Dienstag, 01. September 2020

Rezension: Blutbesudelt Oz (Christopher Golden, James A. Moore)

Buchheim Verlag
Hardcover, 144 Seiten
Privatdruck, Keine ISBN
39,99 €

Ein kurzer Einblick

1933. Verheerende Staubstürme und eine andauernde Dürre beuteln die Einwohner der Kleinstadt Hawley. Als schwarze Gewitterwolken aufziehen und todbringende Tornados mit sich bringen, fällt kein Regen vom Himmel – sondern Blut. Die teuflischen Kreaturen von Oz überziehen Kansas mit einem Heißhunger nach Tod und Verderben.

Bewertung

»Blutbesudelt Oz«, erschienen im Buchheim Verlag, limitiert auf 555 Exemplare, handnummeriert und von Christopher Golden, James A. Moore und dem Illustrator Glenn Chadbourne signiert, ist als Privatdruck veröffentlicht worden, besitzt also keine ISBN.

»Blutbesudelt Oz« ist die Zerstörung von Kindheitsträumen, der wahrgewordene Alptraum liebgewonnener Erinnerungen, die in die Finsternis gezerrt werden, und dem Schrecken der Handlung. Wenn die bösartige und blutige Grundtendenz von Märchen wahr wird, ist Oz kein Wunderland, sondern der Horror, der seine Pestilenz nach Kansas spuckt. Wir, die Leser, werden dieses Mal nicht nach Oz entführt, sondern Oz bringt seinen Zauber nach Kansas. Pechschwarze Wolken bringen todbringende Wirbelstürme mit; zurück bleibt ein Schrecken, der die Kleinstadt Hawley in ein blutiges Wunderland verwandelt. Die schaurig-düsteren und detailreichen Illustrationen von Glenn Chadbourne fangen die teuflischen Kreaturen wunderbar ein und verbildlichen die ohnehin schon grausam unheimliche Stimmung, die die Novelle mit jeder Pore ausatmet.

Drei Handlungsstränge hauchen dem Horror Leben ein. Hank, ein Sträfling verrichtet unter sengender Sonne schweißtreibende Arbeit. Gayle, eine neunjährige Farmerstochter, hart in der andauernde Dürre aus, die die Feldfrüchte vertrocknen lässt. Elisa, eine Roma, kam mit ihrem Mann und ihrem Baby Jeremiah nach Amerika, um das große Glück zu finden. Alle drei Charaktere vereint eines: Nachdem die Wirbelstürme verschwanden, blieben die widernatürlichen Kreaturen aus Oz zurück. Sie mordeten Gayles Eltern, badeten die Strafanstalt in Blut und zerfetzten Elisas Mann. Sie alle müssen die Nacht durchstehen und auf die ersten Sonnenstrahlen hoffen.

Geschickt springen die Autoren zwischen den Schauplätzen, bauen den Horror auf und treiben den Wahnsinn voran. Die Charakterzeichnungen hätten tiefgreifender ausfallen können, doch aufgrund der Kürze der Novelle ist das zu verschmerzen, auch weil die Rasanz der Erzählung ein ordentliches Tempo vorlegt. Die Intensität der Handlung ist absolut hervorragend, die Abwechslung zwischen Spannung, kurzen Momenten von Ruhe und Inszenierung der Oz-Kreaturen passend aufeinander abgestimmt. Manchmal wären ein paar mehr Verweilmomente der Handlung förderlich gewesen, um die Szenerie auskosten zu können. Abgesehen von der geringfügigen Kritik, die der Qualität keinen Abbruch tut, ist die Novelle eine gelungene Kombination aus Oz-Kreaturen und Charakteren aus L. Frank Baums Original. Letztere treten teils in monströser Abwandlung auf, teils in ihrer ehrbaren Gestalt, Hoffnung auf den Sonnenaufgang verbreitend. Vielmehr soll auch gar nicht zu den liebgewonnen Figuren aus der Kindheit genannt werden, um die Überraschung ihrer Wiederverwertung nicht vorwegzunehmen.

Fazit

»Blutbesudelt Oz« ist eine kongeniale Adaption und Eigenkreation der Autoren Christopher Golden und James A. Moore. Diese Autoren haben ihr Handwerk verstanden und verwandeln Kansas in ein Blutbad. Der prägnant-rasante Stil versprüht Grauen und Faszination und verwandelt Kindheitserinnerungen in Alpträume. Gerne mehr Adaptionen in dieser Qualität!

4.5 von 5 Punkten

Geschrieben von um 19:38 Uhr.

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