Sonntag, 24. Dezember 2017

News: Unsere persönlichen Jahresrückblicke rund ums Buch 2017

Liebe Leserinnen und Leser,

an Weihnachten kommt man nach einem meist hektischen Jahr endlich zur Ruhe und hat Gelegenheit, auf das vergangene Jahr zurückzublicken. Genau dies haben wir in diesem Jahr getan und zwar haben wir auf unser literarisches Jahr 2017 zurückgeblickt. Was uns in diesem Jahr bewegt, enttäuscht und fasziniert hat, könnt ihr in den nachfolgenden Beiträgen nachvollziehen. Aber wie sah euer literarisches Jahr 2017 aus? Hierzu würden wir uns über Kommentare von euch freuen!

Saschas Rückblick

Zu Beginn meines literarischen Jahrs 2017 habe ich zum ersten Mal einen Roman Alfred Döblins, und zwar direkt sein wohl bekanntestes Werk, „Berlin Alexanderplatz“, gelesen. Leider war dies jedoch kein gelungener Einstieg ins Jahr, denn Döblins Schreibstil mit unterschiedlichsten Textformen und Sprachstilen sagte mit leider sehr wenig zu und führte dazu, dass ich wohl erst einmal kein weiteres seiner Werke zur Hand nehmen werde. Das Frühjahr rettete mir jedoch Eugen Ruges Zukunftsaussicht in „Follower“, die nicht nur gekonnt aktuelle Entwicklungen aufgreift und zuspitzt, sondern mich auch nach Beenden der Lektüre noch einige Zeit beschäftigte. Zugleich entdeckte ich in diesem Jahr die Jahrhundert-Trilogie von Carmen Korn, dessen erster Band über vier Freundinnen in den Zeiten der beiden großen Weltkriege mich richtig tief in seinen Bann zog. Ich hoffte und freute mich mit den Frauen und ihren Familien und legte den Roman kaum noch zur Seite. Umso enttäuschter war ich, als im Juni endlich der zweite Teil der Trilogie erschien und er nicht mehr ansatzweise an das anknüpfen konnte, was mir im ersten Teil so gut gefallen hatte. Die Spannung aus dem ersten Teil konnte nicht in den zweiten Teil gerettet werden und auch die gekonnte Verknüpfung mit zeitgeschichtlichen Ereignissen fehlt hier fast vollständig. Diese zweite Enttäuschung des Jahres wurde durch eine Kindheitserinnerung wettgemacht. Nachdem ich „Als die Tiere den Wald verließen“ früher gespannt vor dem Fernseher verfolgt hatte, nahm ich mir die literarische Vorlage vor und erfreute mich an dem Miteinander der Tiere. In Erinnerung schwelgte ich in diesem Jahr auch mit „Beren und Lúthien“, und zwar an die Welt von Mittelerde und den wunderbaren Erzählstil von J.R.R. Tolkien. Leider hapert es bei dem Werk jedoch etwas an der Umsetzung, doch die Hauptgeschichte und die Illustrationen geben eine neue Gelegenheit, in die Welt von Frodo und Gandalf abzutauchen.

Susannes Rückblick

Mein literarisches 2017 war wunderbar vielfältig. Von den Dinosauriern in „Vergessene Welt“ (Michael Crichton) bin ich über die Geishas in Japan (Arthur Golden) in die Fantasywelt von „Diatar – Kind des Lichts“ (Ina Linger) gestolpert, war auf Kreuzfahrt mit der Online-Omi (Renate Bergmann), habe mein „Windelfrei“-Wissen (Karolin Wagner) erneuert und John Wayne Cleaver (Dan Wells) bei seiner letzten Schlacht begleitet. Dazu habe ich die kleinen Meerschweinchen „Moppi & Möhre“ (Anna Lott, Susanne Göhlich) nach Hause begleitet.
Ich habe zwar nicht annähernd so viele Bücher lesen können, wie ich mir für dieses Jahr vorgenommen habe, doch dafür haben mir alle Geschichten gut bis grandios gefallen. Ob es die Wiederspiegelung der eigenen Erfahrungen wie bei der Kreuzfahrt von Renate Bergmann, die Entdeckung fremder Welten wie in „Die Geisha“ oder „Diatar“ war, die intensive Spannung bei der Flucht vor den Dinosauriern, oder die putzigen und total bezaubernden Charaktere in „Moppi & Möhre“, ich habe die Lesestunden stets genossen.

Kims Rückblick

Mein literarisches Jahr verlief im Verhältnis zu 2016, in dem ich mit meiner Bücherauswahl nicht immer ein glückliches Händchen bewies, durchaus positiv. Es war einerseits geprägt von einigen Reihen, die ich zum Teil bereits seit Jahren verfolge. Zu Beginn des Jahres konnte ich mich über den dritten Teil „Tage der Schuld“ der Kommissar Erlendur in jungen Jahren-Reihe des isländischen Autors Arnaldur Indridason freuen, der nahtlos an seine spannenden Vorgänger anknüpfen konnte. Auch der fünfte Band „Die Schwestern“ der Brückenbauer-Reihe von Jan Guillou konnte mich zumindest wieder mehr überzeugen als die wirklich schwachen Vorgängerbände, wenn auch allmählich wirklich die Luft aus der Geschichte heraus ist. Spannender ging dafür im Frühling der zweite Teil „Portugiesische Rache“ der Lissabon-Krimis von Luis Sellano weiter, mit dem man wieder in die portugiesische Hauptstadt abtauchen konnte. Im Herbst enttäuschte mich leider Ken Folletts sehnsüchtig erwarteter dritter Band der Kingsbridge-Saga „Das Fundament der Ewigkeit“, der um Längen nicht mehr an das großartige „Die Säulen der Erde“ heranreichen konnte. Dafür entdeckte ich kurz danach die in Frankreich berühmte Commissaire Nicolas Le Floch-Reihe, die herausragend mit ihrem ersten Teil startete, der einen spannenden Fall mit einer sympathischen Hauptfigur und hoher historischer Authentizität verband. Andererseits war mein Lesejahr wie meistens bei mir von einigen Klassikern und Sachbüchern zu Geschichte und Ernährung geprägt. Bei den Klassikern ist mir vor allem Hans Falladas „Der Alpdruck“ im Gedächtnis geblieben, der ein schockierend ehrliches Bild der frühen Nachkriegszeit in Deutschland abbildete. Bei den Sachbüchern fiel vor allem Miriam Gebhardts „Die Weiße Rose“ negativ heraus, die in die üblichen Spekulationen rund um die Widerstandsgruppe verfiel. Besser gefiel mir da kurz darauf Franz Josef Volls „Schweinebande!“, das schonungslos die Machenschaften der Fleischindustrie darstellt. Doch auch „normale“ Romane durften in diesem Jahr nicht zu kurz kommen, im Genre „Belletristik“ liegen neben „Der Alpdruck“ und „Commissaire Le Floch und das Geheimnis der Weißmäntel“ meine vier Lesehighlights des Jahres, die sich schön über mein Lesejahr verteilten. Im Frühling begeisterte mich Joanna Cannons herrlich skurriles „Der Sommer der schwarzen Schafe“, in dem zwei kleine Mädchen in einem Vermisstenfall in einer englischen Kleinstadt ermitteln. Im Sommer ließ mich Maja Lundes „Die Geschichte der Bienen“ nicht mehr los, das die möglichen schockierenden Auswirkungen des Bienensterbens behandelt, und im Herbst versank ich in „Mudbound“ im Schlamm und erlebte Rassismus gegen Schwarze in den USA hautnah mit. Mein viertes Lesehighlight verrate ich heute noch nicht, denn dieses stellt meine Jahresempfehlung dar, dafür müsst ihr euch noch ein paar Tage gedulden.

Benjamins Rückblick

In der ersten Jahreshälfte hatte ich mir den Vorsatz gemacht, möglichst bei einer Handvoll Autoren zu bleiben und endlich angefangene Serien zu beenden oder längere Serien / Reihen am Stück weg zu lesen. Bis auf ein paar gewollte Ausreißer hat das wunderbar geklappt, was dazu geführt hat, dass fast nur großartige oder unterhaltsame Romane neben meinem Lesestuhl gelandet sind.
A. Lee Martinez schreibt keine Literatur mit großen Ansprüchen, dafür aber mit viel Witz, Klamauk und Spaßgarantie. Von China Miéville hatte ich bereits vor Jahren »König Ratte« gelesen, in bester Erinnerung behalten und von seinen Bas-Lag-Romanen nur positives gehört. Und ja, ich wurde keineswegs enttäuscht. Sein extrem detaillierter Schreibstil ist hochspannend, wird niemals langweilig und die Welt Bas-Lag ist mit Mythen, phantastischen Orten und Geschöpfen wahrlich lebendig. Diese Fülle an Ideen und den Detailgrad muss ein Autor erst einmal auf diesem exzellenten Niveau vollbringen: China Miéville hat es geschafft! Christian von Aster ist ein wenig wie eine Wundertüte: Niemals schlecht, aber die Qualität ist schwankend. Wenn er sich austoben kann, sprudeln die Ideen nur so (von seinen Kurzgeschichten kann ich niemals genug bekommen), die »Die große Erzferkelprophezeiung«-Trilogie fing sehr gelungen an, schwächelte aber, als von Aster den gleichen Pfad folgen musste. Seine Stärke liegt wohl eher in Einzelromanen. Von George R. R. Martin las ich nur Bücher, an denen er beteiligt war (Kurzgeschichtensammlungen, Wild Cards), die mich aber durchweg überzeugen konnten. Zu guter Letzt konnte mich der Roman »Die Vampire« von Kim Newman am nachhaltigsten beeindrucken. Der Mix aus fiktiven Ideen, geschichtsträchtigen Ereignissen und literarischen Anspielungen ist einmalig.
Eigentlich sollte die Idee, bei einer Handvoll Autoren zu bleiben, dazu führen, dass mein Regal nicht mehr ganz so überfüllt ist von ungelesenen Büchern. Leider hatte das aber den nachteiligen Effekt: Ich musste Bücher nachkaufen, weil die Autorensammlungen nicht vollständig waren. Nun gut, dafür habe ich fast nur Romane hervorragender Qualität gelesen. Vielleicht klappt es mit dem Abbau des Stapels ungelesener Bücher ja nächstes Jahr.

Geschrieben von um 10:56 Uhr.

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