Sonntag, 05. Januar 2020

Rezension: Dies ist mein Fleisch (Monica J. O’Rourke)

Festa Verlag
Hardcover, 256 Seiten
Keine ISBN
39,99 €

Ein kurzer Einblick

»Dies ist mein Fleisch« enthält 11 Erzählungen von Monica J. O’Rourke. Mit Psycho-Horror und blutiger Brutalität peinigt die Autorin die Leser mit einer intensiven Art zu erzählen, die tief unter die Haut geht.

Bewertung

»Dies ist mein Fleisch«, erschienen im Festa Verlag, limitiert auf 666 Exemplare, handnummeriert und von Monica J. O’Rourke signiert, ist als Privatdruck veröffentlicht worden, besitzt also keine ISBN.

Monica J. O’Rourke hat definitiv die Qualität phantastische Geschichten zu schreiben. Sie zeigt immer dann, wie intensiv und packend sie Emotionen vermitteln kann, wenn es nicht um Gewalt geht. Und hier liegt das Dilemma; Monica verliert sich allzu gerne in abartiger Brutalität. Dies führt dazu, dass die Geschichten im Schnitt geradeso durchschnittlich sind und sehr stark in der Qualität schwanken.

Die ersten beiden Geschichten »Ein Experiment mit der menschlichen Natur« und »Dies ist mein Fleisch« zeigen besonders deutlich, dass Gewalt nicht der Weg zum Ziel sein kann. Folter und ein belangloser Plot ohne Grundlage, auf der eine Story gedeihen soll, oder eine wirre Story erzählt wird, mögen wegen der sinnlosen Gewalt schockieren. Außerdem sind die Geschichten fraglos hervorragend erzählt, aber das Handwerk kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Plot substanzlos ist. »Jemandes Schwester« schlägt glücklicherweise einen anderen Weg ein, ersetzt aber nur die Gewalt gegen Vergewaltigung. Anstatt die Erzählung zu einem überraschenden Ende zu führen, muss Effekthascherei die Auflösung dominieren. Definitiv besser erzählt ist »Jasmin und Knoblauch«, die düster und morbide daherkommt. »Erreichbare Schönheit« wiederum ist ein zweischneidiges Schwert. Genitalverstümmelung ist Splatter der blutigsten Art, doch baut die Geschichte auf einem psychologischen Drama aus Wahnsinn und Wahnvorstellungen auf, um die idealistische Schönheit zu erreichen. Fast schon bedrohlich und intensiv ist »Zelle«, die anfangs eine ungeheure Ausdruckskraft besitzt, sich aber zunächst in Langeweile verliert und letztendlich in ein ermüdendes, unbefriedigendes Ende mündet. Gänzlich unterschiedlich sind »Einsamkeit verursacht das lauteste Geräusch« und »Fünf Adjektive, die auf meinen Vater zutreffen, von Nadine Specter«, doch eines haben beide Geschichten gemein: Es ist wunderbarer Psycho-Horror, der vollkommen ohne übertrieben geschilderte Gewaltdarstellungen auskommt. Das ist der Horror, der den meisten Geschichten fehlt. Das ist wirklich intensiver Horror und nicht die Bäche aus Blut. Schockeffekte lösen kurzfristige Adrenalinschübe aus, Psycho-Horror hallt deutlich länger im malträtierten Geiste nach.

Inhaltsverzeichnis:
Vorwort von Wrath James White: Ein Experiment in Sachen Terror
Ein Experiment mit der menschlichen Natur
Dies ist mein Fleisch
Jemandes Schwester
Jasmin und Knoblauch
Ein Atemzug
Erreichbare Schönheit (geschrieben mit Jack Fisher)
Fütterungslus
Zelle
Einsamkeit verursacht das lauteste Geräusch
Fünf Adjektive, die auf meinen Vater zutreffen, von Nadine Specter
Asha

Fazit

Die Autorin zeigt deutlich, dass die Tendenz zur blutigen Gewalt und schockierender Effekthascherei ihr Ziel ist, doch ihre Stärke liegt im Psycho-Horror. Dies führt leider dazu, dass fast keine der Geschichten wirklich begeistern können. Monica J. O’Rourke hat ihr Handwerk definitiv gelernt, ihr Stil ist intensiv. Ein hervorragender Stil macht leider ohne guten Plot keine wertige Geschichte.

2.5 von 5 Punkten

Geschrieben von um 19:21 Uhr.

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