Mittwoch, 18. Oktober 2017

Rezension: Beren und Lúthien (J. R. R. Tolkien)

Klett-Cotta
Hardcover, 304 Seiten
ISBN: 978-3-463-40683-1
22,00 €

Ein kurzer Einblick

Die Liebe zwischen Beren und Lúthien muss einige Hindernisse überwinden: sie ist eine Elbin und er ein Sterblicher. Zum stellt Lúthiens Vater Beren vor eine unlösbare Aufgabe, bevor er sie heiraten darf: Er soll von Melrons Krone einen Simaril rauben. Ob ihm dies gelingt, lässt Christopher Tolkien seinen Vater mit dessen Worten und in verschiedenen zeitlichen Versionen der Geschichte erzählen …

Bewertung

Leider hat J.R.R. Tolkien viel zu wenig literarische Werke hinterlassen und so ist es für viele Liebhaber seiner Bücher eine Freude, dass sein Sohn bemüht ist, einige der vielen Aufzeichnungen Tolkiens lesbar und zugänglich zu machen; so auch bei der Geschichte von Beren und Lúthien, die zwar im Simarillon vorkommt, doch bislang nicht für sich genommen erzählt wurde. Der Leser freut sich bei „Beren und Lúthien“ also auf eine neue Geschichte Tolkiens, die er auch auf etwa 50 Seiten erfährt, doch leider wandelt sich das Werk danach weg von einer Erzählung hin zu einer Werkrezeption.
Auch wenn man Christopher Tolkien seine Intension bei diesem Werk hoch anrechnen muss, gibt die Handlung um Beren und Lúthien leider nicht genug für einen Roman her und wäre wohl besser in einer Sammlung von Erzählungen erschienen. Da der Sohn J.R.R. Tolkiens der Erzählung jedoch auch aufgrund ihrer Bedeutung für seinen Vater mehr Raum geben wollte, stellt er sie in verschiedenen Stadien ihrer Entstehung dar. Dabei wird ihm leider sein Drang zur Genauigkeit sowie zur exakten und nachvollziehbaren Wiedergabe des Arbeitsstils seines Vaters zum Verhängnis. Seine ewigen Erklärungen zu den verschiedenen Versionen, zum Arbeitsmodus seines Vaters sowie zur Einordnung von Figuren und Handlungen in Tolkiens Gesamtwerk machen das Werk leider nur schwer lesbar.
Freunde des Werks Tolkiens sollten auf jeden Fall „Die Geschichte von Tinúviel“, die in diesem Werk enthalten ist, lesen. Hier kommt der Leser in den Genuss von Tolkiens Schreibstil und taucht in die aus „Der Herr der Ringe“ bekannte Welt ab. Da „Beren und Lúthien“ jedoch vor „Der Herr der Ringe“ spielt, können diejenigen, die keine eingefleischten Fans von J.R.R. Tolkien sind, nur begrenzt Bezüge ausmachen. Hier gibt es zwar durch ein Verzeichnis der Namen und Erklärungen Christopher Tolkiens Hilfestellungen, doch diese sind nur schwer zugänglich, sodass sie eher die Freude an der Geschichte drüben als essentiell ein besseres Verständnis zu liefern. Auch die nachfolgenden Auszüge aus verschiedenen Versionen der Erzählung sind wirklich nur für eingefleischte Tolkien-Fans zu empfehlen. Die Versionen sind nicht nur zum Teil, etwa durch Versmaß, schwer zu lesen, sondern bilden zudem auch nicht noch einmal die gesamte Geschichte ab. So erlebt der Leser zerstückelte Varianten der Geschichte, die zwar vorgenommene Änderungen im Laufe der Zeit verdeutlichen, jedoch keine Freude am Lesen der Geschichte erzeugen. Höhepunkte sind jedoch die Illustrationen zu den Erzählungen, die sich über den gesamten Band verteilen.

Fazit

Es ist eine schöne und lobenswerte Ideen, J.R.R. Tolkiens wohl persönlichste Geschichte einem größeren Publikum zugänglich zu machen. Doch leider hat Christopher Tolkien mit dieser Sammlung von Texten zu „Beren und Lúthien“ zu viel gewollt. Für diejenigen, die keine eingefleischten Tolkien-Fans sind und nicht am liebsten alles, was er hinterlassen hat, lesen möchten, bietet dieses Werk bis auf 50 Seiten wenig lesenswertes. Hervorzuheben sind jedoch die gelungenen Illustrationen im Buch.

2.5 von 5 Punkten

Wir danken Klett-Cotta für das zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar.

Geschrieben von um 09:32 Uhr.

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