Sonntag, 19. Januar 2020

Rezension: Header 2 (Edward Lee)

Festa Verlag
Hardcover, 415 Seiten
Privatdruck, Keine ISBN
39,99 €

Ein kurzer Einblick

Was ein Header ist? Nichts, worüber man sprechen sollte. Etwas, das die Fantasie in Stücke zerschmettert. Ein Header ist das, was in einem Blutrausch endet, eine Befriedigung, die in einem gigantischen Knall den Höhepunkt erreicht.

Bewertung

»Header 2«, erschienen im Festa Verlag, limitiert auf 999 Exemplare, handnummeriert und von Edward Lee signiert, ist als Privatdruck veröffentlicht worden, besitzt also keine ISBN. Dem Roman liegt außerdem ein Hörbuch von »Header 1«, gelesen von Kai Schulz, bei.

In den einsamen Wäldern Pulaskis gelten Gesetze, die nur praktiziert werden, wenn kein anderes Mittel eine gerechtfertigte Bestrafung zulässt. Der Header ist mehr Legende und Gerücht, als ausgesprochene Wahrheit. Es ist eine Tradition, die von Vater zu Sohn weitergegeben wird. Der Header ist das ungeschriebene Gesetz, das erwachsene Männer erfreut. Die Bestrafung ist derart erniedrigend für Familienangehörige, dass der Header immer das letzte Mittel ist. Es ist das Gesetz der Rednecks, die Eichhörnchen zum Mittagessen jagen, selbstgebrauten Fusel in Erdlöchern lagern und kein Mobiltelefon, einen Laptop, geschweige denn das Internet kennen. All die Magie ist Hexenwerk und befremdlich. Doch genau dieser Magie müssen sich Helton, Dumar und Mick-Mack stellen, als der Drogenbaron Paulie den kleinen Crory Tuckton ermordet.

»Header 2« ist ein Hardcore-Horror-Thriller, der die Abartigkeit von »Header 1« problemlos in die Schranken verweist und zeigt, dass Ekel und Gore auch dann gesteigert werden kann, wenn man glaubte, den Höhepunkt der Geschmacklosigkeit bereits erreicht zu haben. Edward Lee kennt keine Grenzen und schreibt erbarmungslos. Grenzen des Anstands und der Fantasie existieren nicht. Wenn eine Grenze der Übelkeit und des Vorstellbaren überschritten werden kann, nimmt der Autor diese mit Bravour. Dabei verzichtet Lee weitestgehend auf umherfliegende Gedärme, in die Luft gesprengte Körperteile und gefolterte, sowie vergewaltigte, Opfer. Er reduziert den Menschen und den Willen des Verlangens auf Mösen, Titten, Lümmel und jede Menge Sperma. In welchem Zustand »Entladungen« in die Opfer gepumpt werden oder in welcher widerlichen Stellung die Opfer abgefüllt werden kann kaum adäquat beschrieben werden. Sicher ist nur, dass Lee phantastisch schreibt. Sein direkter und schonungsloser Stil löst eine Faszination aus, der man Respekt zollen muss. Ich persönlich kann gar nichts mit dem Genre Extreme Horror anfangen, und doch schafft es der Autor eine Spannung aufzubauen, die zumindest fesselt. Fans des Genres dürften eine Goldgrube gefunden haben. Die Geschichte selbst bewegt sich auf Pfaden, die kaum überraschen dürfte, aber auch nicht will. Die Handlung ist eine pornoreske Gewaltphantasie. Das spiegelt sich in den Dialogen, den Beschreibungen und den Charakteren wieder. Die Handlung lässt sich auf sexuelle Beschreibungen und Rachegelüste reduzieren. Und das ist tatsächlich auch gut so. Die Rednecks Helten, Dumar und Mick-Mack interessieren sich schlicht und ergreifend für kaum etwas anderes. Wer mit dieser Romanausrichtung nichts anfangen kann, sollte tunlichst die Fänger von »Header« lassen.

Fazit

»Header 2« fasziniert trotz seines Nichtgefallens auf schockierende Art. Anders als im ersten Teil kann die seichte Handlung sich entfalten, gewährt den Charakteren Spielraum und gibt Edward Lee die Möglichkeit den Ekelfaktor nicht nur punktuell zu gestalten, sondern sich im Kontext (egal, ob das Genre gefällt oder nicht) stilistisch auszutoben.

3 von 5 Punkten

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Geschrieben von um 19:19 Uhr.

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