Sonntag, 15. März 2020

Rezension: Die Angst des Tormanns beim Elfmeter (Peter Handke)

Suhrkamp
Taschenbuch, 120 Seiten
ISBN:  978-3-518-36527-4
7,00 €

Ein kurzer Einblick

Josef Bloch war früher einmal ein bekannter Torwart. Nun arbeitet er als Monteur. Als er eines Tages zur Arbeit kommt, schaut nur ein Polier auf, als er die Bauhütte betritt. Dies legt Josef Bloch so aus, dass er entlassen sei. Er verlässt den Bauhof und irrt zunächst durch Wien sowie im Anschluss durch ein Dorf an der Grenze…

Bewertung

„Die Angst des Tormanns beim Elfmeter“ ist wohl die bekannteste Erzählung des Literaturnobelpreisträgers Peter Handke. Der Titel suggeriert, dass die Erzählung irgendetwas mit Fußball zu tun hätte. Dies ist jedoch nicht der Fall. Zwar war Josef Bloch in der Vergangenheit Torwart, doch dies steht in keinem Bezug zur Handlung und auch die beiden Fußballspiele, die in der Erzählung erwähnt haben, sind für die Handlung unbedeutend. Einzig die Schlussfolgerung Blochs, dass es beim Elfmeter für den Torwart darum gehe, sich wenig zu bewegen, damit der Elfmeterschütze in seine Hände zielt, stellt den Gegenpol zur Handlung dar, in der sich Bloch die gesamte Zeit planlos und unruhig bewegt.
Auch wenn die Erzählung es nie direkt herausstellt, verdeutlicht die Handlung doch, dass Josef Bloch psychisch krank ist. Er zieht aus einer völlig normalen Situation falsche Schlüsse und wird nun zu einem Getriebenen. Er ist von seinem eigenen Bewegungsdrang getrieben. So irrt er planlos umher und es zieht ihn mal da und mal dort hin. Damit hat er einen Sinn seines Lebens verloren und lebt nur noch zufällig in den Tag hinein. In diesem Sinne schließt sich auch das Ende der Erzählung an. Insgesamt kommt er nicht zur Ruhe und ist ständig sinnlos in Bewegung. Er begegnet einer Vielzahl an Personen, wirkt jedoch stets teilnahmenslos.
Während sich Bloch von Situation zu Situation treiben lässt, interpretiert er ständig Geschehnisse und das Verhalten von Personen. Die ständige Interpretation ist der letzte verbliebene Sinn seines Daseins. Dieser wird jedoch immer absurder, sodass der Leser mitverfolgen kann, wie Bloch geistig verfällt. Dieses planlose Umherirren und ständige Interpretieren aller möglicher, nicht miteinander zusammenhängender Dinge ist für den Leser jedoch schwierig zu lesen. Es kommt wenig Spannug auf und trotz des kurzen Textes braucht es einiges an Durchhaltevermögen, um zum Ende zu gelangen. Für Leser, die einer klaren Handlung folgen und die Botschaft eines Buches eindeutig vermittelt haben möchten, ist diese Erzählung daher weniger geeignet.

Fazit

Peter Handkes „Die Angst des Tormanns beim Elfmeter“ erzählt, wie ein Mann psychisch zerfällt und nur noch von der Bewegung und der ständigen Intrepretation getrieben ist. Diese Charakterstudie lässt dadurch Handlung vermissen, was es für Leser einigermaßen schwer macht, Gefallen an der Erzählung zu finden.

3 von 5 Punkten

Geschrieben von um 16:38 Uhr.

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