Donnerstag, 14. März 2019

Rezension: Jagdsaison. Ein mörderischer Reisebericht (Nina Casement)

 Books on Demand
Taschenbuch, 220 Seiten
ISBN: 978-3752841978
8,99 €

Ein kurzer Einblick

Enttäuscht und mutlos will Frederika – von allen nur Fred genannt – nur noch weg aus Deutschland und entschließt sich, mit ihrem Ersparten eine ausgedehnte Reise zu machen. Ihr Weg führt sie kurzzeitig nach Dänemark und Norwegen, doch erst in Schweden findet sie ihre Lebensfreude wieder. Deshalb beschließt sie, immer weiter zu reisen und da kommen ihr die beiden Männer aus Deutschland, die sie unterwegs trifft und ihr anbieten, mitzufahren, gerade recht. Frederika versteht sich gut mit dem schweigsamen Lars und auch der mysteriöse Ältere, der kaum etwas von sich erzählt, ist nett zu ihr. Je länger die drei unterwegs nach Norden sind, umso näher kommen sich Frederika und Lars. Doch zur selben Zeit macht der dienstmüde Polizist Karl Andersson in seinem Büro in Uppsala eine schreckliche Entdeckung.

Bewertung

Was mich von Anfang an an dieser Geschichte fasziniert hat, war der Gedanke des Reisens. Hätte ich keinerlei Verpflichtungen und das nötige Kleingeld, würde ich es genauso machen wie Frederika. Da mich die skandinavischen Länder von jeher begeistert haben, würde mich die Reise ebenfalls nach Norden führen. Das hat das Lesen extrem spannend gemacht und auf der integrierten Karte mit „Frederikas Reiseroute“ konnte ich in den Lesepausen immer mal wieder abdriften und mir ausmalen, welche Orte und Gegenden ich besuchen würde.

Aber nicht nur die Reise und die entsprechenden detaillierten Landschafts- und Ortsbeschreibungen haben mir gefallen. Die Autorin versteht es vorzüglich, die Geschichte langsam zu entwickeln. Die vier Protagonisten werden alle recht zeitnah vorgestellt, doch zunächst bleibt es bei einer oberflächlichen Bekanntschaft zwischen Leser und Figuren. Erst nach und nach enthüllt die Autorin die Vergangenheit der einzelnen und knüpft diese Informationen hervorragend an deren Entwicklung, die sich im Laufe der Geschichte und besonders zum Ende hin deutlich macht.

Was die Figuren auch so interessant erscheinen lässt, ist, dass alle ihr eigenes Päckchen zu tragen haben und das macht alle vier extrem menschlich. Zugegeben, ein übergewichtiger und abgehalfterter Polizist, der nur noch seine Zeit bis zur Rente absitzt, ist das Klischee schlechthin, aber es hat super in die Geschichte gepasst. Und warum Lars so geworden ist, wie er ist, wird im Laufe der Handlung immer klarer, ohne jedoch zu versuchen, seine Taten zu rechtfertigen oder zu beschönigen. Nina Casement verzichtet auf wertende Worte, sondern lässt den Leser sich selbst eine Meinung bilden.

Insgesamt ist die Sprache zwar einfach gehalten, doch in den Beschreibungen – wie bereits erwähnt – sehr detailliert, was ein lebhaftes Kopfkino erzeugt hat. Die Handlung ist geradlinig und obwohl es kaum actionmäßige Ausuferungen gibt, hat mir dies ebenfalls außerordentlich gut gefallen. Denn ich konnte förmlich spüren, wie sich der Spannungsbogen immer mehr verdichtet und aufgrund der Anspannung nahezu gezittert hat, je näher ich dem Ende kam. Und es kamen automatisch Fragen auf wie: Wird Fred das nächste Opfer? Löst Karl den Fall rechtzeitig? Wie wird sich Lars am Ende entscheiden?

Fragen über Fragen und das hat mich immer weiter getrieben. Das Ende fand ich im ersten Moment zwar etwas abrupt, doch dank des Epilogs war die Geschichte dann doch ordentlich abgerundet. Zwar habe ich das Buch im Endeffekt mit etwas gemischten Gefühlen geschlossen, doch das lag daran, dass die einzelnen Personen teilweise enorm nachgewirkt haben. Und damit steht für mich fest, dass ich diesen Reisebericht nicht zum letzten Mal gelesen habe.

Fazit

„Jagdsaison. Ein mörderischer Reisebericht“ ist ein psychologisch höchst spannender Roman über Verlust, Trauer, depressiven Gefühlen, aber auch Neuanfang, Freundschaft und Mut, sich in unbekannte Gewässer zu wagen. Garniert mit schönen Ortsbeschreibungen im nordischen Flair und vielschichtigen Protagonisten macht dieser „Bericht“ enormen Spaß und ich kann ihn wirklich jedem empfehlen, der auf solche Romane steht. Man sollte ihn vielleicht nur nicht genau vor einem Schwedenurlaub lesen…

5 von 5 Punkten

Wir danken sowohl Nina Casement, als auch BoD für das bereitgestellte Rezensionsexemplar.

Geschrieben von um 14:18 Uhr.

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