auf meiner Website finden interessierte Leserinnen und Leser regelmäßig aktuelle Infos und gegebenenfalls weitere Termine

Website der Autorin: www.jeaninekrock.de
Facebook: www.facebook.com/JeanineKrock.Autorin
DeLiA Literaturpreis: www.delia-liebesromantage.de

Liebe Jeanine, wir danken Dir für dieses Interview.

Dieses Interview führte Jana Quade für Legimus. Alle Rechte vorbehalten.

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