Sonntag, 19. Juli 2020

Rezension: Ein Brief vom Keilerstein (Christian von Aster)

Buchheim Verlag
Hardcover, 128 Seiten
ISBN: 978-3-946330-09-7
15,99 €

eBook, 3,99 €
ISBN: 978-3-946330-10-3

Ein kurzer Einblick

Der Genius Dr. Erwin Sternhammer hat durch unangemessene Experimente am lebenden Objekt seine Approbation verloren. Sein Ruf und seine revolutionären Schriften sind jedoch Jahrzehnte später noch immer legendär. Seine Lehren versprechen die Chirurgie mit Spiritualismus zu verbinden. Seine Visionen locken junge Mediziner zu einem Praktikum auf den Keilerstein. So auch den Autor des vorliegenden Briefes.

Bewertung

Christian von Aster ist ein umtriebiger Autor, der sowohl Publikationen in Klein-, als auch Publikumsverlagen herausbrachte. Die meisten seiner Romane sind überwiegend der Fantasy zuzuschreiben, doch ab und an unternimmt der Autor Ausflüge in andere Genre. »Ein Brief vom Keilerstein« liest sich gar etwas experimentell. Angereichert mit Illustrationen des Künstlers Holger Much, dessen eigenwilliger Stil hervorragend die düstere Atmosphäre untermalt, ist der vorliegende Brief ein Horror-Kleinod.

Der Protagonist schreibt einen Brief an seinen Freund Thomas, in dem er ihm berichtet, warum er eine Stelle in der von der Außenwelt abgeschnittenen Klinik des Dr. Sternhammers angenommen hat. Dr. Erwin Sternhammer gilt als revolutionärer Arzt, dessen Ansichten aber nicht der gängigen Ethik entsprachen, sodass ihm die Approbation entzogen wurde. Chirurgie und Spiritualismus in Kombination haben in modernen Krankenhäusern keinen Platz. Seine Schriften besitzen jedoch noch immer einen Ruf, sodass sich junge Menschen um eine Stelle in Sternhammers Klinik bewerben. Letztere benötigt keine Finanzierung, sondern lebt von den Gaben der Menschen vom Keilerstein, die wiederum kostenlos behandelt werden. So hat sich die Klinik unabhängig von der Welt eine Existenz aufgebaut, um weiter an ethisch fragwürdigen Konzepten zu forschen.

Die Klinik ist heruntergekommen, nur drei Patienten bewohnen die Räumlichkeiten und die Schwestern und Ärzte haben kaum Arbeit. Trotz des Verfalls und der düsteren Stimmung, bleibt der Protagonist und vertreibt die Langeweile mit Alkohol und Sex. Dr. Erwin Sternhammer hat er auch nach Wochen seines Aufenthaltes nicht zu Gesicht bekommen. Nur zögerlich gibt die Klinik ihre Geheimnisse preis, baut unentwegt eine Atmosphäre des Grauens auf, vermittelt in Andeutungen ein konstantes Gefühl der Bedrohung. Der Schreibstil mutet etwas altmodisch an, obwohl der Briefroman in unserer Zeit spielt; wobei man technische Gerätschaften der modernen Hightech-Medizin auf dem Keilerstein vergeblich sucht. Die Geschichte ist durchschnittlich, lebt vom bildatmosphärischen Horror im Schwarzwald und punktet vor allem mit der stetigen Grundspannung und natürlich den wissenschaftlichen Experimenten, die Sternhammer im Geheimen durchführt. Die Liebe zum Detail, ohne sich ausufernd in belanglosen Details zu verlieren, haucht dem Brief das Leben ein.

Fazit

»Ein Brief vom Keilerstein«, ist eine kleine, aber feine und vor allem exzellent erzählte Geschichte in Briefform. Die langsame Erzählstimme erweckt die Düsternis des Keilersteins zum Leben. Die Experimente des Dr. Erwin Sternhammers dräuen als Geheimnis über der Klinik und enthüllen sich mit einem wohligen Gefühl des Schreckens.

4 von 5 Punkten

Geschrieben von um 18:22 Uhr.

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