Sonntag, 03. Dezember 2017

Rezension: Die große Erzferkelprophezeiung 3. Nimmerzwerg (Christian von Aster)

Egmont LYX
Taschenbuch, 424 Seiten
ISBN: 978-3-8025-8159-5
9,95 €

Ein kurzer Einblick

Die Prophezeiung des Grottenolms holt den Schicksalszwerg ein letztes Mal ein. Das Ende von allem, jedem und dem Rest ist abgewendet, doch eine neue finstere Macht unheilvoller Pläne kettet die Zwerge in ihre Stollen. Der Schicksalszwerg muss einmal mehr den Hammer schwingen, um Maschinen zu zertrümmern, Wissen zu entdecken und um die Hohe Höhle, das Gewölbe der Götter und des Nimmerzwergs, zu erreichen, um das Eherne Volk zu retten.

Bewertung

Die Prophezeiung des Grottenolms wurde verhindert und der Neue Stahl vernichtet (»Zwerg und Überzwerg«, Band 1). Der Schicksalszwerg ist den Fängen der Geheimdienste des Großen Verwalters entkommen und stahl ein seltsames Artefakt (»Das abartige Artefakt«, Band 2), um nun auf einem Floß auf Zwergenrüstungen auf einem Lavastrom dahinzutreiben. Nahtlos setzt die Handlung des dritten abschließenden Bandes an. Magmapiraten verkaufen den Schicksalszwerg an das Trollvolk. Der Gemeinschaft der schartigen Schaufel gelingt es, den Schicksalszwerg zu befreien, damit dieser das Eherne Volk mithilfe des Nimmerzwergs zu retten vermag.

Wenig spektakulär und wenig überraschend entwickelt sich der Plot, zu konventionell gestalten sich die Handlungsstrukturen oder wiederholen sich aus den vorangegangenen Romanen. Natürlich gibt es die ein oder andere Überraschung, was die Geschichte des Ehernen Volkes und die Weibzwerge anbelangt, auch streuen sich viele neue Ideen und Skurrilitäten ein, doch der Witz und Charme ist verloren gegangen. Geradlinig strebt der Schicksalszwerg seinem Ziel entgegen und begegnet nur vereinzelt auf seinen Stationen Momenten, die denkwürdig in Erinnerung bleiben. Glücklicherweise kommt der Roman erneut ironisch und parodistisch daher, sodass es stets eine Freude ist, den Zwergen auf ihrem Weg zu folgen. Vegetarische Trolle, ein streitender Stein, ein zwergischer Usurpator aus einer Maschine, der eigentlich Vier ist … Wie gehabt übt Christian von Aster auf charmante Art Gesellschaftskritik: diesmal gegen Fortschritt und Bildung. Denn das Wissen um Technik verleiht vereinzelten Macht und der Masse das Wissen um dieselbige. Darum verbot der Große Verwalter vor unzähligen Schichten die Schrift. Zwerge sollen Stollen graben und das Vermächtnis der Ahnen wahren. Veränderung widerspricht dem Glauben, wofür das Volk der Zwerge steht.
»Nimmerzwerg« greift aber auch Handlungsstränge auf, um sie zu einem Ende zu bringen. Warum verschwanden die Weibzwerge wirklich? Welches Geheimnis steckt hinter der Verbannung der Entzwergten? Offengebliebene Enden entpuppen sich als überraschende Wendungen und Augenöffner. Das, was man glaubt zu wissen, ist nicht in Stein gemeißelt. Geschichtsklitterung ist das Stichwort. Überlieferungen wurden verfälscht, die Zwerge bauen ihr Leben auf falschen Legenden auf. Trotz der Konventionalität des Handlungsverlaufs ist »Nimmerzwerg« eine Fundgrube an Ideen, Gesellschaftskritik und neuer Erkenntnisse.

Fazit

Zwar wurde dem letzten Teil der »Erzferkelprophezeiung«-Reihe durch zu konventionelle Handlungsstrukturen die Einmaligkeit beraubt, doch die originellen Ideen und der nach wie vor einzigartige Charme der Zwerge sorgen stets für eine Überraschung hinter der nächsten Gangbiegung. »Nimmerzwerg« ist kein überwältigendes Finale, aber ein würdiges, in sich abgerundetes, das den Mythos Zwerg mit einem Schmunzeln in die Welt des Nimmerzwergs entlässt.

3.5 von 5 Punkten

Geschrieben von um 19:33 Uhr.

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Felder mit einem * müssen ausgefüllt werden.

3 × drei =