Samstag, 07. Dezember 2019

Rezension: Der Tannenbaum des Todes (Markus Heitz)

Knaur
Taschenbuch, 272 Seiten
ISBN: 978-3-426-52434-3
10,00 €

eBook, 6,99 €
ISBN: 978-3-426-45535-7

Ein kurzer Einblick

Bitter. Böse. Fies. Witzig. Spaßig. Schwarzhumorig. »Der Tannenbaum des Todes« ist ein Fest für Weihnachtsmuffel. Ihr benötigt eine Pause von all der Besinnlichkeit? Ihr wolltet schon immer die Wahrheit der Unheiligen drei Könige erfahren? Ihr habt euch gefragt, wer all die falschen Nikoläuse in den Kaufhäusern umbringt? Dann seid ihr hier genau richtig. Hier gibt es nicht mehr als die blanke Wahrheit mit einem bösartigen Grinsen serviert.

Bewertung

Kaufen. Lesen. Weihnachten aus einem anderen Blickfeld genießen. Markus Heitz gibt seit 10 Jahren zur Adventszeit in der Veranstaltung »Böser die Glocken« abstruse Kurzgeschichten zum Besten. In »Tannenbaum des Todes« sind die Geschichten zusammengetragen worden, damit ein jeder ein böses Weihnachten feiern darf. Dabei drehen sich gar nicht alle Stories um Weihnachten, aber bewegen sich stets im näheren Umfeld. Vermutlich sind die Geschichten auch niemals dazu gedacht gewesen, gedruckt zu erscheinen, sondern sollten in erster Linie vorgelesen gut funktionieren. Und genau das ist auch ihr Vorteil: Kurz, knackig und pointiert präsentiert Heitz schwarzhumorige Bescherungen, düsterfiese Unfälle und bitterböse Wahrheiten. Dabei sind alle Geschichten mit einem Augenzwinkern und viel Spaß geschrieben. So können selbst Weihnachtsmuffel Weihnachten lieben, denn Lichterglanz mit Eierpunsch sorgt vielleicht für Friede, Freude, Eierkuchen, aber ganz sicher nicht auf besinnliche Art im Kreis der Lieben. Manch ein Leser mag mäkeln, dass der vom Klappentext suggerierte Klamauk fehlt, aber Comedy zum Beömmeln wollen die Geschichten auch gar nicht sein. Bitterfies und mit einer gehörigen Portion Humor, überzeichnet und verführerisch einfallsreich kommen die Geschichten daher. Und das ist auch gut so, denn erzwungene Witze enden bemüht und dies hat Markus Heitz wunderbar durch Wortwitz und Einfallsreichtum umgangen.

Das verpflichtende Schneeräumen vor der Tür kann einen Kleinkrieg unter Nachbarn auslösen. Das Finden eines Sackes im Wald, lässt Drogenklaus an der Tür klingeln. Der Azubilaus wird zum Vorreiter einer empirischen Erhebung zur ethnischen Annehmbarkeit eines nichtdeutschen Nikolauses. Der Gelbe Engel muss ausrücken, wenn der Weihnachtsschlitten Startprobleme hat. Der Wunschzettel wird auf das Jugendschutzgesetz geprüft, denn der Weihnachtsmann will nicht wegen gewaltverherrlichender Geschenke wie dem Todesstern aus Star Wars von Lego verklagt werden. Die verfluchte Christbaumkugel sichert Deko-Jupp ein einträgliches Einkommen. Karl-Jürgen will bei der Agentur »Xmas Everywhere« Nikolaus werden, muss dafür jedoch den Einführungstest bestehen.
Und viele Geschichten mehr warten darauf, das Fest des Frohsinns in besinnlichen Horror zu verwandeln.

Fazit

Markus Heitz hat mit »Der Tannenbaum des Todes« eine absurd-komische, abstrus-witzige und schwarzhumoristisch-düstere Kurzgeschichtensammlung zusammengestellt. Kurz, knackig, auf den Punkt gebracht, wird das Weihnachtsfest zum harmonischen Horror aller Weihnachtsmuffel. Abwechslungsreich und einfallsreich wird der Nikolaus zur Horrorgestalt, der Osterhase zum blutrünstigen Monster und das Familienfest zur schrecklichsten Nacht des Jahres.

4 von 5 Punkten

Geschrieben von um 19:59 Uhr.

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