Sonntag, 02. Februar 2020

Rezension: Die letzte Plage (F. Paul Wilson, Sarah Pinborough)

Luzifer Verlag
Klappenbroschur, 328 Seiten
ISBN: 978-3-95835-014-4
12,99 €

eBook, 4,99 €
ISBN: ISBN 978-3-95835-016-8

Ein kurzer Einblick

Der Tod ist aus Afrika in schwarzen Wolken über die Welt hereingebrochen. Fliegen verbreiten mit ihrem Biss eine Seuche, die eine Autoimmunkrankheit auslöst. Die Medizin ist machtlos und die Zivilisation bricht zusammen. Nur wenige Menschen scheinen immun zu sein. Sie selbst nennen sich die Mungus und predigen Gottes Plage als Prüfung. In all dem Chaos sucht der Enthüllungsjournalist Nigel nach dem afrikanischen Jungen Bandora. Auf der Suche nach Wahrheit und Erlösung, flieht er aus London, einem Gedanken hinterherjagend, der seinem Tun einen Sinn gibt.

Bewertung

»Die letzte Plage« hebt sich angenehm aus den dystopischen Endzeitszenarien ab. Keine Untoten kriechen aus ihren Gräbern. Keine mutierten Menschen fallen übereinander her. Kein Virus ruft die Killerinstinkte des Unterbewusstseins hervor. Der Biss einer von Gammastrahlen mutierten afrikanischen Fliege löst eine Autoimmunkrankheit im Körper aus. Jeder Biss ist tödlich. Die Menschen sterben an Sauerstoffmangel. Dabei ist der Roman auch kein 100%iger Endzeitroman, sondern gleichermaßen ein Beziehungsdrama einer Ehe, deren Partner sich auseinanderleben.
Nigel ist Enthüllungsjournalist, sein denken rational geprägt, der Glaube an Gott nicht vorhanden. Seuchen, Unfälle, Katastrophen passieren aus einem Zufall heraus. Im Kongo recherchierte er nach der Ursache der Seuche. Doch noch bevor er seine Arbeit in London verifizieren kann, wird diese gestohlen und publik gemacht. Die folgenden Ereignisse setzen seiner Psyche so zu, dass er vom Thema ablassen muss und sich bereit erklärt, nach einem verschwunden afrikanischen Jungen zu suchen.
Seine Frau Abby ist das genaue Gegenteil von ihm. Sie arbeitet als Krankenschwester und muss sich selbst einer regelmäßigen Dialyse unterziehen, denn sie leidet an Lupus. Von ihrer Krankheit geschwächt und der Bedrohung durch die Seuche ermüdet, sucht sie gar nicht mehr nach einer wissenschaftlichen Erklärung, sondern flüchtet sich in den Glauben an Gott; so wie es viele ihrer Mitmenschen tun. Die Seuche sei nur eine Prüfung des Herrn und die Willenstarken werden errettet werden. Abby und Nigel haben sich entfremdet, lieben sich aber noch immer so sehr, dass sie sich nicht eingestehen können, dass ihre Beziehung auf tönernen Füßen steht. Die religiösen Streitgespräche wiederholen sich gerade im Mittelteil. Keine der Seiten weicht von ihrer Meinung ab, sodass die Dialoge zu monotonen Wiederholungen in anderen Worten verkommen. Das nervt. Überhaupt nimmt die Religiosität einen zu großen Raum ein. Weniger wäre mehr gewesen.
Es ist nicht nur die Zuflucht der Menschen zur selbst gemachten Erlösung, sondern auch die durch die Lande ziehenden Sekten, die davon predigen, dass nur die Gottesfürchtigen die Krise überstehen werden. Die sogenannten Mungus, die scheinbar immun gegen die Fliegenbisse sind, werden als Heilige verehrt, während ihre Anhänger um sie herum in Massen sterben. Niemand öffnet die Augen und spricht aus, dass die Wahrheit anderen Ursprungs sein könnte. Niemand spricht über Wissenschaft oder eine natürliche Entwicklung. Nichts wird thematisiert außer dem göttlichen Licht, das die Sterbenden sehen, wenn das Gehirn keinen Sauerstoff mehr bekommt.
Während Abby an ihre Errettung durch Gott glaubt, sucht Nigel Erlösung in der Suche nach Bandora, dem afrikanischen Jungen. Er sorgt und sehnt sich jedoch nach seiner Frau Abby, die er trotz aller Hindernisse, die zwischen ihnen entstanden sind, noch immer innig liebt. »Die letzte Plage« ist ein Beziehungsdrama, die Suche nach Erlösung, ein glaubwürdiges Endzeitszenario; nichts ist an den Haaren herbeigezogen … und wegen all der Bestandteile, die nachvollziehbar sind, ist es ein bodenständiger Roman, der angenehm spannend ist und eine phantastische Gänsehaut beschert.

Fazit

»Die letzte Plage« ist ein ungewöhnlicher Endzeit-Thriller. Die Seuche spielt zwar eine zentrale Rolle und bietet der Handlung und den Figuren einen Ansatz, um sich zu positionieren und einen Charakter aufzubauen, im Vordergrund stehen aber die Figuren Nigel und Abby mit ihrer Beziehungskrise. Ein spannender Roman, der lediglich etwas zu penetrant mit seiner »Gott rettet alle Gläubigen«-Attitüde hausieren geht, obwohl die Autoren eine neutrale Stellung bewahren.

4 von 5 Punkten

Geschrieben von um 19:51 Uhr.

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