Samstag, 19. Mai 2018

Rezension: Die Flamme erlischt (George R. R. Martin)

Penhaligon
Paperback, 448 Seiten
ISBN: 978-3-7645-3151-5
14,99 €

eBook, 9,99 €
ISBN: 978-3-641-18409-4

Ein kurzer Einblick

Dirk t’Larien folgt dem Ruf seiner Liebe Gwen auf den Festivalplaneten Worlorn. Zu seinem Entsetzen muss Dirk feststellen, dass Gwen mit dem Kavalaren Jaan verheiratet und damit einer Kultur beigetreten ist, die Frauen keine Selbstbestimmung lässt. Schließlich gelingt es ihm, Gwen zur Flucht zu überreden. Der Verrat hetzt Menschenjäger auf die beiden und das Raumschiff, das sie vom sterbenden Planeten fortbringen soll, kommt erst in einigen Tagen.

Bewertung

»Die Flamme erlischt« ist George R. R. Martins Science-Fiction-Debut. Es ist eine düstere Liebesgeschichte auf einem Planet, der das Sonnensystem verlässt und auf eine neue Eiszeit zusteuert. Worlorn war ein Festivalplanet, nun ist es ein sterbender Planet. Die einst prachtvollen Städte zerfallen. Kryne Lamiya ist die Stadt der Dunkelheit. Ewige Winde blasen durch die erbauten Röhren und musizieren eine Symphonie des Todes. Challenge, die High-Tech-Stadt, verrichtet noch immer KI-betrieben unermüdlich ihren Dienst, doch die Gänge erfüllt nur das Schweigen. Larteyn ist eine aus Lichtsteinen erbaute Stadt, hier lebt Gwen in einer Dreiecksbeziehung mit Vikary und Janacek, den Kavalaren. Sie und wenige Einwohner des Planeten harren aus, manche verstecken sich und warten auf das Ende, andere errichten eigene Gesetze und Kodizes. Ein brüchiger gegenseitiger Respekt bestimmt die Gesellschaft der Kavalaren, die in einer Art von Klans koexistieren. Ihr Kodex ist barbarisch, ihr Weltbild antiquiert. Besitz und Ehre sind zwei der wichtigsten Eigenschaften. Liebe ist ihnen fremd, stattdessen leben Sie mit einem teyn in einem brüderlichen Zusammenhalt, der inniger ist als der Tod, die Frau gilt als betheyn oder cro-betheyn. Es ist ein komplexes System aus Vorstellungen, Begrifflichkeiten, Ehre und Vergangenheit.

Dirk t’Larien folgt dem Ruf seiner einstigen großen Liebe Gwen nach Worlorn. Als er bemerkt, dass sie mehr Besitz als freier Mensch ist, versucht er, sie zu befreien und mit ihr den Festivalplaneten zu veranlassen. Doch zunächst passiert nichts. George R. R. Martin schwadroniert unermüdlich immer und immer wieder über die Moralvorstellungen der Kavalaren. Zwar kommen stets neue Nuancen hinzu, wird das Repertoire an Wissen um Feinheiten erweitert, doch passiert dies so unermüdlich, dass die ewigen Gespräche dröge werden. Erst ab etwa der Hälfte des Romans nimmt die Handlung fahrt auf, bevor das Ende absolut abrupt kommt und quasi mitten im Satz abbricht. Die Atmosphäre ist dicht, die Erzähldichte hoch – aber die Geschichte kann nicht von der detailreichen Welt, ausufernd erklärten Sozialstrukturen und einem komplexen Beziehungsgeflecht allein Leben. Ideen, Wendungen, extrem gut konstruierte Dialoge können nicht über ein langweiliges Pacing hinwegtäuschen. Martin hat vor lauter Ideen und Details vergessen, eine gute Geschichte zu erzählen. Es gibt spannende Handlungsabschnitte, die verdammt gut funktionieren, aber viel zu oft gibt es langweilige Passagen, die nur von der Detailfülle leben; und das ist nicht genug.

Fazit

George R. R. Martin beweist mit seinem Debütroman eindrucksvoll, dass eine phantastische Erzählstimme und Ideen keinen guten Roman ausmachen. Erst vergeht der Autor sich in endlosen, leicht variablen Endlosgesprächen, dann springt die Geschichte zwischen Spannung und Langeweile hin und her. Egal wie interessant die Ideen zu Papier gebracht wurden, der Roman ist anstrengend zu lesen.

2.5 von 5 Punkten

Geschrieben von um 18:21 Uhr.

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