Dienstag, 31. Juli 2018

Rezension: Eine Hexe mit Geschmack. Mit doppelter Portion Menschenfleisch! (A. Lee Martinez)

Piper Verlag
Taschenbuch, 400 Seiten
ISBN: 978-3-492-26655-0
9,95 €

Ein kurzer Einblick

Die namenlose Hexe entspricht jedem Fantasy-Klischee. Bis auf den Fluch oder gerade wegen des Fluchs … oder so. Eine ewig nervende Dämonenente dient ihr als Vertrauter und Berater; auch wenn die Beratung von unentwegtem Genörgel geprägt ist. Gemeinsam mit dem Weißen Ritter müssen sie das Reich vor realen Illusionen erretten. Das wäre vielleicht ganz einfach, würde sie sich nicht ausgerechnet in den Ritter verlieben.

Bewertung

A. Lee Martinez hat einen schwierigen Job: Er muss Witz und Komik in einer Handlung unterbringen, ohne dass es lachhaft dämlich wird. Würde es nur darum gehen, hätte er den Job mit Bravour gemeistert. Eine gute Handlung und sympathische Charaktere zeichnen sich aber nicht durch ausgearbeitete Ideen aus. Das hat der Autor in Romanen wie »Die Kompanie der Oger«, »Der Mond ist nicht genug« oder »Monsterkontrolle« deutlich besser umgesetzt. Die Charaktere sind sympathisch, aber können die Handlung nicht tragen. Die Handlung baut sich durch tolle Ideen auf, kann aber die Charaktere nicht tragen. Ein Teufelskreis, der in Langeweile endet. Dabei klingen die wichtigsten Fakten verdammt interessant:

Die namenlose Hexe ist mit einem Fluch belegt: Untot und unsterblich, ewig schön und gierend nach (Menschen-) Fleisch, wurde sie von der grausigen Edna ausgebildet. Als diese ermordet wird, erbt sie die lamentierende und nörgelnde Dämonenente (bester Charakter!) und den lebendigen Hexenbesen Penelope. Auf ihrer Reise der Rache schließt sich der freundliche Troll Gwurm an. Als Hexe muss sie den Erwartungen entsprechen. Also schmiert sie sich Dreck ins Gesicht, kleidet sich in Lumpen und humpelt den Abenteuerweg hinab. In Fort Handfest begegnet sie dem Heer der fünfhundert unfähigsten Soldaten und Wyst aus dem Westen, Verteidiger der Schwachen, Zerstörer des Schändlichen, eingeschworener Kämpfer des Anstands, anerkannter Feind des Bösen, vom Orden der Weißen Ritter, der für Glorie und Tugend in Reinstform steht.

Was für ein Mix, was für ein dröges Abspulen von auf die Schippe genommener Fantasy-Klischees. Das liest sich kurzweilig und langweilig. Die Ideen mögen amüsant sein, sind aber nicht lustig. Stattdessen liest sich der Roman lustlos. Die Handlung ist platt. Die Charaktere sind platt. Das kennt man aus anderen Romanen des Autors, doch hat er es meist geschafft, Schwächen durch Stärken auszubügeln. Hier entlockt die Überzeichnung gängiger Versatzstücke nur ein müdes Gähnen. Der Roman wirkt zu bemüht, um komisch zu sein. Einzig die zynischen Kommentare der Dämonenente lesen sich angenehm ehrlich und spontan; einzig der blutrünstige Wasservogel darf sich die Ehre nehmen, eine Seele eingehaucht bekommen zu haben.

Fazit

Ein Satz mit X, das war wohl nix. Wenn der Sidestep der Protagonistin sowohl der beste Charakter, als auch die beste Idee und vor allem der besten Teil der Geschichte ist, zeugt das nur davon, dass der Autor nicht wusste, wie die durchaus hervorragenden Ideen, amüsant und interessant zusammenspielen müssten. Hier muss nicht das Reich vor einem Zauberer gerettet werden, sondern der Leser vor Langeweile.

2 von 5 Punkten

Geschrieben von um 18:19 Uhr.

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