Sonntag, 18. Oktober 2020

Rezension: Das Lamm wird den Löwen verschlingen (Margaret Killjoy)

Festa Verlag
Hardcover, 160 Seiten
Privatdruck, Keine ISBN
18,99 €

eBook, 4,99 €
ISBN: 978-3-86552-847-6

Ein kurzer Einblick

Die Punkerin Danielle treibt eine brennende Frage an: Was ist in der Punk-Stadt Freedom geschehen, dass sich ihr Freund freiwillig das Leben nahm? Etwas Unheimliches geht dort um, ein magisches Wesen, ein blutroter Hirsch, der die Herzen seiner Beschwörer fressen will. Um Freedom zu retten, muss Danielle schnell und entschlossen handeln.

Bewertung

Danielle ist den Fragen »Warum hat sich ihr Freund das Leben genommen?« und »Was ist in Iowa vorgefallen?“ auf der Spur. Ihre Suche führt sie nach Freedom, Iowa, wo Hausbesetzer, Punks und Anarchisten ihr persönliches Utopia erschaffen haben. Kurz bevor Danielle den Ort betritt, sieht sie einen blutroten Hirsch, der einem Hasen das Herz aus der Brust reißt. Es ist Uliksi, beschworen als Beschützer, um Freedom vor den Unterdrückern der Außenwelt zu bewahren. Doch nun wendet sich der Hirsch gegen die Ihren, gegen die, die ihn beschworen haben. Nur zur Sommersonnenwende kann das Ritual gesprochen werden, Uliksi zu verbannen.

»Das Lamm wir den Löwen verschlingen« soll wohl eine Art Parabel auf den Anarchismus sein, reizt das Thema aber niemals aus; nur an. Von Margaret Killjoy, die selbst lange Zeit als Transfrau ihr Leben auf der Straße verbrachte, hätte ich mehr erwartet, als eine dahinplätschernde Handlung mit blassen, kaum greifbaren Figuren. Einigermaßen gelungen ist das Gemeinschaftsgefühl der Kommune, das »Wir«-Gefühl, dass durch den Zusammenhalt der Punks entsteht. Doch dieses verblasst, bleiben doch sowohl Handlung als auch Figuren bedeutungslos und substanzlos. Am besten funktioniert die vom Hirsch ausgehende Bedrohung. In seiner ruhigen, beobachtenden Art, fungiert er als nahbares Grauen, dessen Aktionen niemals eingeschätzt werden können. Beim Hirsch ist die Substanzlosigkeit Stilmittel, da sein Wesen von Danielle erst verstanden werden muss. Danielle, die aber selbst Punkerin ist, ist ihr gehaltloser Charakter nur Zeugnis vom Unvermögen der Autorin einen Charakter zu gestalten, der greifbar wird. Im Nachhinein weiß der Leser nur dies: Sie ist Punkerin und hat ihren Freund verloren. Wissen, das man schon zu Anfang des Kurzromans vermittelt bekommen hat. Danielle entwickelt sich nicht weiter, die Handlung entwickelt sich nicht weiter; der Kurzroman bleibt vor einer wirklich interessanten Kulisse des Punk-Anarchismus in Freedom und einer bildgewaltigen Gefahr in Form Uliksis blass und verwaschen. Was bleibt, ist das Bild einer Gruppierung, die mit ihren Idealen kämpft. Schade nur, dass Killjoy dies nicht ausreichend zu vermitteln vermag, um ein hochspannendes Thema in ein ebenso phantastisches Gewand zu kleiden.

Fazit

Margaret Killjoys »Das Lamm wird den Löwen verschlingen« kämpft mit substanzlosen Charakteren und einer dahinplätschernden Handlung. Dabei hätte der Punk-Anarchismus und der Dämon Uliksis, der alle Despoten und Machthungrigen vernichtet, so viel zu bieten. So bleibt das Utopia der Punks ein trivialer Ort, dessen durchaus gut vermitteltes »Wir«-Gefühl, keinen Anreiz bietet, dort sesshaft zu werden.

3 von 5 Punkten

Geschrieben von um 18:34 Uhr.

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