Dienstag, 16. Januar 2018

Rezension: Die Noris-Banditen (C. H. Guenter)

Blitz Verlag / Oerindur Verlag
Taschenbuch, 567 Seiten
ISBN: 3-902291-18-4
10,99 €

Ein kurzer Einblick

»Die Noris-Banditen« ist der Lebensroman des 2005 verstorbenen Autors C. H. Guenter, dem Erfinder von Kommissar X und Mister Dynamit.

Bewertung

Spannend, verspielt, staubtrocken.

So titelt der Verlag im Klappentext. Von einem Roman, der in der Reihe »Magic Edition« erschienen ist, sollte man anderes erwarten; und schon gar keinen autobiografisch-fiktiven Roman. Spannung ist nur in sehr kleinen Appetithäppchen zu finden. Verspielt ist allerhöchstens den Dialekten zuzugestehen. Staubtrocken trifft zu 100% zu. »Die Noris-Banditen« (Noris ist ein anderer Name für Nürnberg) ist die ausgeschmückte Lebensgeschichte des Autors C. H. Guenter. Lokalkolorit trifft NS-Zeit, Mister Dynamit trifft Curt Cramer. Der Autor baut den Roman in einem sehr gewöhnungsbedürftigen Stil auf.
Curt Cramer macht mit seinen Freunden Julius Greiner und von Klett das Abitur. Als der Zweite Weltkrieg ausbricht, verschlägt es die Freunde in alle Weltrichtungen. Cramer wandert als begeisterter Jazz-Trompeter nach Amerika. Später, als Rock ’n’ Roll modern wird, kehrt er nach Deutschland zurück, um als Schriftsteller sein Geld zu verdienen.
Diese Rahmengeschichte wird von mehreren Einzelgeschichten unterbrochen, die mehr oder weniger geschickt in die Handlung verwoben sind. Julius Greiners Geschichte »Begegnungen im Niemandsland«, wie er von einem Panzer erschossen wird, wird aus gefundenen Unterlagen nacherzählt. Julius Greiners Freundin Elisabeth und spätere Ehefrau von von Klett, erzählt die Liebesgeschichte »Elisabeth und Achilles« von Vorfahren aus dem Mittelalter. Curt Cramer schreibt den Mister Dynamit-Roman »Der Alexandria-Irrtum«. Traurigerweise ist der Agenten-Thriller der spannendste Roman.

Der Stil und die Art des Erzählens, sind nicht schlecht, nur zieht sich die Handlung ewig in die Länge. Aufkommende Spannung wird gnadenlos von langweiligen und ewig ausgetretenen Handlungssequenzen unterbrochen. Die eingestreuten Kurzgeschichten fördern eine überraschende Handlungsstruktur, wirken aber deplatziert und reißen aus der eigentlichen Handlung heraus. Die Vermarktung als Thriller, der keiner ist, in einer Reihe, die magisch bis düstere Romane enthält, tut ihr übriges. Allein die Charaktere mögen nicht herausragend skizziert sein, prägen sich aber ein. Von von Klett hat einen Sprachfehler, Elisabeth ist die begehrte Freundin, Cramer ist der Frauenheld. Wenn die Handlung so einprägsam wie die Figuren wäre, wäre es wenigstens ein durchschnittlicher Roman. So bleibt ein sprunghaftes Erlebnis, das zwischen Langeweile und Interesse nicht entscheiden kann.

Fazit

Ein staubtrockener autobiografisch angehauchter Roman hat in der Reihe »Magic Edition« nichts zu suchen. Wenn der Roman durchweg spannend erzählt wäre, könnte er zumindest Anklang finden. So dürften nur Freunde des Nürnberger-Lokalkolorits und eingefleischte C. H. Guenter-Fans Freude an dem Roman finden.

2 von 5 Punkten

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Geschrieben von um 19:32 Uhr.

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