Sonntag, 21. April 2019

Rezension: Der Hundertjährige, der zurückkam, um die Welt zu retten (Jonas Jonasson)

C. Bertelsmann
Hardcover, 448 Seiten
ISBN:  978-3-570-10355-5
20,00 €

Ein kurzer Einblick

Während ihres Dauerurlaubs auf Bali müssen der Hundertjährige und sein Freund Julius bei einer Heißtluftballonfahrt im Indischen Ozean notlanden. Das Schiff, welches sie rettet, entpuppt sich als nordkoreaisches Kriegsschiff mit besonderer Fracht, das für Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un eine große Bedeutung im Atomkonflikt besitzt. Damit befindet sich der Atomwaffenexperte Allan mitten in einer heiklen Mission, die ihn und Julias von Nordkorea nach New York und bis in den Kongo führt…

Bewertung

Nachdem der Leser bei „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ bereits herzhaft gelacht hat, freut man sich umso mehr auf eine neue Geschichte um den mittlerweile hundertundeinjährigen Allan Karlsson. Man hat nicht umsonst gehofft: auch diese Geschichte ist durch Jonas Jonassons humorvollen Schreibstil ständig für einen Lacher gut. So sorgt allein, wie die Handlung beschrieben ist, für dauerhafte Heiterkeit beim Lesen.
Leider ist dies nicht ausreichend, um die Handlung an sich weniger zu berücksichtigen. Diese bietet jedoch einige Kritikpunkte, die im Laufe des Lesens immer stärker werden. Dass die Handlung ähnlich aufgebaut ist, wie „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“, ist da noch das kleinste Übel. Dennoch hätte man sich mal etwas anderes als einen Roadtrip-Charakter und die Flucht vor Verbrechern gewünscht.
Problematischer ist vielmehr, dass Jonas Jonasson zu offensichtlich seine Kritik an den politischen Gegenheiten kundtun möchte. Wenn Romane Gesellschaftskritik enthalten, ist dies häufig besonders reizvoll, doch bei diesem Roman wird der Leser zu offensichtlich darauf gestoßen, dass der Autor sich über den Umgang mit Atomwaffen und darüber, dass scheibar keine Lehren aus dem Zweiten Weltkrieg gezogen wurden, ärgert. Um diese Kritik zu verpacken, chlorifiziert er zum Teil die deutsche Bundeskanzlerin, was aus Sicht eines deutschen Lesers ebenso etwas befremdlich wirkt. Zudem gelingt es Jonas Jonasson nicht, wie im ersten Band, das Leben von Allan Karlsson geschickt mit dem Zusammentreffen mit politischen Akteuren zu verbinden, sondern die Rolle von Allan Karlsson scheint arg konstruiert, um die politische Message des Autors zu verdeutlichen.
Darüber hinaus möchte Jonas Jonasson offensichtlich im Roman seine Kritik an der Medienbesessenheit der Gesellschaft deutlich machen, was dazu führt, dass Allan Karlsson sich in jeder freien Minute mit seinem Tablet beschäftigt. Das ist so übertrieben dargestellt, dass es irgendwann zu viel wird und nichts mehr damit zu tun hat, dass Allan eben ein sonderbarer Charakter ist. Zudem führt dies dazu, dass Allan unter seinen Freunden in eine Außenseiterrolle gerät und das freundschaftlliche Band doch arg leidet. Damit verliert der Roman einen Teil dessen, was im ersten Roman noch so stark nach außen getreten ist: der Zusammenhalt der Charaktere.

Fazit

Jonas Jonasson kann so humorvoll erzählen, dass seine Texte immer etwas besonders sind. Zudem trifft der Leser in diesem Roman liebgewonnene Charaktere wieder, sodass der Roman von Beginn an beim Leser einen Pluspunkt besitzt. Doch dieser wird leider durch die Handlung und das offensive Setzen bestimmter Botschaften zerstört.

3 von 5 Punkten

Geschrieben von um 16:42 Uhr.

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