Samstag, 19. Oktober 2019

Rezension: Die Rückkehr des Filip Latinovicz (Miroslav Krleza)

Wieser Verlag
Hardcover, 411 Seiten
ISBN:  978-3-85129-737-9
24,00 €

Ein kurzer Einblick

Filip Latinovicz kehrt nach 23 Jahren in seine kroatische Heimat zurück. Er ist Maler und voller Erfahrungen und Kenntnisse der modernen Welt nach dem Ersten Weltrieg. Doch in Kroatien scheint die Zeit still gestanden zu haben. Filip fragt sich, wo seine Herkunft liegt und wer sein Vater ist. Dafür taucht er in ein Rätsel ein und muss seinen Umgang mit seiner Mutter und seiner Geliebten finden…

Bewertung

Es gibt nicht viele große kroatische Schriftsteller, die über Kroatien hinaus Bekanntheit erlangt haben, doch Miroslav Krleza ist einer von ihnen. „Die Rückkehr des Filip Latinovicz“ ist eines seiner bekanntesten Werke, das zugleich wie Thomas Manns „Der Zauberberg“ anmutet. Im Gegensatz zu Hans Castrops siebenjährigen Aufenthalt im Sanatorium fehlt Filip Latinoviczs Heimkehr jedoch eine klare Botschaft. So wird über den gesamten Roman hin nicht klar, was uns Krleza eigentlich mit diesem Roman sagen möchte. Der Klappentext suggeriert zwar, es würde um eine Auseinandersetzung mit Herkunft gehen, doch dies ist keineswegs das durchgängige Muster des Romans. Vielmehr mutet der Roman als eine Aneinanderreihung von Gedankengängen, Gesprächen und Diskussionen zu allen möglichen Themen an, die für sich genommen kein schlüssiges Bild ergeben.
Insgesamt beherrscht den Roman eine negative Stimmung, innerhalb derer Filip Latinovicz über viele Dinge nachdenkt und philosophiert. Dennoch lernt der Leser Filip nur oberflächlich kennen, sodass man keine Bindung zur Person aufbaut oder sich nicht mit ihr identifiziert. In diesem Sinne entwickelt man eine Gleichgültigkeit zu Filip Latinovicz, was zuletzt auch daran liegt, dass keine Perspektive für diese Figur aufgezeigt wird. Neben Filip gibt es diverse Nebenfiguren, die immer mal wieder auftauchen, die zum Teil aber wenig einprägsam sind. Zudem verwendet Miroslav Krleza für diese zum Teil Spitznamen, was es vielfach schwieriger macht, sich an diese blassen Figuren zurückzuerinnern. Alle diese Figuren bringen diverse Themen und Auseinandersetzungen ein, die wirr nacheinander folgen und aus denen sich weder ein roter Faden noch eine Botschaft des Romans herauslesen lassen.
Aufgrund der vielen Gedankenkonstrukte und Gespräche, die im Roman geführt werden, ist er arm an Handlung. Es gibt zwar eine Liebesgeschichte, die sich jedoch auch nicht gerade mit Aktivität überschlägt, sodass sie wie der Rest des Romans wenig für Spannung und Lesevergnügen sorgt. Darüber hinaus wird sie in weiten Teilen so oberflächlich dargestellt, dass man auch zum Liebespaar keine Beziehung aufbaut.

Fazit

„Die Rückkehr des Filip Latinovicz“ ist ein Roman mit negativer Grundstimmung, in dem viel nachgedacht und gesprochen wird, bei dem man jedoch eine klare Botschaft vermisst. Es fehlt vor allem an Handlung, um sich mit Figuren und deren Handeln identifizieren zu können. Dadurch wird das Lesen eher zum Kampf als zum Vergnügen.

1.5 von 5 Punkten

Geschrieben von um 18:24 Uhr.

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