Dienstag, 07. Januar 2020

Rezension: Germinal (Emile Zola)

Reclam
Taschenbuch, 622 Seiten
ISBN:  978-3-15004-928-0
10,80 €

Ein kurzer Einblick

Der Maschinist Etienne Lantier landet auf der Suche nach Arbeit in der Bergarbeitersiedlung des Schachts „Le Voreux“. Dort lernt er die Familie Maheu kennen und über sie gelingt es ihm, Arbeit im Bergwerk zu bekommen. Nun erfährt er einerseits die unmenschlichen Arbeitsbedingungen im Bergwerk, andererseits beginnt er, sich mit der Idee des Sozialismus zu beschäftigten. Als die Grubenbesitzer verschleierte Lohnminderungen durchsetzen wollen, beginnt eine Machtauseinandersetzung zwischen Arbeit und Kapital…

Bewertung

Emile Zola schildert in „Germinal“ sehr realistisch die Arbeits- und Lebensbedingungen der französischen Bergarbeiter im 19. Jahrhundert. Er stellt sehr plastisch war, welche schwere Arbeit unter engen, dunkeln und klimatisch unmenschlichen Bedingungen die Menschen leisten mussten. Zugleich wird anhand der Familie Maheu eindrücklich aufgezeigt, wie jedes Familienmitglied bis auf die kleinsten Kinder zum Familieneinkommen beitragen müssen. So sind bereits Kinder tagtäglich volle Arbeitstage im Bergwerk tätig. Auch alte, gebrechliche Leute müssen weiterhin ihren Anteil zum Familieneinkommen im Bergwerk erwirtschaften, denn an eine Pension ist nur sehr schwer dranzukommen. Doch obwohl fast die gesamte Familie im Bergwerk arbeitet, reicht der Lohn für die Familie gerade so zum Leben aus.
So ist das gesamte Leben der Bergarbeiterfamilien durch Arbeit bestimmt und in der wenigen Freizeit, die sie haben, fehlt ihnen das Geld, um sich das Leben angenehm zu machen. Plastisch stellt Emile Zola die spartanische Ausstattung der Häuser der Bergarbeiterfamilien dar, die alle zusammen in einem Raum schlafen und sich mit mehreren Familienmitgliedern ein Bett teilen müssen. Die Männer treibt diese Perspektivlosigkeit häufig zum Alkoholismus und die Kinder lässt diese schnell erwachsen und abgestumpft werden. Dies demonstriert die Aussichtslosigkeit der Familien der damaligen Zeit. Obwohl bereits ab frühem Kindesalter ihr Leben nur durch Arbeit bestimmt ist, müssen sie in ärmlichen Verhältnissen leben und es ist keine andere Perspektive in Sicht.
Als den im Elend lebenden Familien durch eine verschleierte Lohnminderung aus Profitgier der Bergwerkbesitzer Geld genommen werden soll, ist der Punkt erreicht, an dem sich die Menschen gegen die Verhältnisse erheben. Obwohl ihrem Streik eine eindeutige Führungsperson fehlt, gelingt es ihnen, sich zusammenzuschließen und gegen diese Ungerechtigkeit vorzugehen. Doch der Roman demonstriert eindrücklich, wer bei diesem Streik am längeren Hebel sitzt. Der Streik wird zu einem Kampf, in dem es irgendwann darum geht, wie lange der Hunger noch ertragen werden kann. Die Arbeiter sind herrissen zwischen ihrem Hunger und der Solidarität mit den anderen. Dies treibt einen Teil der Arbeiter zum Wahnsinn und zeigt gleichzeitig auf, was aus Menschen und deren Moral in elenden Situationen werden kann.
All dies erzählt Emile Zola in einer komplexen, vielschichtigen Handlung, in der der Leser eine Reihe von unterschiedlichsten Personen kennen lernt. Zwischen diesen Personen entspannen sich wiederum verschiedenste Verbindungen. Emile Zola zeichnet kein einfaches Schwarz-Weiß-Bild. Er schafft die verschiedensten Charkatere, die positives wie auch negatives in sich tragen und stellt diese differenziert dar. So erhält der Leser ebenso einen Einblick in die Situation der Bergwerksbesitzer und kann sich ein umfassendes Bild der damaliagen Verhältnisse machen.

Fazit

Emile Zolas „Germinal“ ist ein differenziertes und zugleich vielschichtiges Werk, das vor dem Hintergrund wahrer historischer Begebenheiten eindringlich die elenden Lebens- und Arbeitsbedingungen der französischen Bergarbeiter im 19. Jahrhundert aufzeigt. Zugleich beschreibt der Roman sehr plastisch den Kampf zwischen Arbeit und Kapitel sowie dessen Auswirkungen auf Menschen und ihre Moral.

5 von 5 Punkten

Geschrieben von um 20:55 Uhr.

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