Donnerstag, 28. Juni 2018

Rezension: Der automatische Detektiv. Gerostet wird später! (A. Lee Martinez)

Piper Verlag
eBook, 400 Seiten
ISBN: 978-3-492-96414-2
8,99 €

Ein kurzer Einblick

Empire City ist ein Moloch aus chaotischer Wissenschaft, verseuchten Grundbodens, verunreinigter Luft – und der Lebensort von Biologischen, Mutanten und Robotern. Mack Megaton ist als Massenvernichtungswaffen konzipiert, ein Glitch erlaubt es ihm, seine Direktiven zu ignorieren und als Taxifahrer zu arbeiten. Als ein Mutanten-Gangster seine Nachbarn entführt, nimmt Mack die Fährte auf und entdeckt dabei nichts weniger als eine Verschwörung, die die Stadt für immer verändern könnte.

Bewertung

»Der automatische Detektiv« ist eines der früheren Bücher des Autors A. Lee Martinez und gehört damit zu den besseren Vertretern seines Schaffens. Setzen die aktuellen Titel hauptsächlich auf Klamauk und skurrile Ideen, vergessen dabei aber eine gute Story mit erinnerungswürdigen Charakteren, bietet vorliegender Roman beides.

Setting
Empire City ist ein Freudenfest für 50er-Jahre-Liebhaber, verrückter Wissenschaftler-Fans, SciFi-Utopien-Enthusiasten oder Künstliche-Intelligenz-Fanatiker. Die Stadt ist ein Moloch aus Biologischen, Mutanten und Robotern. Wissenschaft ist die höchste Kunst, Perfektion ein No-Go; oder besser gesagt: Nichts ist niemals gut, verschlimmbessern ist die bessere Direktive. Wiederverwertung von Ressourcen ist dabei die wichtigste Staatsregel. Rostige Schraube gefunden? Das Radlager ist gebrochen? Da wird sich schon ein Einsatzzweck für finden. Autos hoppeln, rollen oder fliegen über die Straßen, Roboter jeglichen Intelligenzgrades verrichten ihre Arbeit. Biologische mit Matschhirnen, also wir, stürzen die Stadt in ein kontrolliertes Chaos. Das ist Empire City, ein Pfuhl des Wahnsinns und der Wissenschaft.

Charaktere
Hauptcharakter ist Mack Megaton. Als Massenvernichtungsmaschine von einem verrückten Wissenschaftler konzipiert, erlaubt ein Glitch ihm, sich von diesem loszusagen und als Taxifahrer zu arbeiten. Mack ist der Einzige seiner Art und wird daher kritisch von der Stadt beäugt. Er besitzt mehr Rechte als ein Toaster, doch bis er offiziell die Rechte als Staatsbürger erhält, bis dahin vergehen noch mehrere Jahre. Solange gilt er nur als Automatischer, als Besitztum ohne Bürgerrechte. Die Auflagen sind streng, eine Übertretung und Mack wird verschrottet. So darf er nur mit einem Bruchteil seiner Leistungsfähigkeit seinen Betrieb aufrecht erhalten und muss regelmäßig bei seiner Psychotherapeutin, die auf künstliche Intelligenz spezialisiert ist, vorbeischauen. Ihre Beurteilung seiner Psyche ist wichtig, um die Probezeit zu bestehen. Psyche ohne Bürgerrechte bzw. Anerkennung als Nicht-Individuum? Kleine Schnitzer erlaubt A. Lee Martinez sich, doch trüben sie kaum das Gesamtbild.
Ihm als Freunde zur Seite steht der sprechende Gorilla Jung und die geniale Erfinderin Lucia, die ein auffälliges Interesse für den Robo entwickelt.

Story / Erzählstil
Mack Megaton ist Taxifahrer. Als seine Nachbarn, die Familie Bleaker entführt wird und ihm selbst Kampfdrohnen auflauern, schmeißt Mack seinen Job als Taxifahrer hin und nimmt die Detektivarbeit auf. Ihm in den Weg stellt sich nicht nur eine Art Mutanten-Mafia, eigenwillige Empfangs-Automaten und generische Polizisten, sondern auch die Herausforderung im Moloch Empire City den Informationen zu folgen. A. Lee Martinez inszeniert eine humorvolle Detektivgeschichte knallharter Action, raubärtiger Gestalten, verführerischer Damen und der Frage danach, wann künstliche Intelligenz menschlicher ist als der Mensch. Martinez erschafft ein Feuerwerk aus phantastisch abgedrehten Ideen, Anspielungen an Klischees (und Ausnutzung derselben) und jeder Menge Humor und Witz. Nicht einmal bleibt die Story auf der Strecke. Dem Autor gelingt nicht der große Wurf, dafür ist die Unterhaltung zu seicht, aber ein Leseerlebnis, das einer Fortsetzung würdig wäre.

Fazit

Absurde Ideen, ein unterhaltender Erzählstil und eine gut konzipierte Story laden zu einem Abenteuer ein, das unentwegt Action, skurrile Aktivitäten oder lustig-schräge Dialoge liefert. Die Sichtweise Mack Megatons liefert einen humorvollen Blick auf uns, die unzulänglichen biologischen Matschköpfe. Es ist seichte Unterhaltung, aber ein großer Spaß.

4 von 5 Punkten

Geschrieben von um 19:31 Uhr.

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