Sonntag, 28. Juni 2020

Rezension: Jedes Mal, wenn wir uns in der Eisdiele treffen, explodiert dein verdammtes Gesicht (Carlton Mellick III)

Festa Verlag
Hardcover, 160 Seiten
Keine ISBN, Privatdruck
18,99 €

eBook, 4,99 €
ISBN: 978-3-86552-842-1

Ein kurzer Einblick

Ethan ist ein ganz normaler Junge. Zumindest bis er sich in das seltsamste Mädchen in der Schule verliebt. Immer, wenn sie sich in der Eisdiele treffen, explodiert ihr Gesicht. Jill, auch Spiderweb genannt, kann mit ihren Gefühlen nicht an sich halten.

Bewertung

Bis auf den langen, aber auch genialen Titel »Jedes Mal, wenn wir uns in der Eisdiele treffen, explodiert dein verdammtes Gesicht«, ist der Kurzroman fast schon bodenständig. Keine abgedrehten Welten, ein Liebesroman mit den typischen Problemen, die Jugendliche so haben, besorgte Eltern … Wenn nur Jills Gesicht nicht immer explodieren würde. Überhaupt verzichtet Carlton Mellick III auf eine rasante Achterbahnfahrt wie in seinen anderen Geschichten, die bisher auf Deutsch erschienen sind. Der Autor konzentriert sich auf die beiden Protagonisten Jill und Ethan. Die Szenerie spielt nur im Kontext eine Rolle, wenn dies die Charakterentwicklung unterschreibt; z.B., wenn Ethan von seinen Mitschülern gequält wird und er vom ängstlichen Jungen zur Selbstverteidigung übergeht. Gleiches gilt für das Mädchen Jill. Zugegebenermaßen werden die Figuren nur oberflächlich skizziert, doch das reicht aus, damit diese sympathisch und greifbar werden. Der leichte, aber vorwärtsdrängende Stil, täuscht über die substanzlose Inhaltsleere hinweg. Es passiert nicht viel, Mellick verweigert sich einer irren Story, einer bizarren Handlung und setzt alles auf die explosive Leidenschaft der beiden Jugendlichen, die sich näher kommen. Es ist eine berührende Liebesgeschichte, die gerade wegen der zweckmäßigen Geschichte so verdammt gut funktioniert. Wenn der Leser von nichts abgelenkt wird, stehen automatisch die Charaktere im Vordergrund.
Carlton Mellick III ist Carlton Mellick III. Ohne Bizarro Fiction geht es nicht. Immer, wenn Jill besonders leidenschaftliche Gefühle hegt, explodiert ihr Gesicht. Ethan nimmt dies mit Fassung. In der Schule wird er Frankensteins Bräutigam genannt. Jills Spitzname ist Spiderweb, denn sie zieht Spinnen magisch an. Gemeinsam sind sie ein ungleiches Paar, die komischen Außenseiter, doch ihre Zuneigung zueinander ist grenzenlos. Als Ethan bei einer von Jills Kopfexplosionen verletzt wird, flickt sie ihr Vater zusammen. Gleichzeitig wird er in die Familiengeschichte Jills eingeführt. Jill verändert Ethans Leben für immer. Mit Leidenschaft, einem zusammengeflicktem Gesicht und der innigsten Liebe, die die Menschheit je erlebt hat, erinnert ihre Familie an »The Addams Family«. »Jedes Mal, wenn wir uns in der Eisdiele treffen, explodiert dein verdammtes Gesicht« ist eine Groteske, die keine Liebe endgültig zu sprengen vermag. Zweisamkeit ist vertraute Einsamkeit.

Fazit

Carlton Mellicks III »Jedes Mal, wenn wir uns in der Eisdiele treffen, explodiert dein verdammtes Gesicht« ist ein oberflächlicher, aber trotzdem ergreifender Roman. Die beiden Jugendlichen Ethan und Jill, deren Gesicht bei zu viel Gefühlen explodiert, sind sympathisch und greifbar. Im Vergleich zu seinen anderen auf Deutsch erschienenen Romanen ist dieser fast bodenständig und gerade wegen der akzentuiert eingesetzten Bizarrheit ein verstörend, aber fesselndes Leseerlebnis.

4 von 5 Punkten

Geschrieben von um 20:19 Uhr.

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