Dienstag, 22. Januar 2013

Rezension: Der purpurne Planet (Karl-Heinz Tuschel)

Verlag Neues Leben Berlin
fester Einband, 255 Seiten
keine ISBN vorhanden
1. Auflage 1971 – kein Festpreis

Ein kurzer Einblick

Uwe Heywaldt bricht mit einigen Wissenschaftlern in Richtung Proxima Centauri auf, um herauszufinden, was aus der letzten Expedition dorthin geworden ist. Ausbleibende Funksignale lassen die Hoffnungen schwinden, die Ersten noch lebend anzutreffen und sie stellen sich bereits mental darauf an, bald zur Erde zurückzukehren. Doch dann kommt es anders als geplant …

Bewertung

„Obgleich das Interesse für wissenschaftlich-phantastische Literatur – wie die Leselust im Allgemei­nen – im Leseland Deutschland kränkelt, ebbt die Flut überwiegend amerikanischer Werke – bei etli­chen ist die Zuordnung zur SF zweifelhaft – auf dem hiesigen Markt nicht ab. Viele davon sind weltfremd, das heißt, unserer Welt fremd, verquicken wenig Science mit sehr viel Fiction oder gar Zauberei, scheren sich oftmals den Teufel um realistische Grundlagen. Der Unterhaltungswert sol­cher Geschichten für Liebhaber sei jedoch nicht bestritten. Nur, man legt das Buch weg und hat kei­ne Fragen… Gute wissenschaftliche Phantastik sollte schon in gewisser Weise zeitlos sein. […]“
So beginnt der Nachruf von Alexander Kröger für Karl-Heinz Tuschel, der am 12.02.2005 im Alter von 76 verstorben ist.

Karl-Heinz Tuschel lässt in seinem Roman „Der purpurne Planet“ den großen Menschheitstraum von der Besiedlung fremder Planeten wahr werden. Im Jahre 112 Neuzeit folgen fünf speziell dazu ausgesuchte Menschen einer ersten Expedition, die einen Planeten in der Nähe der Proxima Centau­ri – welche mit einer Entfernung von 4,2 Lichtjahren der sonnennächste Stern ist – besiedeln und für die Ankunft weiterer Menschen vorbereiten sollten. Nach allerhand Turbulenzen und unerwarteten Schwierigkeiten treffen schließlich die Besatzungsmitglieder der TERRA auf die Ersten des Projek­tes und für einige heißt es nun, eine Entscheidung zu treffen. Denn nicht alle Neuankömmlinge wol­len auf dem Planeten bleiben…

Dies war der erste Roman, den ich von Karl-Heinz Tuschel gelesen habe und wie bereits Alexander Kröger in seinem Nachruf angedeutet hat, ist dies keine SciFi-Geschichte, der nur unterhalten will. Hier wird man konfrontiert mit den Tücken der Technik, mit der überlebenswichtigen Frage, wie man die Atmosphäre eines Planeten atembar machen kann, wie sich die Strahlungsverhältnisse der Proxima auf die von den Biologen herangezüchteten Pflanzen und die seismologischen Aktivitäten des Planeten auswirken und vieles mehr. Somit stehen hier nicht die Menschen im Vordergrund, sondern das große Ganze. Trotzdem kommen die einzelnen Personen und ihre Beziehungen unter­einander nicht zu kurz. Vielmehr wird auf interessante und nachvollziehbare Weise angedeutet, was passieren kann, wenn junge Erwachsene, die auf einem fremden Planeten geboren und aufgewach­sen sind und bisher in einer Gesellschaft von lediglich neun bzw. sieben Menschen lebten, zum ers­ten Mal auf andere Erdenbewohner neben ihren Eltern treffen. Da können dann die Gefühle schon mal verrückt spielen und man sollte darauf achten, dass bestehende Ehen nicht zerrüttet werden und Eifersucht und unerfüllte Liebe den wichtigen Arbeitsalltag nicht stören.

Fazit

Gerade wegen dieser Symbiose hinsichtlich der menschlichen Geschichten und der biologischen / physikalischen / astronomischen Hintergründe ist dieses Buch sehr lesenswert und ich habe es paradoxerweise sehr genossen, teilweise ganze Absätze nochmal lesen zu müssen, um die wissenschaftlichen Gedankengänge nachvollziehen zu können. Und es hat schon lange keine Ge­schichte mehr geschafft, dass ich mich hinterher noch weiter damit beschäftige und einzelne Sachen nachrecherchiere!

5 von 5 Punkten

Geschrieben von um 18:11 Uhr.

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