Samstag, 30. März 2019

Rezension: Divine. Blick ins Feuer (Cheryl Kaye Tardif)

Luzifer Verlag
Klappenbroschur, 296 Seiten
ISBN: 978-3-95835-091-5
12,99 €

eBook, 4,99 €
ISBN: 978-3-95835-092-2

Ein kurzer Einblick

CFBI-Agentin Jasmine McLellan und ihr Team werden gemeinsam mit Brandon Walsh, dem Leiter der Behörde für Brandstiftung, auf einen besonders heißen Fall angesetzt. Ihre übernatürlichen PSI-Fähigkeiten erleichtern die Ermittlung, doch selbst das Eintauchen in die Gedanken des Mörders und der Opfer bringt die Ermittler nur langsam voran. Die Jagd nach dem Mörder spitzt sich zu, denn der Täter muss gefunden werden. Die nächsten Opfer stehen bereits auf der Liste …

Bewertung

Geheimdienste und Sicherheitsbehörden rüsten sich mit immer besserem Equipment aus, um Serientäter, Brandstifter, Terroristen und alle anderen Menschen, die die Staatssicherheit und Menschenleben gefährden, dingfest zu machen. Neben der Hightech und dem Datenaustausch untereinander, verheimlichen die Behörden eine ganz besondere Abteilung: psychisch begabte Menschen, die mit übernatürlichen Fähigkeiten ermitteln und dank ihrer Fähigkeit eine überdurchschnittlich hohe Quote besitzen, Täter zu überführen. Das CFBI, das kanadische Gegenstück zum amerikanischen FBI, unterhält das Divine Ops. Zu den PSI-Ermittlern zählen die drei Protagonisten McLellan, Roberts und Prushenko. Sie ermitteln gegen einen Serienbrandstifter. Das letzte Opfer ist der Vater des auf das Amt des Prime Ministers Kandidierenden. Der Politiker übt Druck aus, denn einen Skandal in seiner Familie kann er sich nicht erlauben. Die Suche nach dem Täter ist nicht einfach. Das Motiv ist ein Ratespiel aus möglichen Indizien. Nach und nach beginnen die Beweise sich zu verdichten und Geheimnisse kommen ans Licht, die Kindesmissbrauch, eine illegale Abtreibungsklinik und Affären aufdecken. Dabei gestaltet sich das Sortieren der Beweise und Geheimnisse als ebenso schwierig. Cheryl Kaye Tardif inszeniert einen Thriller, dessen Verwicklungen aus Figuren, Taten und Erpressungen komplex sind. Kein Wunder, dass die Ermittler so manches Mal in vermeintliche Sackgassen geraten und Lüge von Wahrheit trennen müssen.

Jasmine McLellan ist die Leiterin der Einsatzgruppe. Ihre Fähigkeit ist es, im Rauch der verglimmenden Feuer Visionen oder Eindrücke des Brandstifters und dessen Gedanken zu erhalten. Ben Roberts ist Profiler. Berührt er Menschen, kann er deren Gefühle wahrnehmen und weiß, ob sie Angst haben, lügen oder harmlos sind. Natassia Prushenko ist Opfer-Empathin. Sie kann in die letzten Augenblicke der Opfer abtauchen und wertvolle Einblicke erlangen. Besonders McLellan und Prushenko laufen dabei Gefahr, sich in den Wahrnehmungen zu verlieren und nicht mehr in ihren eigenen Verstand zurückzukehren. Aus dem Grund sind die drei Ermittler ein eingespieltes Team und beste Freunde. Sie kennen sich gegenseitig und wissen genau, wann ihre Partner in Gefahr schweben, sich in den Emotionen der Täter oder Opfer verlieren. Gemeinsam mit Brandon Walsh, dem Leiter der Behörde für Brandstiftung, folgen sie gewissenhaft den Spuren.

Der Mix aus Krimi und Mystery, die verstrickte Handlung aus Geheimnissen, Lügen, illegalen Geschäften und Rachegelüsten ist stilistisch hervorragend und verdammt spannend geschrieben. Cheryl Kaye Tardif weiß ansprechend zu schreiben und hat ein tolles Gespür für Dramaturgie. Abgesehen von der, trotz aller Komplexität, vorhersehbaren Handlung, die Themen und die Entwicklung sind einfach zu bekannt und zu oft erzählt worden, leidet der Roman an einem ganz anderen Problem. Die Figuren mögen menschlich sein: Sie haben Gefühle, spüren Erfolgsdruck, wollen den nächsten Mord verhindern, sorgen sich um ihre Freunde, hassen Egoisten … Ja, sie haben ihre Macken, ihre Fehler und ebenso den Willen danach, anderen zu helfen. Ja, sie nehmen immer mehr Form an, entwickeln sich in der Handlung weiter, erzählen immer mehr Facetten über sich. Aber sie sind auch extrem nervtötend. Und hier versagt Tardif gnadenlos. Wenn es darum geht, Konflikte zwischen den Protagonisten und Nebenfiguren aufzubauen, gibt es kaum mehr als: Mann lechzt den Frauen wie der letzte Idiot hinterher. Mann muss immer den Macho spielen und Frau aggressiv reagieren. Frau kann nicht zugeben, dass sie auf den Typen steht und kämpft brüsk gegen die Gefühle an. Freunde sticheln untereinander und McLellan muss immer aggressiv reagieren. Das Verhalten der Charaktere verändert sich kaum und durchzieht die komplette Handlung. Nervtötender, eintöniger und langweiliger geht es kaum.

Fazit

»Divine. Blick ins Feuer« ist nichts Ganzes und nichts Halbes. Cheryl Kaye Tardif versucht sich an einem Mystery-Thriller und erzählt eine dramaturgisch hervorragende Geschichte, die zu keinem Zeitpunkt langweilig wird. Stetig entwickelt sich die Handlung weiter. Knackpunkt sind die Verhaltensweisen der Charaktere. Zwischen aggressivem Verhalten, trotziger Ablehnung, Verleugnung von Gefühlen und gierigen Blicken gibt es kaum eine Varianz oder Entwicklung. Das ist umso ärgerlicher, da die Autorin abgesehen vom Figurenverhalten einen wahnsinnig guten Thriller geschrieben hat.

3.5 von 5 Punkten

Geschrieben von um 20:49 Uhr.

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