Sonntag, 02. August 2020

Rezension: Header 3 (Edward Lee)

Festa Verlag
Hardcover, 256 Seiten
Privatdruck, Keine ISBN
49,99 €

Ein kurzer Einblick

Drei reiche Stadtjungen aus Manhattan suchen den Kick ihres Lebens. In Luntville, einem hinterwäldlerischen Kaff voller Rednecks, kommen sie in einem verwahrlosten Hotel unter. Was sie nicht wussten, Luntville umgibt ein Geheimnis, das ihnen das Grauen bis ins Gehirn treibt.

Bewertung

»Header 3«, erschienen im Festa Verlag, limitiert auf 999 Exemplare, handnummeriert und von Edward Lee und dem Illustrator Glenn Chadbourne signiert, ist als Privatdruck veröffentlicht worden, besitzt also keine ISBN.

Header 1 + Header 2 = Header 3. Eine einfache Gleichung macht den dritten Teil der Header-Reihe zum besten Teil. Die Brutalität des ersten Teils, aber nicht der überbordende Ekel des zweiten Teils, der weit jenseits des guten Geschmacks angesiedelt war, und eine gut erzählte Geschichte wie im zweiten Teil mit annähernd sympathischen oder zumindest eindrucksvollen Figuren, in einer kurzen, aber knackigen, Geschichte, macht den Roman zu einem würdigen Vertreter des Extreme-Horror. Edward Lee hat endlich gelernt, ein Verhältnis zwischen Ekel-Horror und glaubwürdiger, sowie spannender Geschichte, zu finden, das weder mit unnötigem Gore-Faktor, noch mit abstruser Handlung gefallen will. Nur eines bleibt unverändert: Extreme-Horror muss man mögen, ansonsten wird man keinen Gefallen an den Abartigkeiten finden, die der Autor auftischt.

Im Grund genommen, bietet Header 3 eine klassische Geschichte. Stadtjungen fahren ins Hinterland Amerikas, um das Abenteuer ihres Lebens mitten unter den Rednecks zu bekommen. Ein Unglück führt zum Nächsten, sodass es kommt, wie es kommen muss: Die Rednecks wollen Rache – und die einzig wahre Rache ist der Header. Auch die Charaktere bieten kaum einen besonderen Stellenwert, allein ihr Auftreten oder ihr Erscheinungsbild können Eindruck schinden. Die größte Stärke Edward Lees war es bisher immer mit Worten umgehen zu können. So abgedroschen und plump die Handlung ist, so sinnlos brachial und pervers die Gewalttaten sind, so einfältig und oberflächlich die Charaktere sind, gelingt es dem Autoren mühelos, das Geschehen in spannende Worte zu betten, den Charakteren Leben einzuhauchen und die Gewalt als die natürliche Abfolge der Reaktion auf eine Ursache darzustellen.

Viel beeindruckender aber ist, dass die Reihe sich in noch einer Qualität weiter entwickelt hat. Wo vorher nur rohe Gewalt herrschte, existiert diese zwar immer noch, die Figuren aber sind nicht mehr (immer) die grobschlächtigen Kerle und Vetteln, die zum inzestuösen Abbild der Rednecks passen. Edward Lee geht differenzierter an die Ausgestaltung der Kleinstadt Luntville, die selbstverständlich nicht auf Google Maps verzeichnet ist, heran. Heruntergekommen präsentiert sich das örtliche Hotel, in der Kaschemme wird Fleisch zur Schau getragen und jede körperliche Gefälligkeit angeboten, von Backtown sollte besser nicht gesprochen werden. Was dort abgeht, sprengt die Vorstellungskraft jedes Stadtmenschen. Doch zwischen all dem Gräuel, dem Dreck und der Fleischeslust, gibt es auch nette Menschen, die trotz ihres Erscheinungsbildes liebenswürdige Menschen sind. Die Rednecks als Missgeburten oder als menschlichen Abschaum zu deklarieren, wird den Einwohnern von Luntville definitiv nicht gerecht. Hinter so mancher Fassade lauert zwar der Wille nach brutaler Gerechtigkeit, doch entspringt dies einer moralischen Vorstellung, die den meisten Menschen fremd ist. Ob die Rache ohne Gerichte verwerflich ist, soll jeder selbst entscheiden, doch gelingt es Edward Lee den Luntville-Einwohnern einen Hintergrund zu geben, der diese als Menschen darstellt, nicht als Monster in Menschengestalt, egal, welche Brutalitäten ausgeübt werden.

Fazit

Mit dem Header hat Edward Lee eine Legende erschaffen, deren Ausübung im amerikanischen Hinterland ein offenes Geheimnis ist. Für die Rache auf ein unaussprechliches Vergehen kann nur der Header die Antwort sein. Mit »Header 3« findet die Reihe ihren brutalen Abschluss. Zugleich ist es der beste Teil der Reihe, versteht sich Edward Lee doch endlich darauf, sowohl eine Geschichte zu erzählen, die nicht in unnötigen Gewalteskapaden ertränkt wird, als auch die Gewalt auf ein Limit zu zügeln, um der Geschichte Platz zum Atmen zu geben.

4 von 5 Punkten

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Geschrieben von um 18:28 Uhr.

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