Dienstag, 22. August 2017

Rezension: Gott im Unglück (A. Lee Martinez)

Piper
Taschenbuch, 400 Seiten
ISBN: 978-3-492-26752-6
9,99 €

eBook, 8,99 €
ISBN: 978-3-492-95897-4

Ein kurzer Einblick

Phil und Teri bestellen sich einen Gott über das Götterportal. Anstatt einen Altar geliefert zu bekommen, zieht der Glücksgott Luka direkt bei ihnen ein. In waschbärengestallt und Hawaiihemd steht er vor ihrer Tür. Das haben sich die beiden anders vorgestellt. Zu allem Unglück schmeißt Luka eine Einweihungsparty und der Schlangengott Quetzalcoatl bleibt einfach. Und wenn das noch nicht genug Unglück ist, jagt Lukas Feind, der Chaos- und Blutgott Gorgoz, seine Jünger. Da ist es doch ganz gut, dass Luka ein Glücksgott ist, denn Glück im Unglück ist immer noch Glück.

Bewertung

Lassen wir die menschlichen Charaktere ignorant als Randnotiz ihrer Existenz stehen und huldigen dem Glücksgott; einem Waschbär mit Sonnenbrille, Hawaiihemd, lässigen Sprüchen und egoistischem Charakter. Gemeinsam mit seinem Kumpel, dem Schlangengott Quetzalcoatl, zieht er bei Teri und Phil ein, seinen neuen Jüngern. Kaum ein Mensch huldigt nicht wenigstens einem Gott. Die Zeit der Blutopfer ist vorbei, die Götter bieten sich auf dem Götterportal, einer Börse, feil. Umso beliebter eine Gottheit ist, umso mehr Huldigungen muss man leisten. Die Götter sind quasi vom Rating ihrer Jünger abhängig. Im Gegenzug bieten die Götter Leistungen. Lucky, von allen Luka genannt, bietet seinen Anhängern das bisschen Glück, das für einen glücklichen Zufall oder einen Karrieresprung reicht. Er ist jedoch nur ein geringer Gott und kann kein endloses Glück bieten. Überhaupt funktioniert die göttliche Kraft nicht nur in eine Richtung, das Gleichgewicht muss gewahrt werden. Zeus Anhänger trifft bisweilen der Blitz, Lukas Anhänger erleiden in Situationen Pech, in denen es sich nicht negativ auswirkt. Kuriositäten anstatt Gags, Klamauk anstatt herzhafter Lacher: »Gott im Unglück« ist ein extrem spaßiger und kurzweiliger Roman.

Die Götterbörse bietet einen verdammt interessanten Ansatz, wird von A. Lee Martinez aber nur als Aufhänger zum Weltenbau genutzt. So konzentriert sich der Autor weniger auf einen wahrlich faszinierenden Roman, als auf die Ressentiments der Götter untereinander. Ja, das liest sich spaßig, das liest sich flott, versandet aber in einem göttlichen Kindergarten verschmähter Liebschaften. Anstatt einzigartiger Ideen baut Martinez einen apokalyptischen Krieg vermenschlichten Götterzorns auf. Götter mögen auch Menschen mit übernatürlichen Fähigkeiten sein, doch ernst nehmen kann man ihr Verhalten so nicht. Tausend Jahre Herzeleid; Syph entkommt ihrem Kummer nicht. Tausend Jahre Chaos und Blut; Gorgoz Schwur ist mehr Trotz als das Verhalten eines abtrünnigen Gottes, der die Welt im Clash eines totalitären Krieges sehen möchte. Ja, das liest sich spannend, das liest sich temporeich – aber A. Lee Martinez hätte so viel mehr aus der Grundidee machen können. Das ist Meckern auf hohem Niveau, gerichtet an einen seichten Unterhaltungsroman (der Rezensent kann nur hoffen, von keinem Gott für seine Worte gestraft zu werden).

Fazit

Das Götterportal als skurrile Börse für die Menschen ist eine phantastische Idee, doch viel mehr sollte man nicht an Außergewöhnlichkeiten erwarten. Der Roman bleibt der seichten und verdammt spaßigen Unterhaltung treu und inszeniert eine vermenschlichte Komödie verschmähter Götterliebe. Das ist keine beeindruckende Story, aber sehr amüsant zu lesen.

3.5 von 5 Punkten

Geschrieben von um 10:17 Uhr.

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