Sonntag, 25. August 2019

Rezension: Das Fünfzig-Jahr-Schwert (Mark Z. Danielewski)

Klett-Cotta
Hardcover, 288 Seiten
ISBN: 978-3-608-50126-1
30,00 €

Ein kurzer Einblick

Auf einer Halloween-Party trifft die Näherin Chintana auf die verhasste Belinda Kite, während fünf Weisenkinder durcheinanderpurzeln und die Sozialbetreuerin den erZähler (sic!) herbeigerufen hat. Tarff, Ezade, Iniedia, Sithis und Micit lauschen der düsteren Geschichte, um das Fünfzig-Jahr-Schwert, das schon bald das mörderische Ende einleiten soll.

Bewertung

Mark Z. Danielewskis Romane sind sprachlich und typografisch ein Geniestreich. Er bricht aus Schemata aus und ignoriert geflissentlich Konventionen. »Das Fünfzig-Jahr-Schwert“ ist halb Kunst, halb Literatur. In jedem Fall aber ein beeindruckendes Werk, das den Leser fordert und begeistert. Die Sprache ist blumig, der Satzbau quasi nicht existent. Satzkonstruktionen sind verschachtelt, unterbrochen, neu angesetzt und doch nicht beendet. Der Autor spielt mit Wortneuschöpfungen, biegt die Grammatik seinem Zweck zurecht und geht künstlerisch und stilistisch mit Wörtern um, als erschaffe er ein Bildnis aus Wörtern. Der Text ist eine Visualisierung des Geschehens, des Erzählten und des Gehörten. Text lässt sich nur auf der linken Seite wiederfinden. Die rechte Seite bleibt leer, sofern Nähkunst den Text nicht ebenfalls visualisiert, bisweilen mit in den Text hineinfließt. Bereits der Buchumschlag ist von Nadelstichen zerstochen. Das Nähwerk besteht aus Nadelstichen und Fäden, die Berge, Winde, Schwerter in wilder Form erfassen.. Das Thema „Nähen“ zieht sich durch den ganzen Roman oder besser gesagt dem Märchen für Erwachsene. Düster und schwer erfassbar bricht die Geschichte (in der Geschichte) über den Leser herein. Der Schreibstil lässt sich nach anfänglichen Schwierigkeiten schon bald flüssig weglesen. Wer die wahre Tiefe, die echte Intention des Autors erfassen will – und da kommt jeder mit Sicherheit zu einem anderen Schluss – muss langsam lesen und höllisch aufpassen. Fünf Stimmen erzählen die Geschichte. Wobei der Text nur aus gesprochenem Wort besteht. Anführungszeichen in fünf verschiedenen Farben, in einfacher und doppelter Form, kennzeichnen die Stimmen, die in übergehenden Sätzen versuchen, alle die Geschichte durch ihre Sichtweise zu lenken. Einrückungen in neuer Zeile übernehmen den Gesprächsfaden an der Stelle, an der der vorige Satz in übergeordneter Zeile unterbrochen wurde.

Da die Geschichte schon kurz genug ist und ich dem Kunsterzählen nichts vorwegnehmen möchte, lest den Klappentext. Der verrät bereits genug.

Fazit

Ist das Kunst oder kann das weg? Persönlich mag einem der sehr künstlerisch, extravagante Stil nicht zusagen, doch eingestehen muss sich jeder: Mark Z. Danielewski ist ein Genie, wenn es um typografisch herausragend gestaltete Romane in Wort und Bild geht. So darf sich auch dieser Roman neben »Das Haus« und »Only Revolutions« einordnen, dessen genähte Illustrationen in ihrer Einfachheit und Feinheit manchmal mehr erzählen, als der fünfstimmige Roman.

4.5 von 5 Punkten

Geschrieben von um 18:59 Uhr.

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