Dienstag, 16. Oktober 2018

Rezension: Das eherne Buch (Christian von Aster)

Klett-Cotta
Klappenbroschur, 347 Seiten
ISBN: 978-3-608-93934-7
17,95 €

eBook, 13,99 €
ISBN: 978-3-608-10816-3

Ein kurzer Einblick

Jaarn ist der Nachkomme des Hauses von Stahl und dazu auserkoren das Legendenschwert dem Kriegsbringer zu Füßen zu legen. Aus Geschichten geschmiedet, ist das Schwert die Hoffnung eines ganzen Landes. Nur wenn die Legende vollendet wird, soll dem Land der ewige Frieden gewährt werden. Gauner und Vagabunden, Gelehrte und Wortverdreher, Könige und Fürsten schicken Auftragsmörder oder Unterstützung Jaarn entgegen.

Bewertung

Der junge Mönch Jaarn ist dazu auserkoren dem Reich den ewigen Frieden zu bringen. Seine Aufgabe ist nichts Geringeres, als das Legendeneisen dem Kriegsgott zu Füßen zu legen. Echt jetzt? Ok, es ist kein Bauernjunge, aber … Nichts aber! Christian von Aster verwendet zwar den 0815-Plot der Fantasy-Weltenrettung, aber darauf aufbauend erschafft der Autor mit überraschenden Ideen einen intelligenten Roman, der nicht so hervorragend im Plot sein muss, sondern wie dieser Plot mit Ideen umgesetzt ist. Gerade daher ist es sogar gut, dass die Geschichte altbekannt ist, denn nur so können einige Ideen überhaupt funktionieren. Nun könnte man rummäkeln, dass die einzelne Idee ebenfalls zigmal verwendet wurde, aber die Gesamtheit schnürt ein rundes Paket und damit einen unterhaltsamen Roman, der sich erfrischend bekannt und wohltuend anders liest.

Auch die Charaktere stechen nicht unbedingt hervor. Jaarn ist in der Bibliothek von Ghidt-Lhorr aufgewachsen und er soll den Weltenfrieden einläuten. Natürlich agiert er anfangs unbeholfen und wächst nach und nach in seine Aufgabe hinein, angeleitet von Freunden oder Menschen, die gleiche Interessen verfolgen. Sein engster Begleiter ist der narbige Schurke Rugk, der geheimniskrämerisch wenig von sich oder den seit Jahren geschmiedeten Plan freigibt. Nur zögerlich offenbart er Jaarn Notwendigkeiten. Vom Charakter interessanter ist die Eisenmutter, Hebamme und Söldnerin in einem Beruf. Von Herrschern wird sie respektiert und geachtet. Die Zwiespältigkeit ihrer Person verleiht ihrem Handeln stets etwas, das den üblichen Gesetzen enthoben ist. Irgendwer muss schließlich die Söhne und Töchter der Herrschenden zur Welt bringen; ob von Freund oder Feind ist einerlei.
Die Gegenspieler Jaarns sind deutlich simpler gestrickt. General Zadt Mhaw will das Wappen des Keilers zurück zu Glanz und Glorie vergangener Tage führen. Geld, Blut und Gewalt – ihm sind alle Mittel Recht. Er ist ein Mann des Krieges, der erobern, besitzen und herrschen muss. Und dann gibt es da natürlich noch die diversen Parteien, meist Schurken, Banditen, Räuber und ähnliches Gesindel.

Vieles vom Plot, den Quests und den Charakteren ist zu simpel gehalten, aber die Ideen versöhnen. Es dürfen keine Wunder erwartet werden, aber das Zusammenspiel aus allem macht eben einen guten Roman. Grundlegend handelt der Roman von Gesetz und Moral, Krieg und Frieden, direkt damit einhergehend aber auch von Wirtschaftsmacht und Ehre auf dem Schlachtfeld. Es gehört quasi zum guten Ton einen Krieg zwischen Fürsten anzuzetteln, um Land und Besitz zu kämpfen, auf den Ausgang zu wetten. Die Dekadenz der Wohlhabenden baut auf den Rücken der Bauern auf. Letzteren bleibt oft nichts anderes übrig, die Felder und Familie zu verlassen, um in der Armee zu dienen. Und dann gibt es natürlich jene Soldaten, die das Schlachtfeld als Berufung und den Sieg als Ehre für das Wappen des Fürsten deklarieren. Die Verantwortungslosigkeit und Rücksichtslosigkeit zeigt sich besonders in der Weißen Stadt. Strahlend und friedlich offenbart sich das Stadtbild, doch errichtet auf Blut und der verfallenden Moral der Adligen besitzt die Stadt ein schwarzes Herz.
In all dem ist das Legendeneisen mehr als nur eine zu erfüllende Prophezeiung. Es ist die Hoffnung auf Erlösung der Ungerechtigkeit. Es ist ein Symbol für den Weltfrieden. Ohne Mühsal und Anstrengung lässt sich kein Sieg erringen. Opferbereitschaft und Abenteuer sind nötig, um die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Ob kleiner, Mönch, Vagabund, Fürst oder Künstler des Wortes; jeder muss seinen Teil zum Frieden beitragen. Solange niemand aufbegehrt, gewinnen die Skrupellosen.

Fazit

Was ist mächtiger? Das Wort oder das Schwert? Das Legendeneisen, Geschichten gegossen in die Form eines Schwertes, ist die Hoffnung eines ganzen Landes. Nicht so sehr die wohlbekannte, wenn auch aufgepeppte, Story stehen im Fokus, sondern die verarbeiteten Ideen, der Umgang mit Ehre, Moral, Hoffnung, Liebe, Ehrlosigkeit, Arroganz … »Das eherne Buch« stimmt einen nachdenklich, unterhält aber gleichermaßen.

4 von 5 Punkten

Geschrieben von um 19:48 Uhr.

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