Sonntag, 30. September 2018

Quartalsempfehlung: 3 / 2018

Liebe Leserinnen und Leser,

nach heißen und trockenen Sommertagen hat uns nun der Herbst erreicht. Die kühler und dunkler werdenden Tagen laden geradezu dazu ein, sich mit einem Buch und einem warmen Getrank auf das Sofa zurückzuziehen. Für solche Anlässe haben wir heute ein paar Tipps für euch:

Unterleuten, Juli Zeh

Juli Zehs „Unterleuten“ ist ein moderner Gesellschaftsroman, der zugleich viele polarisierende Spaltungslinien aufgreift: Stadt-Land, Ökologie-Wirtschaft, Tradition-Moderne, Eigeninteresse-Moral. Der Leser lernt im Roman die verschiedensten Perspektiven kennen und kann sich selbst ein Bild über die facettenreichen Verstrickungen zwischen den Roman-Figuren machen. Dies wird eindrücklich durch Juli Zehs angenehm leichtfüßigen Schreibstil und die stetige Spannung der Handlung unterstützt. (Sascha)

Ronnie und seine Freunde bauen ein Flugzeug, Martin Sodomka

Rezensiert habe ich dieses Buch noch nicht, da ich es selbst noch nicht ganz durchgelesen habe. Doch ich kann bereits jetzt eine ganz klare Empfehlung dafür aussprechen. „Ronnie und seine Freunde bauen ein Flugzeug“ ist perfekt für Kinder, die sich für Flugzeuge und deren Innenleben interessieren. Es ist dabei eine perfekte Mischung aus aufregender Geschichte und technischem Wissen (kindgerechte Exkurse zur Aerodynamik, Wetterkunde, Navigation etc.). Empfohlen wird es ab 6 Jahren, doch bereits mein Sohn mit seinen nicht ganz 3 Jahren liebt es, sich das Buch mit mir anzuschauen und wirft mit Begriffen wie Doppeldecker, Kurbelwelle und Auspuffrohr um sich… (Susanne)

Das Gleismeer, China Miéville

China Miéville ist ein Weltenerfinder. Er besitzt nicht nur das Talent, Welten leben einzuhauchen, sondern auch Mythen & Legenden so in der Gesellschaft zu verankern, dass diese glaubwürdig an den Leser herübergetragen werden, egal auf welch fremder Basis die Überlieferungen aufbauen. China Miéville schreibt mehr als Fantasy. China Miéville schreibt wahr gewordene Geschichte, die aus einem anderen Universum in unseres herübergetragen wurde. Dabei kann die Fremdartigkeit auch aus dem Bekannten entstehen, wenn die Übersetzung in das Weltenverständnis plausibel & konsequent umgesetzt ist. Das Gleismeer, also ein endliches Meer aus Gleisen & der Anlehnung der Zugkapitäne an unsere Schifffahrt, beweist dies auf beeindruckende Weise. Und wer sich nun fragt, warum das & nicht ausgeschrieben wird, lest die Rezension – oder besser, den Roman. (Benjamin)

Geschrieben von um 13:12 Uhr.
Samstag, 30. Juni 2018

Quartalsempfehlung: 2 / 2018

Liebe Leserinnen und Leser,

die Winter- und Frühlingstage sind nun bereits an uns vorbei gezogen und wir schreiten mit großen Schritten auf den Sommer, weitere heiße Tage und Badewetter zu. Zugleich verabschieden sich in den nächsten Wochen die meisten von uns in einen längeren Urlaub. Damit dieser auf jeden Fall mit gutem Lesestoff gefüllt ist, haben wir heute ein paar Empfehlungen für euch:

Overworld, Dan Wells

Mit „Overworld“ hat Dan Wells einen knackigen zweiten Band seiner Mirador-Reihe geschaffen. Darin bekommt der Leser einen besseren Einblick in das Spiel, da Marisa und ihre Freundinnen eine Einladung für ein exklusives Overworld-Turnier erhalten. Aber es geht in dieser Fortsetzung nicht nur um die Etablierung ihres Teams, sondern um weit mehr und gefährlichere Angelegenheiten, als sich die Mädchen ausgemalt hätten. Rasante Action, ordentliche Charakterentwicklungen und insgesamt ein spannender Plot, das macht „Overworld“ zu einer klaren Empfehlung von mir. (Susanne)

Mohr und die Raben von London, Vilmos und Ilse Korn

Passend zum Karl Marx-Jahr ist der aus der DDR bekannte Kinderbuchklassiker „Mohr und die Raben von London“ von Vilmos und Ilse Korn in einer neuen Auflage erschienen. Darin wird nicht nur von der Zeit Karl Marx‘ und seiner Familie in London erzählt, sodass man den Autor von „Das Kapital“ besser kennen lernt, sondern es werden auch eindringlich die Lebensbedingungen der Arbeiterschicht im 19. Jahrhundert aufgezeigt. Dabei können Kinder und Jugendliche, an die sich das Buch insbesondere richtet, gut ihre eigenen Lebensverhältnisse reflektieren. (Sascha)

Planetenjäger, George R. R. Martin & Gardner Dozois

George R. R. Martin ist für sich genommen bereits ein phantastischer Autor, der nicht nur Fantasy, sondern auch Horror und Science-Fiction schreiben kann. Gemeinsam mit Gardner Dozois, in Deutschland leider eher unbekannt, schrieb er »Planetenjäger«. Man darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Roman nur eine seichte Handlung hat. Wer komplexe Figurenkonstellationen und Interessenskonflikte erwartet, wird enttäuscht. Vielmehr punktet die Handlung mit gut geschriebenen Dialogen und gegensätzlichen Charaktereigenschaften, die nicht immer vom menschlichen Standpunkt aus betrachtet werden dürfen. Daraus ergibt sich die ein oder andere witzige Szenerie, in der man nicht nur über den Menschen lachen kann, sondern anfängt, darüber nachzudenken, was Menschlichkeit und Menschsein auszeichnet. Dabei versteht der Roman sich keineswegs als Philosophielehre, sondern als Unterhaltungsliteratur. (Benjamin)

Geschrieben von um 15:35 Uhr.
Sonntag, 01. April 2018

Quartalsempfehlung: 1 / 2018

Liebe Leserinnen und Leser,

das erste Quartal diesen Jahres hat uns neben einigen stürmigen Tagen auch einiges an Schnee gebracht. Aber es gab auch erste sonnige, frühlingshafte Tage. Nun wartet der abwechslungsreiche April, der laut Sprichtwort macht, was er will, auf uns. Um bei wechselhaften Wetter ausreichend mit Lesestoff versorgt zu sein, haben wir heute diese Empfehlungen für euch:

Was vom Tage übrig blieb, Kazuo Ishiguro

In „Was vom Tage übrig blieb“ erzählt Literaturnobelpreisträger Kazuo Ishiguro aus der Perspektive des Butlers James Stevens von Geschehnissen rund um das Herrenhaus Darlington Hall während Stevens Tätigkeit. Ishiguro gelingt es dabei eindrücklich, dass sich der Leser voll und ganz in Stevens hineinversetzen und die Widersprüche, die ein Leben als Butler mit sich bringt, nachvollziehen kann. Der Leser muss sich dabei mit Ergebenheit, persönlicher Zurückhaltung und gesellschaftlichen Machtverhältnissen auseinandersetzen. (Sascha)

Overworld, Dan Wells

Meine Rezension zum zweiten Mirador-Roman von Dan Wells kommt zwar erst in wenigen Tagen online, doch will ich es mir nicht nehmen lassen, „Overworld“ bereits jetzt weiter zu empfehlen. Nach „Bluescreen“ ist „Overworld“ die gelungene Fortsetzung um Marisa und ihre Freunde, die dieses Mal gleich einen ganzen Haufen an Problemen zu bewältigen haben. Mehr will ich dazu noch nicht verraten, doch lasst euch versichern, „Overworld“ rockt! (Susanne)

Carlton Mellick III, The Haunted Vagina & Ugly Heaven

China Míeville hat es mit »Der Eiserne Rat« geradeso nicht in die Empfehlung geschafft. Die irren Ideen von Carlton Mellick III sind wegen ihrer Abstrusität eine Spur erinnerungswürdiger. Eine verwunschene Vagina, Latexmenschen, masturbierende Engelsputten, elektrische Wasserfälle in einem verfallenen Himmel – in welcher Geschichte jagt eine Verrücktheit die nächste in einer glaubwürdigen Konsistenz (bitte nicht mit Logik verwechseln!) mit durchgehend hoher Qualität? Mir fällt da nur der Bizarro-Fiction Autor Carlton Mellick III ein. Gönnt euch die Achterbahnfahrt, denn so kurzweilig das Abenteuer auch ist, so unterhaltsam und aufregend ist es ebenfalls. (Benjamin)

Geschrieben von um 14:07 Uhr.