Sonntag, 26. April 2020

Rezension: Die Jünger des Judas (Steven Savile)

Cross Cult
Taschenbuch, 416 Seiten
ISBN: 978-3-959815-07-9
12,00 €

eBook, 7,99 €
ISBN: 978-3-959815-08-6

Ein kurzer Einblick

Vor etwa 2000 Jahren schmiedeten die Enkel des Judas aus den 30 Silbermünzen einen Dolch. Nun erhebt sich ein religiöser Kult, der sich »Die Jünger Judas« nennt. 40 Tage und 40 Nächte soll der Terror über Europa regieren. Am letzten Tag soll der Glaube der katholischen Kirche in ihren Grundfesten erschüttert werden.

Bewertung

»Die Jünger des Judas« von Steven Savile ist auch unter dem Titel »Silber« erschienen.

13 Menschen verbrennen sich auf öffentlichen Plätzen in ganz Europa. 11 identische Nachrichten verkünden 40 Tage und Nächte des Terrors. 2 abweichende Nachrichten künden von einem Anschlag in Berlin und dem Tod des Papstes. Kurz darauf wird ein Giftgasanschlag mit Sarin auf die öffentlichen Verkehrsmittel in Berlin begangen. Tausende sterben einen schrecklichen Tod. Was wird in Rom geschehen? Wer steckt hinter den Anschlägen? Wer schürt den Terror?
Ogmios ist ein von der britischen Krone verleugneter Geheimdienst aus Spezialisten, deren Mitglieder ganz spezielle und schwierige Aufträge übernehmen. Sir Charles Wyndham führt das Team und bewegt sich dabei außerhalb jedweder Gesetze und der Diplomatie. Dadurch, dass England Ogmios nicht offiziell unterstützt, aber auch keine staatliche Hilfe gewährt, kann die Geheimgruppe frei agieren. Illegale Machenschaften, Gewalt und Folter gehören zu ihren Mitteln, um an die Informationen zu kommen. Andererseits sind sie auf sich allein gestellt, wenn eines ihrer Mitglieder entführt, gefangen genommen wird oder anderweitig in Gefahr gerät. Sie sind die Einzigen, die den Terror aufhalten können. Ihre schnelle und unbürokratische Handlungsweise, gibt ihnen die Mittel an die Hand, schnell und effektiv zu ermitteln, um den Tätern hinter den Anschlägen ein Gesicht zu geben.
»Die Jünger des Judas« wird oft mit Dan Browns »Sakrileg« verglichen. Der Vergleich ist unfair. Steven Savile schreibt routinierter, weniger schablonenhaft und bietet eine deutlich spannendere Handlung, die sich beim Agenten-Thriller und bei Verschwörungstheorien bedient. Ziel der Terrororganisation ist der Sturz der katholischen Kirche. Die Wahrheit hinter der verfälschten religiösen Geschichtsschreibung soll die neue Offenbarung für die Menschheit werden. Ein neuer Messias soll das Licht der Öffentlichkeit erblicken. Um genug Aufmerksamkeit zu erhalten, bedienen sich die Terroristen biblischer Motive. Ogmios kommt ihnen trotz spärlicher Spuren immer näher und demaskiert schon bald die Organisationen. Doch die Terrororganisation hat ihre Unternehmung derart akribisch vorbereitet und sich mit mächtigen Firmen in der Welt etabliert, dass eine Veröffentlichung der Informationen keinen glauben geschenkt würde. Ogmios muss handeln und eigene Attentäter aussenden.
Steven Saviles Thriller ist fundiert ausgearbeitet. Er verzichtet dabei auf unsinnige Abschweifungen, um Handlungsorte und Charaktere detailverliebt auszuarbeiten. Er besinnt sich auf bekannte Muster und Schablonen, verleiht ihnen aber eine Persönlichkeit und gibt wichtige Informationen, um diese als Individuum auszuarbeiten. Orte wie Koblenz, Berlin oder Rom bleiben hingegen wage beschrieben. Handlung und Action stehen klar im Fokus. Man könnte Savile nun Oberflächlichkeit vorwerfen, man könnte ihn aber auch für eine rasante Handlung mit gut ausgearbeiteten und glaubwürdigen Charakteren loben. Das Lob bezieht sich dabei nicht nur auf die Protagonisten, sondern auch auf die wichtigsten Antagonisten, die in ihrer Motivation eigene Interessen verfolgen. Oft genug verzichtet der Autor auch auf Gedankengänge oder Hintergrundinformationen, sondern lässt Taten und Gespräche für sich arbeiten, um Persönlichkeiten weiter auszuarbeiten. Dabei entsteht eine nahezu filmische Handlung, die mitreißt und packt.
Permanent prasseln Ereignisse auf den Leser ein, ab und an von kurzen ruhigeren Passagen unterbrochen. Die vielen Charaktere und Handlungsorte – und damit Handlungsstränge -, tun der Abwechslung verdammt gut. In Rom und dem Vatikan beherrscht die Unantastbarkeit den katholischen Glauben, sodass der Ogmios Agent erst einmal zu Personen vordringen muss, die ihm helfen. In Israel, zerrüttet von Anschlägen, gelingt es der Agentin zwar relativ einfach, ein Gespräch beim Geheimdienst zu bekommen, wird aber entführt und gefoltert. In Berlin und London führen die Untersuchungen zu Verfolgungsjagden zu Fuß, wilden Schießereien und tödlichen Nahkämpfen.

»Die Jünger des Judas« ist der erste Teil der »Ogmios Team«-Reihe. Die weiteren Bände sind im Deutschen nicht erschienen. Das offene Ende hinterlässt zwar einen unbefriedigenden Beigeschmack, die Handlung ist aber in sich abgeschlossen.

Fazit

Manchmal fehlt die Logik, aber Tempo und Action machen das wieder wett. Gut ausgearbeitete Charaktere und Hochspannung treiben die Handlung mit immer neuen interessanten Erkenntnissen voran. »Die Jünger des Judas« ist ein verdammt guter Verschwörungs-Thriller, der mehr Aufmerksamkeit verdient hätte.

4.5 von 5 Punkten

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Geschrieben von um 19:47 Uhr.

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