Samstag, 16. Juni 2018

Rezension: Eden (Tony Monchinski)

Heyne
eBook, 480 Seiten
ISBN: 978-3-641-04886-0
11,99 €

Ein kurzer Einblick

Eden – eine Zuflucht vor den Zombies, ein Überlebenscamp der Hoffnungslosen. Als Harris aus dem Schlaf gerissen wird, weil etwas in seinem Arm beißt, kann er seine Freundin Julie vor dem Tod retten. Er selbst hat maximal 24 Stunden Zeit, um den Verantwortlichen zu finden, den Wahnsinnigen, der die Zombies in die Siedlung gelassen hat.

Bewertung

Trivialliteratur – ob diese Art von Literatur überhaupt herausragend sein kann oder auf ewig maximal im Mittelmaß versauert, darüber darf jeder selbst eine Meinung haben. »Eden« ordnet sich genau dort ein. Handwerklich sehr gut gemacht, verspricht es nicht mehr, als es sein möchte, setzt die Akzente dort, wo sie Spannung aufbauen, und lässt die Zombies nicht zu einer dummen Meute fressender Idioten verkommen, nur um Kaumaschinen zu generieren, die Blut spritzen lassen. Und doch konnte mich der Roman kaum fesseln, ich war regelrecht froh, die letzte Seite umgeblättert zu haben. Wie das passieren kann, möchte ich im Folgenden erläutern.

Bereits im Vorwort verweigert sich der Autor neuer Ideen und verspricht klassische Zombieschlurfer. Damit es nicht zu eintönig wird, gibt es auch noch Läufer, Heuler und Hirne. Das bringt die bitter nötige Abwechslung und ein ständig bestehendes Gefahrenpotential, denn man weiß nie, welche Art Zombie gierend nach Fleisch im Schatten lauert. Dankenswerterweise versteift Tony Monchinski sich nicht auf Schnetzeleien, Blut und Gekröse, sondern nimmt die Untoten nur als schmückendes Beiwerk. Die Menschen stehen im Mittelpunkt, die Lebenden, die ums Überleben kämpfen, die gegeneinander kämpfen.
Neben der großen Haupthandlung erzählt Tony viele kleine Geschichten. Chronologisch ungeordnet, springt der Autor zwischen Erzählungen und Zeitebenen hin und her. Die Reihenfolge herzustellen ist nicht weiter schwierig, jede Handlung hat eindeutige Merkmale, um schnell die richtigen Teile zusammensetzen zu können. Vielmehr verschafft Tony sich eine erzählerische Raffinesse, die wirklich gelungen ist. Er ist nicht darauf angewiesen die Haupthandlung zu unterbrechen, um nötige Informationen einzustreuen, sondern baut einfach auf dem Erzählgerüst auf. Dadurch wirkt die Erzählweise natürlich. Es sind altbekannte Plots ohne jegliche Eigenständigkeit, handwerklich aber sehr gut aufbereitet. Private Tragödien, religiöser Fanatismus, die Präsenz der Gefahr, der Überlebenswille oder die Resignation, Liebe, Freundschaft, Despoten … Der Autor verarbeitet viele Themen und seziert seine Charaktere psychologisch. Die Welt ist dem Menschen keine Heimat mehr, die Welt ist ein Ort des Leids, die dem Menschen die selbstzerstörerische Kraft offenbart.

Klingt phantastisch, oder? Und doch konnte mich der Roman persönlich kaum packen. Das Handwerk allein reicht nicht aus, um zu überzeugen. Andere Leser mögen begeistert sein, macht euch also ein eigenes Bild. Mich konnten die Figuren nicht packen, ärgerlich, wenn die psychologische Analyse der Charaktere extrem wichtig ist. Mich konnten die vielen kleinen langweiligen und altbekannten Geschichten nicht überzeugen, ärgerlich, wenn das Handlungsgerüst darauf aufbaut. Mich konnte die Haupthandlung nicht packen, da diese viel zu zerrissen erzählt wird. Ich bin froh, dass weitere Teile nicht auf Deutsch erschienen sind. Keine Angst, der Roman ist in sich abgeschlossen.

Fazit

Wenn alle sich streiten, freut sich der Zombie. Trotz handwerklichem Geschick und raffinierter Erzählweise, kann Tony Monchinski keine Zombie-Apokalypse erschaffen, in der man gerne Zeit investiert. Der Roman will nicht mehr sein als eine klassische Themenaufbereitung, aber selbst das gelingt dem Autoren nicht gut. Ich reihe mich lieber in die Hirntoten ein, als dieses Stück toten Baumes weiterzuempfehlen.

2.5 von 5 Punkten

Geschrieben von um 19:50 Uhr.

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