Mittwoch, 08. November 2017

Rezension: Der Mond ist nicht genug (A. Lee Martinez)

Piper Verlag
Taschenbuch, 400 Seiten
ISBN: 978-3-492-26882-0
9,99 €

eBook, 8,99 €
ISBN: 978-3-492-96257-5

Ein kurzer Einblick

Endlich findet Diana die perfekte Wohnung. Doch die Rechnung hat sie ohne das Universum gemacht. In ihrem Wandschrank lebt Vorm, ein immerhungriges Monster aus dem Multiversum, das sie verschlingen wird, sobald sie die Schranktüren öffnet. Unglücklicherweise ist dies der einzige Ausweg. Denn kaum hat sie die Wohnung bezogen, verschwindet die Wohnungstür. Diana steckt in einer Misere, Fenrir jagt unermüdlich den Mond und Vorm leckt sich seine Mäuler.

Bewertung

»‚Wenn ich Nummer Drei in fünf Minuten keine Avocado bringe, fällt Kalifornien ins Meer.‘« (Seite 33)

Wenn Terry Pratchett die »Monster AG« und »Men in Black« in einen Roman gepackt hätte, wäre »Der Mond ist nicht genug« dabei herausbekommen. Gut, dass es A. Lee Martinez gibt und der Roman durch ein Schlupfloch des Universums in unsere Welt eindringen konnte. Wirklich! Unser Universum ist nur ein unbedeutender Teil des Multiversums, in dem sich gigantische Insekten und galaktische Monster tummeln. Ab und an kommt es vor, dass eines der Monster durch ein Loch in unser Universum hineingelangt. Dabei stolpert es verwirrt umher, da es den Rückweg nicht findet, und richtet jede Menge Schaden an. Wie, ihr erinnert euch nicht an den Vorfall vor ein paar Tagen, in dem Berlin von einem riesigen haarigen Ding zertrampelt wurde? Ach, stimmt: Das Universum ist nicht dumm und repariert die Fehler. Der menschliche Verstand blendet einfach aus, was nicht sein darf. Das pummelige Ding auf der Straße, das wie ein Schleimhaufen aussieht? Vermutlich seht ihr einen dicken Menschen, der Schwierigkeiten beim Laufen hat. Es ist ein chaotisches Chaos, das auf der Erde existiert und durch das Universum und den menschlichen Verstand zusammengehalten wird.
Auch Diana gehörte zu den Blindgängern, die ihren Job erledigen und abends auf die Couch fallen, um die Glotze einzuschalten. Diesen einen Tag war sie eigentlich nur auf Wohnungssuche. Sie findet ihre Traumwohnung und stolpert in ein unvergessliches Abenteuer. Mit dem Beziehen der Wohnung geht sie einen Pakt mit dem Universum ein. Fortan sieht sie Welt, wie sie ist. Sie muss sich um die verlorenen Monster kümmern. Vorm der Immerhungrige wohnt in ihrem Schrank und hat … immer Hunger. Ob Melone, Kleinbus, Diana – er hat alles zum Fressen gern. Später gesellen sich noch Zap, der mit seinem Tentakelauge hinter das Universum schauen kann und vaporisierende Strahlen verschießt, und Smorgaz, der klonierende Gummiball, dazu.
Diana hadert nicht selten mit ihrem Verstand. Die Monster sind anstrengend, stellen ihr Leben auf den Kopf. Ach was, das Universum stellt ihr Leben auf den Kopf. Das zu verkraften ist nicht einfach. Und so entspinnt sich ein skurriles Abenteuer ungewöhnlicher Charaktere mit jeder Menge Charme und Witz. Die Monster haben ihre ganz eigene Sicht auf die Welt und überraschen mit intelligenten Beobachtungen, die das Wesen Mensch selbst ins Skurrile ziehen. Die Monster sind nicht plump, sondern besitzen eine feinsinnige Ader, die für viele lustige Dialoge sorgt. Selten darf so oft gelacht werden wie in diesem Roman von A. Lee Martinez! Die Ideen sind grandios (Wie repariert man das Universum, wenn es verschluckt wird? Man schlägt auf den Boiler im Keller ein.), die Charaktere vielgestaltig und hervorragend skizziert, der Stil ist angenehm flott und einfach. Einziger Wermutstropfen: Die Story schwächelt im Tempo etwas. Doch bei all den Ideen ist das schnell verziehen.
Dankenswerterweise rückt A. Lee Martinez den unausweichlichen Untergang des Universums nicht in den Vordergrund (Fenrir ist kurz davor den Mond zu fressen und das Universum zu verlassen, das dabei in Scherben zerbrechen wird), sondern das Leben an und für sich. So stolpert die Handlung auch nicht in das herkömmliche Schwarzweißfinale (gute Diana, böser Fenrir), sondern entwickelt eine neutrale Haltung. Es hat nicht den Anschein, als ob die Handlung darauf zusteuert, sondern, dass der Untergang eben passiert. Jemand hustet und in China fällt ein Sack Reis um. Das passiert und die Welt dreht sich weiter.

»‚Wenn du das Päckchen nicht holst, werden sämtliche Lebewesen in Barcelona sterben‘, sagte West.« (Seite 84)

Fazit

Skurril, aberwitzig und ideenreich – das kann man zu vielen Romanen A. Lee Martinez‘ sagen, doch auf »Der Mond ist nicht genug« trifft dies besser zu denn je. Die Ideen überschlagen sich in ihrem Einfallsreichtum, die Monster sind herrlich wortgewandt und überraschend intelligent. Der Roman ist eine Achterbahnfahrt des schrägen Humors. Unbedingt lesen!

4 von 5 Punkten

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