Samstag, 15. September 2018

Rezension: Der Orkfresser (Christian von Aster)

Hobbit Presse
Klappenbroschur, 352 Seiten
ISBN: 978-3-608-98121-6
14,95 €

eBook, 11,99 €
ISBN: 978-3-608-11020-3

Ein kurzer Einblick

Aaron Tristen feiert mit seiner Creature-Clash-Fantasyreihe Bestsellererfolge. Qualitativ wenig vielversprechend – typischer Mainstream – ist die lesende Masse begeistert. Aaron hasst seine Romane, hasst sich selbst. Er will wertvolle Literatur mit wahrer Tiefe schreiben. Nur will die kein Verlag veröffentlichen. Schließlich flüchtet Aaron aus seinem Leben, nimmt einen neuen Namen an und tritt einer literarischen Selbsthilfegruppe bei. Fortan wird er von Don Quijote, Pu dem Bären und Batman mit zynischen Kommentaren begleitet. Realität und Fantasie verschwimmen.

Bewertung

Aaron Tristen ist ein Problemautor. Er will erfolgreich sein, aber gehobene Qualität abliefern. Die lesende Masse jedoch will Entertainment, die bombastisch unterhält. Als Resultat, beginnt er nicht nur sich selbst zu hassen, sondern auch seinen Verleger, seine Lektorin, seine Fans und ganz besonders seine »Creature Clash«-Fantasy-Reihe. Der vierte Band »Engel gegen Zombies« ist gerade erschienen und Aaron befindet sich auf Promo-Tour. In einem Wutausbruch eskaliert die Situation, und die Schlägerei landet als Hit auf YouTube. Aaron flüchtet nach Leipzig und quartiert sich unter dem Namen Vilho Unterberg in einer Kaschemme ein.

Christian von Aster macht das falsch, was Aaron anprangert. Und gerade darum ist »Der Orkfresser« so hervorragend. Der Roman nimmt sich nicht ernst, spielt mit Klischees, übertreibt gnadenlos und nimmt den Selbstfindungstrip, die suche nach dem geheimen Wunsch des Glücks, verdammt ernst; so ernst die Suche nach den Sinn des Lebens mit imaginären Literatur-Figuren sein kann. Der Roman ist nämlich weniger Fantasy-Roman, denn Komödie mit Fantasy-Figuren. So wird Aaron von einem Auto angefahren, schließt sich einem Guru mit Autorengruppe an, wird von Möchtegern-Hip Hop-Gangstern überfallen und von einer schießwütigen Motorradgang Leipzigs gejagt. Das muss nicht glaubwürdig sein, das muss bombastisch unterhalten. Qualität? Jein, aber Hauptsache es langt für einen guten Roman. Will der Leser mehr? Willst Du mehr? Aaron will mehr sein als ein Durchschnittsautor, aber wenn interessiert das? Seine imaginären Freunde jedenfalls nicht. Mit schmerztilgende Drogen vollgepumpt, besuchen Aaron jeden Tag andere Figuren der Literatur: Batman (der meist auf Rettungsmission unterwegs ist), Balu, Don Quijote und viele mehr. Seine Freunde können zwar nicht in das reale Geschehen eingreifen oder von anderen wahrgenommen werden, aber zynische Kommentare können sie abgeben. Und für Gags am Rande ist die Fantasie sowieso immer gut.

Christian von Aster trägt zusammen, was so in einen unterhaltenen Roman hineinpasst und zimmert eine Geschichte aus Wahrheit, Spaß und herrlich amüsanten Ideen. Vom und über das Autorensein, was muss man erreichen, um glücklich zu sein? Nicht immer ist der Erfolg der Weg zum Ziel, nur zum Geld. Auch die kleinen Dinge, die Freuden am Wegesrand, die Freuden, die einem überraschend über den Weg laufen, können die wertvollsten sein. »Der Orkfresser« ist nicht nur ein unterhaltsamer Roman, sondern auch ein Lehrstück zum Glücklichsein. Oberflächlich ist der Roman ein schnelles Stück Unterhaltung, zwischen den Zeilen deutlich mehr. Ist das nun die angeprangert schlechte Qualität Aaron Tristens oder bereits die erstrebte Qualität der hohen Kunst des Geschichtenerzählens? Entscheidet selbst.

Fazit

»Der Orkfresser« ist ein amüsanter Blick auf das Schreiben und das Autorensein aus dem Blick des Schriftstellers. Erwartungen der Leser, die Selbsterwartung an die Romane, die Freiheit, ohne Erwartungen erfüllen zu müssen. Der Roman ist ein vielfältiger Blick auf den Autor, auf den Leser, auf den Verlag. Zuerst kommt die Unterhaltung. Wer mehr hineininterpretieren will, ist herzlich aufgefordert.

4 von 5 Punkten

Geschrieben von um 22:32 Uhr.

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