Samstag, 11. Januar 2020

Rezension: Die Weber (Gerhart Hauptmann)

Reclam
Taschenbuch, 150 Seiten
ISBN:  978-3-15019-364-8
4,00 €

Ein kurzer Einblick

Die Weber in Schlesien leben in Hunger und Elend. Neben ihrer Landwirtschaft erzeugen sie in Heimarbeit Weberzeugnisse. Diese liefern sie beim Fabrikanten Dreißiger ab. Als ihr Lohn noch weiter gedrückt werden soll, ist es den Weber genug. Sie ziehen durch die Straßen, singen das verbotene Weber-Lied und marschieren zur Villa der Familie Dreißiger…

Bewertung

Gerhart Hauptmanns „Die Weber“ erzählt vor dem Hintergrund der wahren Ereignisse von 1844, wie sich die schlesischen Weber gegen ihre Ausbeutung auflehnen. In verschiedenen Parallelhandlungen wird dabei in sechs Akten aufgezeigt, wie die Weber und die Fabrikbesitzer lebten und wodurch ihr Leben geprägt war. Obwohl das Stück vor allem die Weber in den Mittelpunkt rückt, zeigt es durchaus differenziert unterschiedliche Meinungen zum Austand auf. Dies alles ist für den Leser jedoch einigermaßen schwer zu erfassen, da Hauptmann das Stück in schlesischem Dialekt niedergeschrieben hat.
Im Stück wird auf der einen Seite sehr plastisch das Elend der Weber dargestellt, die auf engsten Raum zusammenleben und neben dem Weben auch noch Landwirtschaft betreiben müssen. Dennoch reicht das Geld für sie kaum zum Leben. Das Elend ist so groß, dass einzelne sogar ihren Hund schlachten müssen. Auf der anderen Seite leben die Fabrikanten im Luxus. Dies alles wird im Stück durch sehr ausführliche Regieanweisungen verdeutlicht, die Hauptmanns Sympathie für die Weber deutlich werden lassen. Die Fabrikanten wissen dagegen nicht so recht, was sie mit ihrem Geld noch anfangen sollen und häufen scheinbar sinnlos wertvolle Gegenstände an. Dass es ihnen so viel besser geht als den Webern, scheint für sie gerecht und obwohl es in ihren Kreisen durchaus auch Verständnis für die Weber gibt, rücken sie von ihrer Position nicht ab, sondern versuchen eher, diese Meinungen zu unterdrücken.
Diese Gegensätze bringen das Fass irgendwann zum Überlaufen und als die Weber einen Anführer finden, erheben sie sich gegen diese Ungerechtigkeit. So wird das Stück auch durch sehr viele Personen getragen. Es gibt zwar Redelsführer, doch keine Hauptfiguren, die der Leser im Laufe des Stücks besser kennenlernt. Vielmehr wird das Stück durch eine Vielzahl an unterschiedlichsten Personen geprägt. Diese schließen sich gemeinsame gegen die Ungerechtigkeit zusammen. Doch am Ende wird deutlich, in welcher ausweglosen Situation sie sich dennoch befinden. Damit demonstriert das Stück eindrückliche, welche Konsequenzen die damals beginnende Industrialisierung mit sich brachte.

Fazit

„Die Weber“ zeigt platisch die elenden Lebensbedingungen der schlesischen Weber Mitte des 19. Jahrhunderts auf. Gleichzeitig macht es differenziert deutlich, warum diese sich gegen die Fabrikanten erhoben. Dies alles ist jedoch dadurch, dass das Stück in schlesischem Dialekt geschrieben ist, einigermaßen schierig zu erfassen.

4 von 5 Punkten

Geschrieben von um 14:25 Uhr.

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