Sonntag, 15. Oktober 2017

Rezension: Die große Erzferkelprophezeiung 2. Das abartige Artefakt (Christian von Aster)

Egmont LYX
Taschenbuch, 384 Seiten
ISBN: 978-3-8025-8158-8
9,95 €

Ein kurzer Einblick

Das Ende von allem, jedem und dem Rest ist vorerst abgewendet. Der Grottenolm prophezeit nicht mehr, der Schicksalszwerg geht getrennter Wege. Der Große Verwalter führt statt versprochener Reformen einen Geheimdienst ein … und einen, der den Geheimdienst überwacht und … Unterdessen manifestiert sich dem Hohepriester der Ewige Schmied als sprechender Stein. Der Schicksalszwerg muss erneut zusammenkommen.

Bewertung

Die Vernichtung von Zwerg und Zwergeszwerg ist abgewendet, doch neues Unheil überwacht das Reich der Zwerge. Der Große Verwalter gründet einen Geheimdienst, um für einen erneuten Aufstand gewappnet zu sein. Doch kann der Verwalter seinem eigenen Geheimdienst trauen? Im Suff entdeckt er im Bierschaum den Willen der Götter, die ihm die Zukunft weissagen. Doch kann er dem Bierschaum trauen? Schnell stellt er ein paar Zwerge in seinen Dienst, die den lieben langen Tag nichts anderes tun, als den Bierschaum zu deuten.
Christian von Aster gelingt erneut eine kongeniale Mischung aus Parodie und epischer Fantasy. Mit Witz und Charme erzählt der Autor eine Geschichte, die den Überwachungsstaat ad absurdum führt und mit den Bierschaumdeutern dem organisierten Verbrechen Tür und Tor öffnet. Mit viel Liebe zum Detail verdreht Christian von Aster Versatzstücke, persifliert erwartetes – kurz: »Das abartige Artefakt« ist kein gewöhnlicher Fantasyroman, sondern erforscht neue Stollen, gräbt neue Gruben, entdeckt neue Geheimnisse. Der Roman ist wie sein Vorgänger alles andere als typische Fantasykost. Es ist ein herrlicher Spaß, wenn auch ein beängstigender; zuzusehen, wie der Überwachungsstaat sich entwickelt und gleichzeitig sich selbst vernichtet, weckt ein mulmiges Gefühl. Doch Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.
Zum Überdruss des Schicksalszwergs ist die Prophezeiung des Erzferkels nicht zur Gänze erfüllt. Dem Schicksalszwerg ist es erneut bestimmt, Unheil abzuwenden. Ein Meisterdieb muss zunächst aus dem sichersten Gefängnis des Ehernen Imperiums befreit werden. Doch nicht nur der Schicksalszwerg ist hinter dem Meisterdieb her; das organisierte Verbrechen hat ein Hühnchen mit dem Dieb zu rupfen. Ein Wettrennen beginnt, ein Wettrennen, das vor einem fallengespickten Gang endet. Am Ende des Ganges: das größte Geheimnis des Zwergenvolks.
Die Geschichte liest sich etwas kompakter als der erste Teil. Auch hier baut Christian von Aster mehrere Handlungsstränge auf, die jedoch deutlich enger miteinander verwoben sind. Der Wahnsinn des Großen Verwalters, der Ehrgeiz des organisierten Verbrechens, die Aufgabe des Schicksalszwergs – ein Handlungsteil bedingt den anderen, gemeinsame Interessen mit unterschiedlichen Zielen bauen Spannung auf. Es ist nicht die einfache Erzählung eines Bauernjungen, der die Welt rettet. Es ist die komplexe Geschichte eines Zwergenreiches, das Interesse der Mächtigen und der Wille des Individuums, die die Handlung vorantreiben, neue Perspektiven aufbauen, alte Geheimnisse lüften und das Zwergenreich formen.

Fazit

Christian von Aster persifliert zugleich wie er neue Wege geht, um einem eigenständigen Zwergenvolk Leben einzuhauchen. Wasser pfui, Bier hui! Niemals rutscht er ins Absurde ab, behält die Handlungsgeschwindigkeit im Auge, streut Zweifel und Geheimnisse. Tristesse kommt nicht auf, stattdessen verleiht der beängstigende Unterton eine zusätzliche Spannungsnote. »Das abartige Artefakt« ist mehr als seichte Unterhaltung und eine stimmige Weiterentwicklung von »Zwerg und Überzwerg«.

4 von 5 Punkten

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Geschrieben von um 09:27 Uhr.

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